Aachen: „Wir für hier“ wirbt für Aachens Bewerbung als Kulturhauptstadt

Aachen : „Wir für hier“ wirbt für Aachens Bewerbung als Kulturhauptstadt

Beinahe schien es so, als würde die Geschichte um den möglichen Titel Kulturhauptstadt Aachen um gleich mehrere Kapitel voranschreiten.

Laut genug war der Applaus für Susanne Schwiers Beteuerung allemal: „Die Verwaltung steht an Ihrer Seite“, sagte die Kulturdezernentin am Dienstagabend zu den Mitgliedern der Bürgerinitiative „Wir für hier 2025“, die mit einer Auftaktveranstaltung im Forum M der Mayerschen Buchhandlung vor rund 150 Zuschauern für eine Aachener Bewerbung um den Titel europäische Kulturhauptstadt 2025 warb.

Tipps von den Experten aus der „Kulturhauptstadt 2010 Essen“: Unter der Moderation von Jürgen Zurheide (2.v.r.) sprachen Essens Stadtdirektor Hans-Jürgen Best (v.r.), Projektleiter Ralph Kindel sowie Wirtschaftsgeograf Rudolf Juchelka von der Universität Duisburg-Essen über die Chancen einer Bewerbung auf den begehrten Titel. Für eine Bewerbung wirbt insbesondere Architektin Eva-Marie Orawiec (kleines Bild). Foto: Andreas Steindl

Ganz so schnell dürfte der Plot dann aber doch nicht voranschreiten. An der Skepsis von OB Marcel Philipp — der selbst der Veranstaltung fernblieb — habe sich nichts geändert, relativierte Schwier nach der mehr als zwei Stunden langen und durchaus leidenschaftlich geführten Diskussionsveranstaltung auf Anfrage. Aber: „Wenn der Prozess mit den Bürgern so weitergeht, werden wir als Verwaltung nicht die großen Zweifler sein, sondern den Prozess mit Diskussionen begleiten“, sagte Schwier.

Rund 150 Zuschauer, darunter zahlreiche Vertreter aus Kultur, Wirtschaft und Politik, lauschten den Experten aus Essen. Foto: Andreas Steindl

Die Vision habe allerdings nur dann eine Chance, wenn die Bewerbung nach dem „Bottom-up-Prinzip“, also von unten nach oben, erfolge. Die „Graswurzelbewegung“, als die sich die Unterstützer stolz bezeichnen, befindet sich also immer noch im Prolog. Ob aus ihr wirklich eine Erfolgsgeschichte wird, wie es der Titel der Veranstaltung andeutet? Ende offen.

Eines scheint jedoch klar: Sollte sich die Stadt tatsächlich dazu durchringen, sich um den Titel zu bewerben, dann muss sie eine Geschichte erzählen, eine „Story“, wie es Ralph Kindel, Leiter des Projektbüros „Grüne Hauptstadt Europas — Essen 2017“, nannte. Der gebürtige Essener hatte in verantwortlicher Rolle die Geschichte ausgearbeitet, mit der sich die Stadt Essen „als Underdog“ erfolgreich als Kulturhauptstadt 2010 beworben hatte, und er sollte deshalb im Forum M erklären, wie Aachen als vierte deutsche Stadt nachziehen könnte.

„Wir haben die Jury überzeugt, weil wir anders waren, weil wir eine ‚Story‘ erzählt haben“, betonte Kindel. Eine Geschichte darüber, wie sich das Ruhrgebiet nach dem Ende von Steinkohle und Stahl durch Kultur gewandelt habe. Und die der Stadt nicht nur den Zuschlag gesichert, sondern die gesamte Region, so Essens Stadtdirektor Hans-Jürgen Best, „beflügelt“ habe.

Wie aber könnte diese „Story“ für Aachen aussehen? Dazu fielen im Forum M gleich mehrere Vorschläge, die von einem traditionsträchtigen Blick in die Vergangenheit über die Hochschulen als Innovationsmotor bis hin zur digitalen Zukunft reichten. „Warum nicht mit dem deutschesten Kulturgut — dem Auto — in E-Form Kulturhauptstadt werden?“, fragte etwa die Aachener Architektin und Stadtplanerin Ina-Marie Orawiec als eine Wortführerin von „Wir für hier 2025“ mit Blick auf Aachen als „Hauptstadt für Elektromobilität“. Schließlich sei der Kulturbegriff weiter zu fassen als die Summe von Theatern und Museen.

Grenzregion als Standortvorteil

Als wesentlichen Standortvorteil für Aachen machte Professor Rudolf Juchelka von der Universität Duisburg-Essen die europäische Lage der Grenzregion aus. Ein weiterer Pluspunkt: „Durch die Bewegung von unten könnte Aachen seine Bewerbung anders aufstellten“, sagte der gebürtige Aachener und Geograf. Er betonte aber auch, dass vor allem mit Blick auf die Verwaltung und die Politik noch Überzeugungsarbeit nötig sein.

Es fehlt ein Ratsbeschluss

Eine mögliche unterstützende Figur auf Verwaltungsebene brachte sich auch sogleich in Stellung, wenn auch nicht aus Aachen selbst: „Wenn die Stadt Aachen den Weg geht, wird die Städteregion die Bewerbung unterstützen“, sagte Städteregionsrat Helmut Etschenberg und betonte: „Man muss in Kauf nehmen zu verlieren. Wer nur antritt, um zu siegen, der geht den Weg falsch.“

Auch Alsdorfs Bürgermeister Alfred Sonders sieht in der Bewerbung nicht nur eine Chance für Aachen, sondern für die ganze Städteregion, und sagte mit Blick auf die Finanzen: „Es geht nicht ums Geld haben, sondern ums Geld akquirieren.“ Allein für die Bewerbung fallen Kosten bis in den Millionenbereich an, ganz zu schweigen vom hohen Personaleinsatz.

Ob die Stadt bereit ist, als notwendiger Träger des Projektes „Kulturhauptstadt Aachen“ diesen Kraftaufwand gemeinsam mit der „Graswurzelbewegung“ zu stemmen, bleibt trotz des Enthusiasmus der Anwesenden weiter offen. Letztlich ist ein Ratsbeschluss nötig. Ein Antrag liegt jedoch nicht vor. Und dann muss es schnell gehen: Spätestens 2019 muss eine ausgearbeitete Bewerbung rausgehen. Es müssen also noch einige Kapitel abgearbeitet werden.