Aachen: Winterlauf: „Ziel erreicht, nichts kaputt, alles gut!“

Aachen: Winterlauf: „Ziel erreicht, nichts kaputt, alles gut!“

Das Einzige, was an diesem durchaus milden Dezembersonntag nicht so gut „läuft“ wie erwartet, ist die Lautsprecheranlage am Chorusberg. Der zuweilen sehr böige Wind verweht die Ansagen von Sprecher Marc Hohgard und Organisator Günter Drießen. Darüber hinaus ist wieder alles bestens organisiert beim 53. Winterlauf der ATG.

11.30 Uhr. An der Verpflegungsstelle Monschauer Straße ist die Lebenshilfe in vollem Einsatz und sorgt mit Tee und Wasser dafür, dass die rund 2500 Läuferinnen und Läufer bei Kräften bleiben. Die Damen und Herren haben sich und den ganzen Parkplatz entsprechend der Tagesparole fein gemacht und Nikolausmützen aufgesetzt, Luftballons aufgeblasen und Fähnchen an den Rand der Laufstrecke gesteckt. Die Stimmung ist bestens.

Gute Zwischenzeiten

Nicht ganz so gelöst geht es derweil auf der Monschauer Straße selbst zu. Die ersten Straßensperren sind aufgebaut, die Verkehrskadetten in gut sichtbarem Gelb-Grün haben ihre Posten bezogen. Der Austausch mit den anderen Sperrpunkten und der Aseag läuft mittels Sprechfunk reibungslos. Manch ein Bus oder Pkw wird noch ganz unbürokratisch durchgewinkt, bevor die Turnschuhe in Massen das Pflaster strapazieren. Die Helfer vom Deutschen Roten Kreuz sind ebenfalls gerüstet. Sogar ein Heizschlauch wird bereitgehalten, um gestrandete Läufer mit Wärme zu versorgen.

Erste Durchsagen von anderen Kontrollpunkten lassen auf gute Zwischenzeiten der Spitzenläufer schließen. Eine Frage brennt vielen auf den Nägeln: Kann Mussa Hudrog von der ATG das selbstgesteckte Ziel — neuer Streckenrekord — erreichen?

Mittlerweile finden sich immer mehr Spaziergänger, Radfahrer und Wanderer ein, lassen sich von der gespannten Atmosphäre in den Bann ziehen. Ein Bus der Linie 11 darf gerade noch passieren, da taucht in der Ferne das Führungsfahrzeug der Spitzenläufer auf. Um 11.50 Uhr passiert Hudrog tatsächlich als Erster mit großem Abstand zur Konkurrenz den Verpflegungspunkt, lässt sich so kurz vor dem Ziel nicht von den Getränkeangeboten ablenken. Die Fans von der Lebenshilfe schwingen die Rasseln und feuern ihn an. Die Abstände zwischen den Läufern werden nun immer kürzer, erste Gruppen überqueren im Pulk die normalerweise stark befahrene Verkehrsader. Mittendrin Franziska Fourné von der ATG als erste Läuferin. Zeit für einen Ortswechsel.

Auf dem Weg zum Sportplatz am Chorusberg kommt Hudrog dem Publikum bereits entgegen. Die Freude in seinem Gesicht macht klar: Streckenrekord! „Ich hab’s geschafft“, bricht es förmlich aus ihm heraus. Um satte 31 Sekunden hat Hudrog die bisherige Bestmarke unterboten. Später, in einem etwas ruhigeren Moment nach der Siegerehrung, macht er deutlich, warum er so erleichtert ist.

Gerade erst zurückgekehrt aus einem einmonatigen Trainingslager mit vielen anderen Läufern in Kenia, wäre alles andere eine Enttäuschung gewesen. „Das sind alles Freunde, die haben mir die Daumen gedrückt. Ein Scheitern hätte ich denen nicht erklären können“, ist er froh über seine Leistung. Sicher, der Wind habe ihn schon etwas gestört, aber das sei nichts gewesen im Vergleich zu den Bedingungen in Afrika.

Währenddessen erreicht im Hintergrund die große Masse des Feldes das Ziel, und schnell wird deutlich, dass es neben dem großen Sieger Hudrog viele kleine Sieger gibt. Der eine ist froh über „eine Minute schneller als beim letzten Mal“, der andere ist überhaupt zum ersten Mal dabei und glücklich, die Ziellinie erreicht zu haben. Und viele halten es wohl wie Sebastian Peter, langjähriger Teilnehmer des Winterlaufs aus Burtscheid: „Zeit egal, Ziel erreicht, nichts kaputt! Alles gut!“

Bepackt mit den sogenannten Finisher-Säckchen, in denen die Teilnehmer eine Printe von Nobis und eine Mütze der ATG finden, verlassen die ersten das Gelände in Richtung Couch. Und beim nächsten Winterlauf funktioniert auch die Lautsprecheranlage wieder.

Hier geht es zur Bilderstrecke: ATG-Winterlauf: Kaiserwetter und viele glückliche Gesichter