Aachen: Winterlauf: Vorfahrt für 2500 Läufer ärgert einige Autofahrer

Aachen : Winterlauf: Vorfahrt für 2500 Läufer ärgert einige Autofahrer

Hätte Günter Drießen am Sonntag einen Schrittzähler getragen — er wäre mit Sicherheit auf eine stattliche Kilometerzahl gekommen. Der Cheforganisator des 52. ATG-Winterlaufs, der am Sonntag turnusgemäß am dritten Adventssonntag stattfand, erlebte wohl den aufreibendsten Tag des Jahres.

Am Ende des langen Vormittags hatte sich der Stress gelohnt, wie einem sichtlich erleichterten Günter Drießen anzusehen war. Erstplatzierter des 18 Kilometer langen Laufs wurde wie im Vorjahr Hudrog Mussa. Der 30-Jährige durchlief das Ziel nach 0:57:11 Stunden. „Was soll man dazu sagen? Das ist einfach toll!“, freute sich Drießen kurz nach dem Einlauf Mussas euphorisch.

Aber alles von Anfang an: Sonntagmorgen, 10.15 Uhr am Chorusberg. Der Sportplatz der ATG ist noch relativ leer, mit den ersten Läufern, die das Ziel durchlaufen, rechnen die Verantwortlichen nicht vor 12 Uhr. Einer ist zu diesem Zeitpunkt trotzdem schon im Dauereinsatz: Günter Drießen. „Ich bin heute Morgen um 5 Uhr aufgestanden, um 6.30 Uhr war ich der erste auf dem Platz“, erklärt der ATG-Organisator.

Drießen ist es, zu dem die Leute kommen, wenn es an irgendeiner Stelle hakt. Ob kurzzeitige Stromprobleme, falsch parkende Anwohner oder irritierte Läufer: Drießen verliert bei keinem Problem die Nerven, bleibt cool und nimmt sich immer wieder Zeit, um Fragen zu beantworten.

Adrenalinspiegel sinkt

Der Startschuss zum Winterlauf mit 2500 Teilnehmern erfolgt kurz nach 11 Uhr im Vichtbachtal — und Günter Drießens Adrenalinspiegel geht zu diesem Zeitpunkt vorläufig ein wenig herunter. Die Vorbereitungen sind vorbei. Jetzt kommt das, worauf alle Beteiligten ein Jahr hingearbeitet haben. Zugleich füllt sich langsam der Platz, auf rund 40 weitere Helfer am Chorusberg wartet Arbeit.

Da steht zum Beispiel Alexandra Gülpen, die bei der ATG Kinder und Jugendliche in Leichtathletik-Disziplinen trainiert. Sie baut mit ihren Schützlingen den obligatorischen Versorgungsstand auf, an dem Läufer und Zuschauer später beköstigt werden. Ein paar Meter weiter steht Masoud Mirzai, Sponsor des Winterlaufs von der Techniker Krankenkasse. „Ich war ja selbst bis zum 18. Lebensjahr bei der ATG. Aber was über 10 Kilometer geht, könnte ich heute nicht mehr laufen“, witzelt Mirzai.

Direkt an der Ziellinie steht indes Marc Hohgardt, der zum vierten Mal die Moderation des Laufsportevents übernimmt. Er sorgt dafür, dass die Zuschauer im Stadion über die Ereignisse auf der Strecke informiert sind. Eine Besonderheit ist in diesem Jahr, dass die Verantwortlichen erstmals Live-Bilder auf einer Großleinwand im Stadion präsentieren. Eingefangen werden sie von zwei Kameras im Stadion und einer am Vennbahnweg in Kornelimünster. „In einem Restaurant nehmen dort immer viele Zuschauer Platz und feuern die Läufer an, weshalb sich die ATG für diesen Ort entschieden hat“, erklärt Hohgardt.

Echte Freundschaft

Hohgardt ist es auch, der die ersten Läufer um kurz nach 12 Uhr im Stadion begrüßt. Als am Ende Hudrog Mussa gewinnt, ist vor allem Günter Drießen überglücklich. „Ich habe ihn vor einigen Jahren selbst dazu motiviert, zur ATG zu kommen. Das zwischen Hudrog und mir ist zu einer echten Freundschaft geworden“, sagt Drießen.

Bei den Frauen macht Kristina Ziemons das Rennen, die nach 1:07:57 ins Ziel einläuft. Besonders erfreulich: Mit Claudia Leschnik, die Drittplatzierte unter den Damen, schafft es die ATG sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen, jeweils einen Läufer unter den besten Drei zu platzieren.

Bei den Verkehrsumleitungen, verursacht durch Sperrungen für den Winterlauf, gibt es unterdessen kaum Probleme. „Natürlich sind nicht alle immer sofort einsichtig, im Großen und Ganzen gab es heute aber keine Komplikationen“, bilanziert Michael Günter, Leiter der Verkehrskadetten. Rund um die Laufstrecke sichert er am Vormittag mit über 20 Kadetten die Straßen ab. „Der Winterlauf war einfach gut organisiert, und weil alle Beteiligten frühzeitig in Kenntnis gesetzt wurden, hatten die meisten Autofahrer auch Verständnis.“

Einzelne Anwohner beschweren sich am Sonntag dennoch über „unverhältnismäßige Beeinträchtigungen“ — darunter Ludwig Goll: „Es ist zu begrüßen, dass sportliche Veranstaltungen stattfinden“, stellt er fest. Dafür aber drei Hauptverbindungsstraßen nach Aachen hinein und aus der Stadt heraus zu sperren, zeuge nicht gerade von professioneller Planung und Organisation, beklagt er. Und fügt hinzu: „Hunderte Fahrzeuge mussten unter erheblichen Schwierigkeiten an den Sperrpunkten wenden.“

Nichtsdestotrotz: Dem 53. ATG-Winterlauf im Jahr 2015 sollte nach Einschätzung der Veranstalter kaum etwas im Wege stehen.