Aachen: Willkommen wie Filmstars: „Gazastreifen” im Kosovo

Aachen: Willkommen wie Filmstars: „Gazastreifen” im Kosovo

Als Land im Rohbau hat ein Journalist einmal das Kosovo bezeichnet. „Und so ist es auch”, bestätigt der Aachener Politikwissenschaftler Manfred Schmitz, nachdem er mit der Kabarettgruppe „Gazastreifen” von dort zurückgekehrt ist.

Auf Einladung der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) waren Max Meier, Ingo Strauch, Hanno Gerken, Manfred Schmitz und der Pianist Gero Körner ins Kosovo aufgebrochen, um dort ihre Kabarettnummern zu spielen. Die GTZ ist ein weltweit tätiges Unternehmen der Internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung.

„Aus historischer Sicht ließe sich das Kosovo auch als Gazastreifen Europas bezeichnen”, sagen die Kabarettisten. Von daher war es natürlich eine Herausforderung dort aufzutreten. Noch immer sind zahlreiche internationale Organisationen und Soldaten vor Ort. „Manchmal hat man den Eindruck, in einer deutschen Kolonie gelandet zu sein”, sagt Ingo Strauch.

Viele der Kosovaren sind ehemalige Gastarbeiter oder ehemalige Flüchtlinge, die ihre Kindheit in Deutschland verbracht haben, und sprechen Deutsch. Oftmals sehe man auch alte Autos mit deutscher Beschriftung durch die Straßen fahren, und in den Regalen der Supermärkte fänden sich etliche Produkte mit deutscher Bezeichnung. Außerdem ist der Euro die offizielle Währung.

Gewundert haben sich die Kabarettisten aus Aachen, als sie nach ihrer Ankunft die großen Plakate mit ihren Konterfeis entdeckten. „Man hat uns willkommen geheißen wie Filmstars”, erinnert sich Schmitz augenzwinkernd.

Vor Vertretern der GTZ, einem Brigadegeneral der KFOR, verschiedenen Ministern des Kosovos, Botschaftern und rund 150 vollbewaffneten Soldaten hatten sie dann ihren Auftritt bei der Eröffnung eines neuen Bürohauses der GTZ. „Dabei haben wir uns nicht gescheut, unsere Afghanistan-Nummer zu spielen, schließlich möchten wir uns nicht selbst im Vorfeld zensieren”, erklären die Mitglieder des „Gazastreifens” unisono.

Der Tag des Auftrittes war für alle der Höhepunkt der x-tägigen Reise. Insbesondere aber für Manfred Schmitz, hatte er doch zuvor einen Vortrag an der Universität der Stadt Pristina mit dem Titel „Friedensjournalismus - eine Alternative zum Kriegsjournalismus” gehalten. Anschließend löcherten ihn 200 begeisterte Studenten mit Fragen.

Auch für den Pianisten Gero Körner war das Kosovo eine Reise wert. Neben der musikalischen Begleitung des „Gazastreifens” nutzte er die Gelegenheit zu einer Session mit dem führenden Jazztrio des Kosovos. Anschließend wurde er als „Mr. Gero” gefeiert.

Die Aachener Künstler haben aber nicht nur für Unterhaltung gesorgt, sondern auch Gedenkstätten und Projekte der GTZ besichtigt. Was sie mitgenommen haben ist „eine Aufbruchsstimmung trotz schlechter Bedingungen”.