Aachen: Wieder mit (Jugend-)Stil baden gehen

Aachen: Wieder mit (Jugend-)Stil baden gehen

Gut, Martha Timmermanns morgendliche Schwimmstunde ist nicht ins Wasser gefallen. Doch in den letzten Monaten waren der Aufwand größer, der Hinweg länger und die Freude kleiner geworden.

Denn ihre Elisabethhalle - kaum acht Minuten Fußweg von Zuhause entfernt - wurde seit Mai saniert, und die Frühschwimmerin Timmermann musste in die West- und Südhalle ausweichen. Doch am Montag begann der Badebetrieb in der 100 Jahre alten Jugendstilhalle wieder. Und natürlich stand Timmermann mit ihrer Jahreskarte um 6.30 Uhr mit den frühsten Frühschwimmern an der Kasse.

Sie zog einen der neuen grauen Vorhänge der Umkleidekabine zu, schaute in den 100 Jahre alten restaurierten Spiegel, zog sich Badeanzug und Badehaube an und ging - im Wortsinne - baden. Oben strahlte die neue Beleuchtung, die den Glanz der für 1,3 Millionen Euro sanierten Halle ins rechte Licht rückt, unten zog Timmermann ihre Bahnen und war begeistert. „Wunderbar ist das. Ach, wunderbar ist gar kein Ausdruck. Es gibt nichts, woran ich etwas auszusetzen hätte.”

Das hören die Verantwortlichen gerne. Badleiter Ingo Diesberg begrüßt Timmermann. „Mir hat es vorher schon gefallen. Aber was Neues ist immer was Besonderes”, sagt sie ihm. Das Neue ist im Prinzip das Alte. Denn Architekt Albert Frey und Engelbert Chaumet vom städtischen Gebäudemanagement hatten sich und den Bauarbeitern das Ziel gesetzt, das historische Bild der Jugendstilhalle wieder zu betonen.

Das hat 14 Tage länger gedauert als erwartet, aber Frey und Chaumet stehen endlich am Beckenrand, schauen in die Runde, verweisen auf feine Details und prägende Neuerungen und sind froh, dass ihre Vorstellungen der Sanierung nicht ins - diesmal sprichwörtliche - Wasser gefallen sind. So hofft Gerta Keller vom Sportamt, dass die Halle viele neue Freunde anzieht.

92.000 Besucher wurden 2010 gezählt, darunter 45 000 im öffentlichen Badebetrieb in der großen Halle mit dem 27-Meter-Becken, 30.000 im Schulschwimmen und 17.000 durch Vereine (die beide Becken nutzen). Zum Vergleich: In Brand wurden 2010 allein durch den öffentlichen Badebetrieb und die Schulen 122.000 Gäste gezählt.

Während Martha Timmermann bei 28 Grad Wassertemperatur ihre Bahnen schwimmt - jeden Tag eine halbe Stunde, dann Wassergymnastik -, erzählen Frey und Chaumet, dass die Hallen farblich verändert wurden. „Die hellen Töne, die wir gewählt haben, sind historisch”, erklärt Chaument. Das wurde an Hand alter Fotos rekonstruiert. Zudem betont der dezente Anstrich verspielte Details, die Kacheln, Geländer und die neuen hölzernen Handläufe.

Neu sind die Duschen, für die die Bauleute durch Wände gegangen sind. Hier wurden zugemauerte Bögen wieder freigelegt. Allein die blickdichten Scheiben, die als „Schamwand” die Duscher von den Schwimmern trennen werden, sind noch nicht geliefert. Ebenso einige Lampen. Aber bis Mitte des Monats sollen die letzten Einzelheiten fertig, die letzten Vorhänge ausgetauscht sein. Idealerweise bis Samstag, wenn 100 Jahre Elisabethhalle gefeiert werden (siehe Infokasten).

Martha Timmermann gefallen die neuen Duschen. „Ich habe auch vorher nicht gemeckert”, sagt sie. Doch dass 500.000 Euro allein in die Haustechnik investiert wurden, wird rasch klar. Die weiteren 800.000 Euro flossen in die eigentliche Sanierung der Bausubstanz der denkmalgeschützten Halle. 500.000 Euro kommen dabei von Land und Bund. Dafür gibt es einen aufwendig restaurierten Frauenbrunnen, neue Kacheln, zwei Ruhezonen mit Stühlen und Liegen, liebevoll aufgearbeitetes uraltes Mobiliar und Marmor, den der Verleger wochenlang suchte, um dann in Italien einen Hinweis zu bekommen, dass in Köln noch entsprechendes Material liegen müsste.

Timmermann dagegen kann eine andere Geschichte der Halle erzählen. Eine ältere. Seit 1973 besitzt sie eine Jahreskarte, aber das erste Mal war sie als Schülerin hier. 1938 muss das gewesen sein. „Ich habe hier das Schwimmen gelernt”, erzählt sie. „Ich wurde einfach ins Wasser geworfen und musste losschwimmen.” Es gelang. Und seitdem hat die Elisabethhalle einen festen Platz in ihrem Leben. „Da fängt der Tag direkt viel schöner an”, sagt sie und verlässt zufrieden die wieder eröffnete Schwimmhalle.

100. Geburtstag: Am Samstag werden spannende Einblicke geboten

Gefeiert wird der 100. Geburtstag der Elisabethhalle, eine der schönsten und letzten Jugendstilhallen Deutschlands (im Bild das kleinere „Frauenbecken”), am Samstag, 15. Oktober, während der Öffnungszeiten zwischen 7 und 14 Uhr.

Eine Festrede wird um 10.30 Uhr von Bürgermeister Björn Jansen gehalten, neben Führungen in den Untergrund, in dem es nun nach der Sanierung nicht mehr tropft, werden Schnupperkurse und Wassergymnastik (ab 11 Uhr) angeboten. Außerdem sind die historischen Wannenbäder zu besichtigen, die zwar erhalten, aber mangels Bedarf sonst verschlossen bleiben. Der Eintritt zum 100. Geburtstag beträgt 100 Cent.

Geöffnet hat die Elisabethhalle nach der Sanierung immer montags von 6.30 bis 18 Uhr, dienstags, donnerstags und freitags von 6.30 bis 21 Uhr, mittwochs von 12 bis 20 Uhr und samstags von 7 bis 14 Uhr. Sonntags ist geschlossen. Weitere Bauarbeiten in der Halle in zwei Abschnitten sind bereits angekündigt.

Im nächsten Sommer wird das Vorderhaus mit Fassade und Dach in Angriff genommen, abschließend folgen die Innenhöfe.

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