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Aachen: Wie viel Fußgängerzone ist in der Fußgängerzone?

Aachen : Wie viel Fußgängerzone ist in der Fußgängerzone?

Wie viel Fußgängerzone bleibt in der Fußgängerzone? Die heikle Frage hat am Donnerstagabend für einen heftigen Schlagabtausch im Mobilitätsausschuss des Rates gesorgt. Und dies, obwohl ein neuer Vorstoß von CDU und SPD zur Verbesserung der Sicherheit von Passanten vor allem am Burtscheider Markt und in der Kapellenstraße bei der Verwaltung auf ein eher moderates Echo stieß.

Umso heftiger prallten die verbalen Fronten zwischen den Vertretern der großen Koalition einerseits und dem verkehrspolitischen Sprecher der Grünen andererseits aufeinander.

Per Ratsantrag hatten CDU und SPD nämlich moniert, dass die Lieferzeiten sowie die Freigabe für Radfahrer in den verschiedenen, grundsätzlich vom Blech befreiten Bereichen der Stadt allzu uneinheitlich geregelt seien — was die Verwaltung in ihrer Vorlage umgehend zurückwies. Zwar seien Drahtesel etwa in der Adalbert-straße in den „besucherarmen“ Nachtstunden geduldet. Lkw & Co. würden aber in allen Fußgängerzonen nur zwischen 6 und 12 Uhr beziehungsweise 18.30 bis 21 Uhr zwecks Versorgung der Geschäfte geduldet. Bei den täglichen Überwachungen durch das Ordnungsamt würden Verstöße „nur selten“ festgestellt. In Burtscheid bestehe überdies ein prinzipielles Durchfahrtverbot für Pedalpiloten, weil im Kurgebiet naturgemäß viele Menschen mit körperlichen Gebrechen unterwegs seien.

Auf den eklatanten Unterschied zwischen Theorie und Praxis machte zunächst indes CDU-Ratsfrau Gaby Breuer aufmerksam. Nach wie vor bretterten täglich ungezählte Radfahrer übers Pflaster zwischen Schwertbad und Viehhofstraße. Da sowohl Ordnungsamt als auch Polizei nicht permanent zur Stelle sein könnten, um sie in die Schranken zu weisen, könnten großformatige Bodenpiktogramme einen Beitrag leisten, sie zum Absteigen zu bewegen. Die seien mit geringen Mitteln und schnell zu realisieren. Prompt machte Grünen-Ratsherr Wilfried Fischer eine gänzlich andere Rechnung auf: „Der Radverkehr ist dort doch überhaupt nicht das Problem“, meinte er. Die meisten Velo-Nutzer verhielten sich „durchaus rücksichtsvoll“. Daher spreche gar nichts dagegen, ihnen die Nutzung des Burtscheider Marktes und der Kapellenstraße zumindest zwischen 17 und 9 Uhr zu gestatten. „Zu Konflikten kommt es dort in der Regel doch vor allem dadurch, dass die Lieferzeiten eben nicht eingehalten werden, Lkw und Autos gefährden die Fußgänger dort viel mehr.“

Entsetzte Mienen bei CDU und SPD: Einmal mehr versuche der Grüne, die Politik der Groko in Sachen Radverkehr madig zu machen, konterten Breuer und SPD-Ratsfrau Ye-One Rhie. Man lasse sich nicht vorwerfen, zu wenig für die Förderung des umweltfreundlichsten Fahrzeugs zu tun, zürnten beide. „Es heißt schließlich Fußgängerzone“, so Ye-One Rhie. „Dann müssen wir das auch gewährleisten, dann müssen Kinder auch ohne Gefahr rennen, Kurgäste sich trotz körperlicher Handicaps sicher fühlen können.“

Während die Debatte reichlich Fahrt aufnahm, liefen die Grünen mit ihrem Einwurf am Ende freilich vor die Wand. Mit großer Mehrheit beschloss der Ausschuss, besagte Piktogramme unverzüglich aufbringen zu lassen. Auch die Grünen stimmten nicht dagegen — sondern enthielten sich.