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Aachen: Wie Inklusion im Alltag gelingen kann

Aachen : Wie Inklusion im Alltag gelingen kann

Die Alexianer Aachen GmbH macht Inklusion vor: Sie ist Trägerin des Alexianer Wohn- und Beschäftigungsverbundes Aachen.

Dieser betreibt beispielsweise das Wohnheim Maria Haus am Gemmenicher Weg auf Kronenberg. Dort leben 24 Menschen mit einer psychischen Behinderung, darüber hinaus begleitet das ambulant betreute Wohnen von hier aus rund 30 Menschen in der eigenen Wohnung, und etwa 60 Menschen mit Beeinträchtigungen finden täglich soziale Kontakte und eine sinnvolle Beschäftigung. Das Gelände ist ein von Bioland zertifizierter Bauernhof mit Bioladen, Streichelzoo und Holz- und Metallwerkstatt. Angeleitet von Fachpersonal finden die Menschen mit Behinderung so eine geordnete Tagesstruktur durch Betätigungen wie zum Beispiel Feld- und Gartenarbeit, Verkauf oder Tierpflege.

In den Entwicklungsprozess der Inklusion kommt derzeit auch von Seiten der Politik Bewegung. Zu Neujahr 2017 sind das Bundesteilhabegesetz (BTHG) und Pflegestärkungsgesetz III in Kraft getreten. Der Zweckverband der katholischen psychiatrischen Behandlungs- und Betreuungseinrichtungen im Rheinland, dessen Mitglied die Alexianer Aachen sind, hat sich gegenüber den gesetzlichen Neuerungen klar positioniert. „Wir vertreten die Interessen der Menschen, für die wir arbeiten. Wir wollen, dass Menschen mit Behinderung durch die Veränderungen nicht zu Verlierern werden“, betonte Birgit Nievelstein, stellvertretende Direktorin des Alexianer Wohn- und Beschäftigungsverbundes Aachen.

Finanzierungsprobleme drohen

Sie nannte zwei Beispiele, die den Einrichtungen zur Eingliederungshilfe und dem Zweckverband Sorge bereiten: Im BTGH ist eine Trennung der Finanzierung von Fachleistungen (z. B. Betreuung) und existenzsichernden Leistungen für die Bewohner von Einrichtungen wie Maria Haus vorgesehen. Befürchtet wird, dass dadurch Finanzierungslücken zu Lasten der behinderten Menschen und ein bürokratischer Mehraufwand für die Einrichtungsträger entstehen, so Nievelstein. Darüber hinaus sollen diejenigen, die in ambulant betreuten Wohngruppen leben und bisher Pflegesachleistungen in voller Höhe erhalten haben, nach dem Pflegestärkungsgesetz nur noch die pauschale Abgeltung erhalten. Auch hier könnten den Betroffenen Leistungskürzungen drohen, sagte sie.

Zwölf Einrichtungen

Zum Zweckverband gehören zwölf Einrichtungen am Nordrhein, in denen 7300 Mitarbeiter etwa 6200 Menschen mit Behinderung kontinuierlich und über 112 000 Patienten jährlich ambulant, teilstationär und stationär behandeln. Die Vertreter des Verbandes wollen gemeinsam mit den politischen Entscheidungsträgern den anstehenden Veränderungsprozess erfolgreich gestalten und gegebenenfalls an manchen Stellen nachbessern.