Wie die Stadt Aachen Tempo 30 in der Innenstadt umsetzen will

Rechts vor Links muss niemand fürchten : So will die Stadt Tempo 30 umsetzen

Tempo 30 ist nicht gleich Tempo 30. Diese Erfahrung werden viele Autofahrer machen, die ihre Erfahrungen in den zahlreichen Tempo-30-Zonen der Stadt sammeln konnten und mit der Geschwindigkeitsbegrenzung bald auch auf allen Straßen innerhalb des Alleenrings konfrontiert werden.

Doch zumindest auf den wichtigen Zufahrts- und Durchfahrtsstraßen wird sich aller Voraussicht nach weniger ändern, als manch ein Autofahrer fürchtet. Denn diese Straßen werden nicht Teil von Tempo-30-Zonen, sondern bleiben Hauptstraßen, auf denen dann aber die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h gilt. Was so spitzfindig klingt, hat durchaus wesentliche Folgen für alle Verkehrsteilnehmer. Denn anders als in Tempo-30-Zonen, die insbesondere in reinen Wohngebieten eingerichtet wurden, wird es an diesen Straßen keine Rechts-vor-Links-Regel geben, werden Ampeln weiterhin den Verkehr regeln und dürfen auch Radfahrer weiterhin auf eigenen Radwegen oder Schutzstreifen unterwegs sein.

Der Teufel liegt wie so oft im Detail. Diese Erfahrung müssen auch die städtischen Verkehrsplaner machen, die derzeit damit befasst sind, den in der vergangenen Woche gefassten Ratsbeschluss bis zum Jahresende in die Tat umzusetzen. Tempo 30, so die Hoffnung vieler Politiker, soll die Luft sauberer und den Verkehr sicherer machen. Doch bis es so weit ist, muss noch einiges an Vorarbeit geleistet und vor allem mit der Gesetzeslage in Einklang gebracht werden, wie Harald Beckers vom städtischen Presseamt erläutert. Der Spielraum für Tempobegrenzungen ist nicht allzu groß.

In der Regel sind es Sicherheitsaspekte, mit denen Geschwindigkeitsbegrenzungen auch auf Hauptstraßen gerechtfertigt werden. Zu sehen ist das oftmals vor Schulen und Kindergärten, aber auch vor Krankenhäusern wie etwa auch am Alexianergraben vor dem Alexianerkrankenhaus. Möglich sind solch „streckenbezogene Begrenzungen“ aber auch, um die Menschen vor Lärm und Abgasen zu schützen – so wie es nun auch in Aachen angestrebt wird –, was aber auch durch Umweltgutachten belegt werden muss.

Bis Ende des Jahres sollen alle Schilder stehen, so jedenfalls lautet der politische Auftrag. Ob darüber hinaus weitere Änderungen nötig sind – etwa eine an das neue Tempo angepasste Ampelschaltung – müsse noch geprüft werden, sagt Beckers. Sicher ist hingegen, dass die vielbefahrene Theaterstraße vorerst eine Hauptstraße bleiben wird, das Gleiche gilt für den Grabenring und weitere größere Zufahrtsstraßen.

Dankbar registriert dies insbesondere auch die Aseag, die etwa mit „Rechts vor Links“ ihre liebe Not hat. „Mehr Rechts vor Links würde dazu führen, dass die Busse öfter abbremsen und wieder anfahren müssen. Unsere Fahrgäste sind dann langsamer unterwegs“, sagt Aseag-Sprecher Paul Heesel. Der Umwelt würde das auch nicht guttun, ist er überzeugt.

Ob die neue Tempo-30-Regelung Auswirkungen auf den Busfahrplan hat, kann Heesel derweil noch nicht sagen. Man müsse erst Erfahrungen sammeln. Die Hoffnung ist ja, dass der Verkehrsfluss besser wird. Und klar ist auch, dass die Busse schon bisher in den seltensten Fällen Tempo 50 in der Innenstadt erreichen.

Radfahrer können sich derweil darauf einstellen, künftig besser im allgemeinen Verkehr „mitzuschwimmen“, da die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen Pkw, Bussen und ihnen geringer werden. Und während es in Tempo-30-Zonen für sie keine Sondermarkierungen geben darf, werden sie sich in der Innenstadt – etwa auf dem Grabenring – nicht umgewöhnen müssen. Alle vorhandenen und markierten Spuren werden vorerst bleiben, sagt Beckers. Welche Umgestaltungen in Zukunft noch folgen werden, etwa auch im Zuge des Radentscheids und durch den Ausbau sogenannter Radvorrangrouten, ist hingegen noch nicht absehbar.

Der Alleenring, der durchgehend zur Kategorie Bundesstraße zählt, ist von den geplanten Änderungen ausgenommen – mit einer Ausnahmee: Auf der Monheimsallee von der Bastei in Richtung Hansemannplatz soll der Verkehr auf Wunsch von CDU und SPD künftig auch nur noch mit höchstens 30 km/h rollen. Auch dies soll der im Bereich Hansemannplatz stark belasteten Luft zugute kommen. In Gegenrichtung wird es bei 50 km/h bleiben.

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