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Baumpflanzaktion: Wie Aachener dem Wald ganz praktisch helfen können

Baumpflanzaktion : Wie Aachener dem Wald ganz praktisch helfen können

Seit rund zwei Jahren verzeichnet die Stadt einen verstärkten Wunsch von Aachenerinnen und Aachenern, Bäume für den Aachener Wald zu spenden und auch selbst einzupflanzen. Dieser Wunsch ist jetzt Realität geworden.

Blattspaten, Wiedehopfhacke und Arbeitshandschuhe: Gut ausgerüstet treffen die Teilnehmer der ersten städtischen Baumpflanzaktion am Samstagmorgen im Aachener Wald am ausgemachten Treffpunkt ein, einem Bauwagen am Dornbruchweg. Der Empfang ist herzlich, es gibt Kekse. Denn auch die Verantwortlichen des Forstamts, haben sich bestens auf die Aktion und die erwarteten 70 Teilnehmer vorbereitet. Die haben nämlich nicht nur gute Laune und Motivation dabei, sondern auch jede Menge Fragen.

Die große Nachfrage zeigt: die Zukunft des Aachener Waldes liegt vielen Menschen am Herzen. Bevor es losgeht, gibt es jedoch eine kurze Einweisung, denn Bäume pflanzen will gelernt sein. Eine Gruppe versammelt sich um Revierleiter Marko Steinmetz, der den Teilnehmern zeigt, wie man am besten vorgeht: Grube ausheben, den Setzling vorsichtig hineingeben, die Grube mit Erde füllen und ordentlich feststampfen. Die Gruppe macht sich an die Arbeit und nach einigen Minuten stehen die ersten Bäumchen mehr oder weniger gerade im Boden.

Das Forstamt hat mit der Veranstaltung auf die große Nachfrage der Bürgerinnen und Bürger reagiert, die sich immer häufiger melden und dem Wald helfen möchten. Denn die Folgen der ungewöhnlich warmen, letzten Jahre lassen sich immer häufiger im Wald beobachten. „Die Leute wollen selbst mit anpacken und erhalten dadurch auch ein Gefühl für die wichtige Arbeit der Försterinnen und Förster“, sagt Revierleiter Marko Steinmetz. Sie würden häufig als Baumfäller verteufelt, die den Wald nur ausbeuteten, sagt er mit einem besorgten Blick. „Deshalb helfen insbesondere Aktionen wie diese, der Bevölkerung zu verdeutlichen, welch großen Beitrag wir mit der Pflege des Waldes zum Erhalt der Artenvielfalt leisten.“

Und dass das Ganze auch noch Spaß macht, zeigt die Freude der Kinder. Unter den Augen von Försterhund Frieda setzen sie die Setzlinge fürsorglich in die ausgehobenen Löcher und drücken die Erde mit den Füßen fest. Anschließend wird der Baum mit etwas Sprühfarbe markiert, damit auch alle ihren Baum in Zukunft wiedererkennen.

Dass Naturschutz und Spaß gut zusammenpassen, weiß auch Luise Kunzel. Trotzdem ist das Mädchen mit ihren Eltern nicht nur in den Wald gekommen, um Spaß zu haben, sondern weil ihr die vielen kahlen Stellen im Wald Sorge bereiten. „Ich möchte, dass die Eichhörnchen auch in Zukunft ein zu Hause im Wald finden, sagt sie und spricht damit ein Thema an, was auch Förster Marko Steinmetz umtreibt. Denn auch im Aachener Wald werden die Spuren des trockenen Klimas immer sichtbarer. Die im Wald häufig anzutreffenden Fichten vertragen die anhaltende Trockenheit schlecht. Sie brauchen viel Wasser und können wegen ihrer flachen Wurzeln kaum auf die Feuchtigkeit im tiefen Boden zugreifen. Das mache sie anfälliger für Schädlinge. Was es also braucht, sind Konzepte und insbesondere Bäume, die den Anforderungen des wechselnden Klimas gerecht werden.

Die von den Teilnehmern gepflanzten Rotbuchen sind eine dieser Baumarten. Aber auch die die in einer Kuhle einige Meter weiter gepflanzten Eschen sind ideal an ihre Umgebung angepasst. Allgemein sei das Gelände der ideale Ort für unterschiedliche Bäume, sagt der Förster. Die Esche in den feuchteren Ecken, die Buche in den etwas trockeneren. Zudem ist die Fläche gut sichtbar. Immer wieder halten Passanten an, stellen Fragen und zeigen sich interessiert.

Die Aktion neigt sich dem Ende. Die Arbeit ist getan. Trotzdem schwingt bei all der Freude auch etwas Wehmut mit. Denn dem Wald geht es vielerorts schlecht. Doch der Vormittag hat eines deutlich gemacht: Der Aachener Wald und seine Probleme sind zurück im kollektiven Bewusstsein bei Groß und Klein – und zwar nicht nur an einem sonnigen Samstagmorgen, in einem erneut ungewöhnlich warmen und trockenen Herbst.