Widerstand gegen geplante Nordanbindung des Campus West in Aachen

Nordanbindung Campus West : Anwohner bringen die Variante A wieder ins Spiel

Der Regen hat den Anwohnern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn die prasselnden Tropfen drückten die Heliumballons immer wieder nach unten. Dabei sollten sie doch anzeigen, wie hoch die geplante Brücke zur Norderschließung des Campus West über Laurensberg ragen würde. Doch ihr Anliegen, wie heftig diese Brücke die Landschaft verändern würde, wurde trotzdem deutlich.

Davon konnten sich am späten Dienstagnachmittag Vertreter der Bezirksvertretung, der Hochschule und anderer beteiligter Institutionen überzeugen, die die Bürgerinitiative Campus West zu einem Ortstermin eingeladen hatte. Bei einem Spaziergang über die Straßen, Wege und Felder rund um Schurzelt bis hinauf zum Campus Melaten zeigte die Gruppe um Stefan Brall, Michaela Natschke, Angela Ertz und Annette Sauermann, wo die von der Verwaltung favorisierte sogenannte Variante D verlaufen soll: nämlich vom Campus West über zwei Brücken und ein mächtiges Dammbauwerk in acht Metern Höhe über den Pariser Ring und die dahinter liegende Bahnlinie zur Mathieustraße auf dem Campus Melaten. Und wegen der Anforderungen des Instituts für Schienenfahrzeuge und Transportsysteme der RWTH müsse die Brücke schwerlasttauglich sein.

Neben den Kosten von geschätzten 15 Millionen Euro und dem massiven Eingriff in das Landschaftsbild führt die Initiative auch die Lärmbelastung durch den Verkehr bis in die höheren Lagen von Laurensberg im Bereich unterhalb der Kirche St. Laurentius, der dann beinahe auf einer Höhe mit dem Brückenbauwerk läge, gegen die Variante D ins Feld.

Eigentümer würde verkaufen

Die Anwohner favorisieren ihrerseits eine sogenannte Variante A, die vom Toledoring über Ausfahrt Süsterfeld, eine dahinter liegende Wiese, durch ein kleines Wäldchen und über die bereits bestehende Eisenbahnüberführung des Toledorings zum Campus West geführt wird. Für diese Variante spreche nicht nur der wesentlich kleinere Eingriff in die Landschaft, sondern auch die mit geschätzten vier Millionen Euro geringeren Kosten. Außerdem habe der Eigentümer der Wiese den Anwohnern gegenüber die Bereitschaft signalisiert, seine Fläche für diesen Zweck zu verkaufen.

Petra Perschon-Adamy, die für die Grünen in der Bezirksvertretung Laurensberg sitzt, war beeindruckt vom Engagement der Bürgerinitiative. „Ich nehme von diesem Termin mit, dass die Variente D tatsächlich einen unglaublichen Einschnitt in die Landschaft darstellt“, sagte sie. Außerdem sei es weder ihr noch ihrer Fraktion bisher klar, wie viele Schwerlastverkehre auf dieser Brücke überhaupt erwartet werden.

Michaela Natschke erklärte, der Bürgerinitiative gehe es vor allem darum, dass bei den anstehenden Diskussionen über die Nordanbindung des Campus West in Bezirksvertretung und Planungsausschuss ihre Variante A gleichberechtigt zur Variante D mitgeprüft werde. „Die Politiker müssen doch eine Alternative haben“, forderte sie im Namen der Initiative und hatte damit Bezirksbürgermeister Alexander Gilson auf ihrer Seite. „Wir müssen die verschiedenen Varianten nebeneinander legen und die unterschiedlichen Bedürfnisse und Auswirkungen erörtern und abwägen“, sagte Gilson, der auch planungspolitischer Sprecher der Aachener CDU ist. „Vorher darf es keine Vorrang-Variante geben.“

Allerdings wies er auch daraufhin, dass die Variante A bereits vor mehr als zehn Jahren von der Bezirksvertretung Laurensberg wegen der Lärmbelästigung für die Anwohner der nahe gelegenen sogenannten Solarsiedlung abgelehnt worden sei. Damals, so räumte Gilson aber auch ein, habe es noch keine Variante D gegeben. Jedenfalls sei die Beratung zu diesem Thema in der Maisitzung des Planungsausschusses erst einmal verschoben worden, informierte er die Teilnehmer. „Der Druck ist also etwas raus“, sagte Gilson, „lassen Sie uns die Zeit, die wir nun gewonnen haben, sinnvoll nutzen.“

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