Aachen: Wettbewerb: Über 40 Schüler lassen Aachener Mundart weiterleben

Aachen: Wettbewerb: Über 40 Schüler lassen Aachener Mundart weiterleben

„Denn wea dat mullt, dea liert jewess, datt dat en sproech met Hazzblot es“, rezitiert Karmel Kanga auf der Bühne. Auf Hochdeutsch heißt es „Denn wer das spricht, der weiß gewiss, dass das eine Sprache mit Herzblut ist.“

Die Rede ist vom Öcher Platt, das nicht nur bei der Schülerin Karmel im Mittelpunkt stand. Vielmehr war der ganze Nachmittag eine Hommage an die Aachener Mundart. Im Forum S der Sparkasse fand der alljährliche „Öcher Platt Wettbewerb“ statt: Dabei duellieren sich Schülerinnen und Schüler darum, wer Dialekt möglichst flüssig und fehlerfrei vorsprechen kann.

Hinter dem Wettbewerb steht der Verein „Öcher Platt“, der auf diese Weise seit Jahrzehnten Marketing für Aachener Dialekt betreibt: Und dieses Marketing ist auch nötig. „In vielen Familien sprechen meist nicht mal mehr die Eltern, sondern höchstens noch die Großeltern Platt“, sagt Dr. Karl Allgaier, stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Und auch die Vereinsmitglieder selbst gehören oft der Großeltern-Generation an.

Über 40 Schüler der Primar- und Sekundarstufe hatten sich angemeldet, um vor Zuschauern ihre eingeübten Texte vorzusprechen: „Dazu bedarf es schon einer Portion Mut“, lobte Allgaier immer wieder. Für einige Schüler sei das Platt fast eine Fremdsprache.

Allein, im Duo oder in Gruppen trugen die Schüler ihre Texte vor. Manche stammten aus bekanntem Öcher Lied- und Gedichtgut. Andere Texte waren den Schülern eigens auf den Leib gedichtet. Kein Wunder, denn ein Großteil der teilnehmenden Schüler wurde von Herbert K. Oprei betreut — ehemaliger Förderschullehrer und versierter Platt-Schreiber und -Dichter.

Im Voraus zum Wettbewerb besuchte er drei Mal pro Woche seine ehemalige Schule, um den Kindern und Jugendlichen Einzelunterricht zu erteilen. Die meisten Schüler haben Mentoren wie Oprei, die ihnen bei der Vorbereitung des Wettbewerbs helfen: „Schließlich ist eigentlich keiner der Teilnehmer ein Vollsprecher“, so Allgaier. Das viele Üben vor dem Wettbewerb scheint dem geduldigen Pädagogen aber mehr Vergnügen als Arbeit zu bereiten: So sah man ihn bei dem Auftritt jedes Schützlings mitfiebern und hoffen, dass sie an den so Aachen typischen „Singsang“ denken.

Die Jury achtet auf diesen „Singsang“ natürlich auch — ebenso wie auf andere Feinheiten in der Aussprache. Alle fünf Juroren sind Mitglieder des Vereins und selbstverständlich versiert in der Aachener Mundart. In der Primarstufe kürten sie Lasse Drießen von der GS Laurensberg zum Sieger. Die 4b der Domsingschule gewann mit ihrem Lied, das auf die Melodie von Jingle Bells gedichtet war, den Gruppenwettbewerb. Bei den „Großen“ in der Sekundarstufe erreichte Patrick Jung mit seinem Gedicht „Adie da!“ den ersten Platz.

Je nach Platzierung wurde die Klassenkasse der Sieger vom Verein ein wenig aufgebessert. Außerdem erhielten alle Teilnehmer zwei Eintrittskarte zur Sondervorstellung des Schängche „De Knusperhex“.

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