Aachen: Werbeflut: Tausende Plakate hängen länger als jemals zuvor

Aachen: Werbeflut: Tausende Plakate hängen länger als jemals zuvor

Es ist schon ein Kreuz mit dem Urnengang. Etliche der knapp 5000 Wahlplakate auf Aachener Straßen hängen auch über eine Woche nach OB-, Stadtrats- und Europawahl noch am Wegesrand — nicht nur wegen der Stichwahl für den Städteregionsrat am 15. Juni.

Doch während etwa in Berliner Bezirken im Vorfeld von Wahlen von den Parteien hohe Pfandsummen für etwaige Entsorgungsfälle hinterlegt und in Köln bereits eine Woche nach der Kommunalwahl bis zu 25 Euro pro nicht ordnungsgemäß entferntem Werbeschild fällig werden, zeigt sich die Kaiserstadt ziemlich kulant. „Wir geben den Parteien nach dem Wahltermin 14 Tage Zeit, um die Plakate zu entfernen — danach erinnern wir sie“, erklärt Axel Costard vom städtischen Presseamt.

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Demnach müssen — nach dem Duell zwischen Amtsinhaber Helmut Etschenberg (CDU) und Herausforderin Christiane Karl (CDU) — sämtliche Plakate bis zum 29. Juni verschwinden. Das heißt: Aachens Boulevards und Bürgersteige sind dieses Jahr satte drei Monate lang tausendfach mit den Damen und Herren Politikern geschmückt. Wer die Frist „erheblich“ überschreitet, muss mit einem Ordnungswidrigkeitenverfahren rechnen. Theoretisch drohen Bußgelder bis zu 10.000 Euro. Außerdem stellt der Stadtbetrieb dann die Entsorgungsarbeit in Rechnung. „In der Praxis gab‘s so etwas hier aber noch nie“, sagt Costard.

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SPD-Geschäftsführer Stefan Mix räumt auf AZ-Nachfrage ein, dass man derzeit mit der Umplakatierung kaum nachkomme. „Bis zum Ende der Woche wird Björn Jansen aus dem Stadtbild verschwunden sein“, kündigt er an. Wo der gescheiterte OB-Kandidat der Sozialdemokraten von den Plakatwänden lächelte, soll flächendeckend Städteregionsratskandidatin Karl um Stimmen werben. Da die meisten Werbemittel von ehrenamtlichen Helfern auf-, um- und abgebaut werden, zieht sich die Sache in die Länge.

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Natürlich plakatiert die CDU ebenso um — und klebt sogenannte „Störer“ auf bestehende Werbetafeln mit dem Konterfei Etschenbergs, um zur Wahl am 15. Juni zu ermuntern. Er hatte beim ersten Urnengang am 25. Mai 39,06 Prozent, seine Kontrahentin Karl 29,24 Prozent der Stimmen erreicht. 102.539 Aachener erschienen in den Wahllokalen — was einer mageren Wahlbeteiligung von 52,72 Prozent entspricht. Befürchtet wird, dass die Quote bei der entscheidenden Stichwahl noch weiter fällt.

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Auffällig ist indes, dass die Parteien nach der Kommunalwahl auf die früher üblichen „Danke für Ihre Stimme“-Aufkleber verzichtet haben. Warum dies so ist, können am Montag weder CDU- noch SPD-Geschäftsstelle erklären. Der Wahlkampf laufe ja schließlich noch, heißt es nur.

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Dass Wildplakatierer von Konzerten und Partys angesichts der Parteiwerbeflut bereits mit Beschwerden bei der Stadt aufgekreuzt sind, gilt indes als Gerücht.