Aachen: Werbedisplay am Elisenbrunnen seit Jahr und Tag defekt

Aachen : Werbedisplay am Elisenbrunnen seit Jahr und Tag defekt

Um es plakativ zu sagen: Der Stadt fehlt in Sachen Werbung ein wenig der Überblick. Das lukrative Geschäft mit Bannern, Postern und riesigen Bildschirmen am Straßenrand könnte sich — anders als für die Werbetreibenden — für die Stadtverwaltung zu einem kostspieligen Fiasko entwickeln.

Dabei ist der seit über anderthalb Jahren kaputte LED-Schirm auf der etwa sieben Meter hohen Säule des „Eisenman“ quasi nur die Spitze des Eisbergs. Der von Star-Architekt Peter Eisenman entworfene Fahrgastunterstand am Elisenbrunnen — von Öchern wegen seiner Gestalt etwas despektierlich „Frittezang“ getauft — strahlt nämlich nicht mehr so wie bei seiner Einweihung im Sommer 1998.

Riesige Werbetafeln, bald auch mit digitalem LED-Display für bewegte Bilder: Hochmoderne Monofußanlagen will der Branchenriese Ströer auch in Aachen unübersehbar platzieren. Foto: Michael Jaspers

Vor 20 Jahren hatte die Firma JCDecaux die Kosten für die Skulptur und den über 50 Zentimeter breiten und 2,40 Meter hohen LED-Werbebildschirm übernommen. Die hochformatige Anzeige — lange bevor Smartphones dieses Format im Unterschied zum TV-Querformat rund um die Welt populär machten — galt als innovative digitale Werbeidee, um Kommerzielles, aber auch städtische Terminplanung und Veranstaltungswerbung zu platzieren.

Lukratives Gegengeschäft

Dafür überließ die Stadt Decaux 16 Standorte für großformatige Werbetafeln. Vertraglich vereinbart wurde, dass Decaux auch Betrieb, Unterhaltung, Wartung und Reparatur der Werbeschirme gewährleisten und bezahlen muss. Bloß: Nachdem die Stadt vor knapp zwei Jahren JCDecaux quasi vor die Türe gesetzt hat und das Unternehmen daraufhin mehrere hundert ihrer Buswartehäuschen und über 120 ihrer Werbevitrinen demontieren ließ (neue wurden vom neuen niederländischen Vertragspartner Reclamebureau Limburg RBL aufgestellt), endet wohl auch irgendwie die Zuständigkeit für den Eisenman.

Seitdem ist der Bildschirm düster. Einzelne LED-Module hatten ihren Geist aufgegeben — zumal die Bildschärfe und die Kontrastqualität längst nicht mehr aktuellen Ansprüchen genügen konnte. Also sollte die komplette Bildtechnik ausgetauscht werden. Das war im November 2016.

Danach habe man per öffentlicher Ausschreibung entsprechende Angebote von Unternehmen eingeholt, hieß es danach aus dem städtischen Presseamt. Die würden nun ausgewertet. Wie kostspielig die Erneuerung am Ende würde, könnte man noch nicht sagen, hieß es damals. Getan hat sich seither — nichts.

Auf AZ-Nachfrage teilte das Presseamt am Montag mit, man werte weitere Angebote aus. Und außerdem bastele man an einem künftigen Nutzungskonzept. Wie dieses aussehen könnte? Völlig offen. Wann die Reparatur beziehungsweise der Austausch der Bildtechnik erfolgen kann? Offen. Wie viel Geld die Stadt nun womöglich selbst in die Hand nehmen — oder über ein weiteres Kompensationsgeschäft an einen privaten Betreiber transferieren — muss? Komplett unklar.

Stadt verliert vor Gericht

Klar hingegen ist: Die riesigen „Megalight Boards“ sollen an 16 — und vielleicht demnächst noch ein paar mehr — Standorten weiterhin gut 60.000 Euro Pacht fürs Stadtsäckel einspielen. Und darüber hinaus auf den Rückseiten ebenfalls zu einem Teil zur Eigenwerbung der Stadt nutzbar sein. Den Mediawert bezifferte die Stadt zuletzt auf jährlich auf 300.000 Euro.

Nur: Auch da klingelt derzeit rein gar nichts in der Kasse. Der Pachtvertrag mit JCDecaux für die Großwerbetafeln — im Verwaltungsdeutsch „Monofußanlagen“ genannt — war ebenfalls gekündigt worden. Mitte Mai lief er aus, ein Nachfolger sollte nach einer Ausschreibung längst gekürt sein. Weil die Stadt aber den Branchenriesen Ströer wegen einer Formalie aus dem Verfahren verbannte, zog der vor Gericht — und siegte.

Die Stadt musste Ströer wieder mitmischen lassen und gleichzeitig allen anderen Bietern die Chance zur Nachbesserung ihrer Angebote im strittigen Punkt „Nachtabschaltung“ geben. Dieses Verfahren läuft noch und wird wohl noch ein paar Monate dauern. Die Stadt verliert in dieser Zeit die Pachteinnahmen und muss obendrein auch die Gerichtskosten übernehmen.

Ströer ist unterdessen bereits großwerbetechnisch im Stadtbild aufgetaucht — mit einer Anlage Ecke Dresdener Straße/Elsassstraße, die man offenbar von JCDecaux übernommen hat. Das, so heißt in der Verwaltung, sei jedoch keine städtische Anlage. Sie stehe vermutlich auf privatem Grund. Die Einnahmen gehen in dem Fall also an der Stadt vorbei.