Aachen: Wenn Sohn Willi bei den Lambertz Open aufschlägt

Aachen: Wenn Sohn Willi bei den Lambertz Open aufschlägt

Nein, angenehm ist es wirklich nicht, als Zuschauer oben auf den Rängen zu sitzen, „nur” mitzufiebern und nicht eingreifen zu können. Vor allem wenn der, der da unten auf dem Tennis-Court um Punkte, Spiele und Sätze kämpft, der eigene Sohnemann ist. „Dann”, so sagt Karin Peter, „bin ich immer total nervös.”

Bei den Lambertz Open by Stawag ist die Aufregung besonders groß, darf doch „ihr Willi” dank einer Wildcard bereits zum zweiten Mal beim ATP-Turnier in der Qualifikation mitspielen. Dort, wo der 17-Jährige zuhause ist, am Brüsseler Ring, auf der Anlage seines Vereins Grün-Weiß Aachen. Es ist ein Stelldichein mit Profispielern und hoffnungsvollen Talenten aus aller Welt.

„Er will sich hier einfach ordentlich präsentieren”, sagt Karin Peter bescheiden. Ansonsten überwiegt aber eher der Ehrgeiz. Die 53-jährige Chemikerin und ihr Mann Ralf ordnen der Karriere des Sohnes (fast) alles unter. „Die Urlaube sind meistens so abgestimmt, dass Willi dort auch Turniere spielen kann.” Damit er eines Tages als Tennisprofi richtig durchstartet? „Vielleicht.”

Das ist ohnehin Zukunftsmusik, die Gegenwart heißt Lambertz Open. Das Highlight in seinem diesjährigen Turnierkalender, der überwiegend Junioren- und ITF-Turniere für Willi bereit hielt. Auch für Antal van der Duim ist das Turnier ein Höhepunkt im gelben Wanderzirkus -Êweil er dabei ist. Der Niederländer, aktuell die Nummer 631 der Weltrangliste, zitterte aber schon am Freitagabend - lange bevor der erste Ball geschlagen wurde. „Ich wusste aufgrund meiner Weltranglistenplatzierung nicht, ob es für einen Platz in der Qualifikation reichen würde”, so der 22-Jährige. Denn bei einem solchen Turnier ist es so: Jeder der mitspielen will, muss bei Meldeschluss vor Ort sein, aber nur die Ranglisten-Besten dürfen auch spielen. Ein paar fahrne in der Regel direkt wieder heim -Êegal ob sie aus Burtscheid oder Australien kommen. Für van der Duim reichte es. „Ansonsten hätte ich mich noch vor dem ersten Ballwechsel ins Auto setzen und wieder nach Hause fahren müssen.” Ein paar hundert Kilometer.

Da konnte es Willi Peter durch seine Wildcard deutlich ruhiger angehen lassen. Natürlich sei die Belastung, den Alltag am Trainings- und Turniermodus des Sohnes zu orientieren, extrem, erzählt die Mama, „aber was man einmal angefangen hat, möchte man auch erfolgreich zu Ende bringen.” Turniere gehören für Willi - und damit auch für die Familie - schon dazu, „seit er zehn ist.”

Es war sein Heimspiel. Doch so schnell, wie die Chance kam, ging sie auch wieder nach der 0:6 und 2:6-Niederlage gegen den Iren Louk Sorensen. „Da war mehr drin”, konstatierte der Geschlagene, „der erste Aufschlag kommt heute nicht”, sagt die Mama schon im ersten Satz. Übrigens: Bei einem Sieg wäre van der Dium Peters Gegner geworden. Trotz der am Ende deutlich verpassten Qualifikation überwiegt bei Mutter und Sohn der Stolz, wieder ATP-Luft geschnuppert zu haben. Und vielleicht beginnt sie eines Tages, die Karriere als Tennisprofi. Dann wird die Familie ihren Willi wieder begleiten, auf den Rängen in Melbourne und Paris, in London und New York zittern und mitfiebern. Auch wenn dieses Gefühl „wirklich furchtbar” ist.