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Glossiert: Wenn Poller zu Luftnummern werden

Glossiert : Wenn Poller zu Luftnummern werden

„Poller sind dicke, senkrecht im Boden befestigte Pfähle.“ So lehrt es Straßen- und Mobilitätsplaner Wik I. Pedia. Aber sie sind auch Luftnummern, wie ein Beispiel in Haaren und seine glossierende Betrachtung zeigen.

Eigentlich wollten wir ja in dieser Sache keinen Schabernack mehr treiben. Wer geahnt hätte, welch‘ hohe Emotionalität in Aachen mit dem Thema Poller verbunden ist, der hätte unter Umständen schneller geschwiegen als gedacht. Poller und Aachen, das scheint für manche Aachenerin und manchen Aachener so unantastbar zu sein wie Karl und Groß, Dom und Rathaus oder Reibe und Kuchen. Damit macht man keine Scherze!

Aber dann ist es doch zu verlockend, es kribbelt im übertragenen Sinne in den Fingern. Beim Anblick dieses aktuellen Fotos geht es dann doch nicht anders. Sorry...

Fast unbeachtet von der polleritischen Öffentlichkeit steht nämlich ein merkwürdig anmutender Vertreter der Spezies „Rammschutz“ im Stadtteil Haaren mitten auf einem Radweg. Wahrscheinlich oder ganz sicher aus dem Grund, um anderen Verkehrsteilnehmern als Zweiradfahrern und Zweibeingängern das Befahren dieses breiten und in der Tat sehr schmucken Radfahr-Asphalts unmöglich zu machen.

So weit, so gut. Aber jetzt schauen Sie doch einmal genau hin! Warum um alles in der Welt wächst der Poller quasi in den Himmel? Also zumindest ein Stückchen? Warum steht er nicht einfach – wie es per Definition vorgesehen ist – „senkrecht im Boden“? Wieso ist er unten Poller, dann in der Mitte einfach nur Stange und oben schon wieder Poller?

Vielleicht ist wegen der räumlichen Nähe zum Flughafen Merzbrück hier ein besonderer Schutz der Radfahrer angezeigt. Weil es das Schild „Cessna verboten“ noch nicht gibt und Segelfliegerpiloten nicht auf Straßenschilder achten? Vielleicht geht es auch um Weitsicht im wahren Sinne des Wortes. Der ab dem Kreuz Kerpen bereits zu sehende oben befindliche Poller signalisiert: „Vorsicht, in 45 Kilometern senkrecht unten im Boden befestigter Pfahl auf einem Radweg in Aachen-Haaren!“

Das könnte eine Erklärung sein. Die vorgeschaltete Warnung vor der Warnung sozusagen. Warum aber ist oben auf dem obigen Poller keine rote Lampe für den Flugverkehr? So wie an jedem Windrad?

Oder gibt es eine ganz andere Begründung. Befinden wir uns hier auf der Poller-Teststrecke der Stadt? Dort, ganz im Verborgenen – wer fährt schon gern nach Haaren und dann auch noch mit dem Rad? – wird getestet, was später in ganz Aachen zum Einsatz kommt? Der Luftnummer-Poller.

Zum Beispiel für den Baum am Büchel. Damit man quasi von der Antoniusstraße aus sieht: Vorsicht, dort steht ein Pfahl! Oder für die Bismarckstraße, deren mittige Pollerisierung mit neuem Modell vom Mond aus sichtbar und ab da beachtet werden könnte. Oder – besonders gut – für den Annuntiatenbach. Damit man schon am Templergraben, den man gerade verbotswidrig befahren hat, sieht: Da unten geht’s allenfalls in den Johannisbach und nicht in die Stadt. Unten Poller, oben Poller – da kommt die Gasse problemlos in den Sack.

Aber lassen wir das schnöde Scherzen, das Leben ist zu ernst. Womöglich hat sich in der Tat jemand etwas gedacht bei dieser Luftnummer? Wer weiß ...