Tanzmusical zum Grusel-Klassiker: Wenn Dracula Langeweile hat

Tanzmusical zum Grusel-Klassiker : Wenn Dracula Langeweile hat

Die Zeit des Entgegenfieberns am St. Ursula-Gymnasium ist vorbei. Die neueste Musicality-Aufführung – nach zehn Jahren ging es ein zweites Mal um die schaurig-schöne Geschichte des faszinierenden Grafen Dracula – feierte am Freitagabend Premiere.

Graf Dracula sitzt auf seiner Burg Bistritz und langweilt sich nach vielen Jahren Unsterblichkeit und „Blut von Jahrhunderten in ihm“ offensichtlich. Umso besser, dass sein Erfinder, der Schriftsteller Bram Stoker, in Draculas Kerker hockt und des Grafen Leben mit immer neuen Wendungen versehen kann. Denn Stoker ist zwar Draculas Schöpfer, „aber Du kannst mir gar nichts verwehren“, lässt der blutsaugende Adlige seinen Gefangenen unmissverständlich wissen. So verlangt er auch eine Reise nach England, um genau in der Gesellschaft einen Platz (und neue Opfer) zu finden, die Stoker als einziger Halt in seiner Erinnerung dient.

Dracula bricht mit seinem Hofstaat – sein Diener Quasimir und jede Menge Vampirinnen – nach Großbritannien auf. Stoker leidet zunächst mit allen Opfern in seinem Schreibkämmerlein mit und kann sich den Wünschen Draculas doch nicht entziehen. Doch dann ersinnt er einen Gegenspieler, der ihm helfen soll, dem Grafen das Handwerk zu legen: Van Helsing. Eine weitere wichtige Gruppe sind die Irren. Sie bilden eine Brücke zwischen der feinen englischen Sommergesellschaft, die Dracula erobern will, und Stoker, der das zu verhindern sucht.

Unter der Leitung des Regieteams (Gesamtleitung und Komposition: Patrick Biemans, Inszenierung und Regie: Judith Kemmann, Choreografie und Gesang: Bettina Kurr-Sauer) nutzen die Schülerinnen alle Räume, die die Schulaula hergibt. Mal krabbeln die Irren durch die Gänge zwischen den Zuschauern, mal tanzt die feine englische Gesellschaft Walzer auf der Hauptbühne, mal rennt der Wolfsmensch Quasimir laut brüllend durch den Mittelgang, mal feiern die Vampirinnen ein rauschendes Fest samt Konfettikanone.

Das Bühnenbild ist extrem reduziert – zum einen brauchen die rund 80 Darstellerinnen viel Platz, zum anderen benötigen sie nicht viele Hilfsmittel, um die Geschichte zum Leben zu erwecken. Besonders Isabel Siewert ist auf ihrer engen Vorbühne und in Interaktion mit der sprach- und stimmgewaltigen Emely Pelka (Dracula) stark als verzweifelter Stoker. Katharina Krückemeier glänzt als Quasimir mit viel Körpereinsatz und Johanna Münstermann sowie Lilly Baumann geben sich als Renfield und Mr. Mania wirklich irre.Das Team der Kostüm- und Maskenbildner leistete ebenso großartige Arbeit.

Ein bisschen mehr Mut zum Schnitt hätte man dem Regieteam gewünscht, um manche gelungenen Bilder – zum Beispiel Draculas Biss in Lucys Hals – noch zu stärkerer Wirksamkeit zu verhelfen. Aber der tosende Applaus war absolut gerechtfertigt. Die weiteren Vorstellungen sind laut Website (www.musicality-aachen.de) bereits ausverkauft.