Aachen: Wenn die Anlieger beim Streuen schlampen

Aachen: Wenn die Anlieger beim Streuen schlampen

Den Weg von ihrer Haustüre in der Nähe der Hohenstaufenallee bis zur Physiotherapiepraxis in der Schillerstraße schafft die 84-Jährige noch locker zu Fuß, doch am Dienstag musste sie auf halber Strecke umkehren: „Es war spiegelglatt”, erzählte sie der AZ, als sie wieder glücklich zu Hause war.

Das ist zwar im Winter nicht unbedingt etwas Besonderes, dürfte allerdings um 9.30 Uhr, als die ältere Dame sich auf den Weg machte, längst nicht mehr der Fall sein. Schließlich sind Hauseigentümer bzw. deren Mieter verpflichtet, an Werktagen zwischen 7 und 20 Uhr nicht nur Schnee zu räumen, sondern auch Glätte zu beseitigen - und das unverzüglich. Doch zumindest Letzteres wird mitunter versäumt, wie die Seniorin bei ihrer Schlitterpartie am schneefreien Dienstag erfuhr: „Teils waren die Bürgersteige zwar geräumt, aber nicht gestreut.”

Mitarbeiter der Stadt schauen nach dem Rechten

Ein Einzelfall? Wohl kaum. Wer sich derzeit auf Aachens Bürgersteigen bewegt, kommt öfter mal ins Rutschen, weil Anlieger ihrer Räum- und Streupflicht nicht nachkommen. Diese Erfahrung hat auch Dieter Lennartz gemacht, für den Winterdienst zuständiger Abteilungsleiter beim Stadtbetrieb. Bei ihm sind zuletzt häufiger Beschwerden wie die der 84-Jährigen eingegangen. „Der überwiegende Teil der Eigentümer kommt seiner Verpflichtung zwar nach”, sagt Lennartz, „aber es gibt Stellen, wo wir nachhelfen müssen.”

Dort landet dann im Briefkasten ein Zettel mit der Bitte, das glatte Geläuf vor der Haustüre schleunigst zu bekämpfen. „In der Regel passiert das dann auch”, sagt Lennartz. Denn es wird nicht nur gemahnt, sondern auch nachgeschaut. Der Stadtbetrieb, der neben den Fahrbahnen öffentliche Plätze und Fußwege von Schnee und Eis befreit, kontrolliert bei Bedarf auch private Schneeschipper - „im Rahmen der personellen Möglichkeiten”, wie Lennartz einschränkt.

Denn seine Leute haben zurzeit alle Hände voll zu tun. „Und sie machen einen tollen Job”, nimmt der Chef sie gegen Kritiker in Schutz, die sich über rutschige Straßen beklagen. Lennartz betont, dass in Aachen ein „differenzierter Winterdienst politisch gewollt” sei, der die Balance halte zwischen Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz. Das heißt: Es müsse nicht überall Salz gestreut werden, auf manch verschneiter Straße reiche auch eine angepasste Fahrweise.

Aha: Salz ist auf dem Gehweg tabu!

Für die Bürgersteige gilt indes nicht der Umkehrschluss, dass Passanten gefälligst eine vorsichtige Gangart an den Tag legen sollten. Es muss geräumt und gestreut werden, und dabei ist Salz tabu. Nur in „absoluten Ausnahmefällen”, so Lennartz - bei starkem Gefälle, Eisglätte und auf Treppen -, darf das umweltschädliche Taumittel eingesetzt werden. Wer gar nicht räumt, dem droht in letzter Konsequenz ein Knöllchen. Dazu kam es in diesem Winter laut Stadt aber noch nicht.

Viel teurer wird es ohnehin, wenn jemand stürzt, weil man beim Schippen und Streuen geschlampt hat. Dann haftet man für die Schäden. Da ist es nicht nur billiger, frühmorgens zu Schaufel, Sand, Split und Granulat zu greifen, sondern für die Mitbürger auch besser - zumal für ältere. Die rüstige Seniorin wird wohl wieder die Probe aufs Exempel machen, zur Not aber erneut umkehren. Denn: „Mir geht es mit 84 noch sehr gut, aber ich will auch, dass das so bleibt.”

Mehr von Aachener Zeitung