Aachen: Wenn der Fair-Play-Gedanke gewinnt

Aachen: Wenn der Fair-Play-Gedanke gewinnt

Ein Jugendlicher läuft schnell über den Rasen auf der Sportanlage des VfJ Laurensberg. An seinem Fuß führt er eng das runde Leder. Er läuft alleine auf den Torwart zu. Plötzlich zupft von hinten ein gegnerischer Spieler leicht an seinem Trikot. Die Chance ist dahin.

Es ertönt aber kein Schiedsrichterpfiff, nur ein kurzer Aufreger. Und dann klären die Jugendlichen die Situation untereinander. Fair kriegt der Gefoulte den Ball. Es geht ohne großes Lamentieren weiter. Beim ersten „Tag des Aachener Kinder- und Jugendfußballs“ wird mit dem Fair-Play-System gespielt. Ganz ohne Schiedsrichter. Das Ergebnis: beeindruckend positiv.

Das Prinzip des Fair-Play-Modus ist ganz einfach. Die Verantwortung, ob ein Einsatz ein Foul oder nicht war, liegt nicht bei einem Schiedsrichter, sondern bei den Spielern selbst. Dieses System ist bei den Bambini Gang und Gäbe. Doch beim „Tag des Aachener Kinder- und Jugendfußballs“ feierte die Fair-Play-Regelung auch bei den Jugendlichen bundesweite Premiere. „Wir wollen dadurch den Jugendlichen zeigen, dass sie selbstständig mit den Regeln umgehen können und müssen. Wenn ein Schiedsrichter pfeift, wird die Verantwortung abgegeben. Jetzt stehen alle Spieler selbst in der Verantwortung. Das negative Konfliktpotenzial, das immer besteht, wenn ein Unparteiischer eine Partie leitet, soll jetzt in positive Energie umgewandelt werden“, beschreibt Ralf Klohr, Erfinder und Gründer der Fair-Play-Liga.

Beim „Tag des Aachener Kinder- und Jugendfußballs“ wird diese für die Jugendlichen ungewohnte Spielweise äußerst gut angenommen. Die Spieler bleiben fair und stoppen auch bei versteckten Fouls. Generell kommt der sportliche Tag, an dem 14 Mannschaften mit mindestens fünf Spielern teilnehmen, gut bei allen Zuschauern, Spielern und Beteiligten an. „Die Resonanz ist äußerst positiv. Alles läuft rund, beim DFB-Sportabzeichen war richtig viel los, und ansonsten ist die Stimmung auf und neben dem Rasenplatz ebenfalls ausgelassen gut“, sagt Stefan Eicker vom VfJ Laurensberg.

Das sieht Stefan Rütten, Liga-Koordinator der Arbeitsgemeinschaft Offener Türen (Agot), ebenfalls so: „Diese bundesweite Premiere haben alle prima hingekriegt. Jede Mannschaft ist ein Sieger. Da haben manche 0:12 verloren, hatten aber dennoch ihren Spaß und zeigten fairen Einsatz. So muss das sein!“

Neben dem Fußballturnier gab es ein Rahmenprogramm am Hander Weg: das DFB-Mobil und eben das DFB-Sportabzeichen, das die C-Jugend des VfJ Laurensberg betreute. Begeistert zeigte sich auch Oberbürgermeister Marcel Philipp, der die Siegerehrung vornahm: „Es ist natürlich unüblich, dass kein Schiedsrichter die Begegnungen leitet. Aber deswegen ist es gerade sehr reizvoll, das auszuprobieren. Hier klappt das schon richtig gut.“

Und weil den OB das Spielen nach Fair-Play-Regeln nachhaltig beeindruckt hat, soll die Agot-Liga als Vorbild für den weiteren Jugendfußball bald mit seiner Unterstützung ohne Schiedsrichter ausgetragen werden.

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