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Aachen: Wenn der Dom brennt, erreicht ihn die Feuerwehr erst spät

Aachen : Wenn der Dom brennt, erreicht ihn die Feuerwehr erst spät

Der Blick auf die grafische Analyse der Gutachter löst ungläubiges Staunen aus. Unter anderem Teile des Stadtkerns rund um Dom und Rathaus erreicht die Aachener Feuerwehr demnach nicht in der selbstgesteckten Zielzeit von acht Minuten. Brennt der Dom, kommt die Feuerwehr mithin später als sie das eigentlich selber für nötig hält.

Doch nicht nur dieser Bereich ist ein „grauer Fleck“ in der Grafik. Insbesondere nicht gerade kleine Bereiche der südlichen Innenstadt, in Burtscheid und im Südviertel — grob zwischen Lütticher Straße, Euperner Straße und Außenring — liegen ebenfalls außerhalb der Acht-Minuten-Abdeckung. Das ist ein ganz zentraler Punkt, wenn es um die Aufstellung des neuen „Brandschutzbedarfsplans“ geht.

Genau der ist derzeit in Arbeit. Bereits im Mai soll er der Politik im Detail präsentiert werden. Im Umweltausschuss, der auch für die Feuerwehr zuständig ist, gab es daraus jetzt abermals einen Ausschnitt. Eingeschaltet ist dabei auch die „Forschungs- und Planungsgesellschaft für Rettungswesen, Brandschutz und Katastrophenschutz“, kurz „forplan“.

Keine Lösung mit drei Wachen

Einer „Ist-Analyse“ folgte nun ein „Soll-Konzept“ als „Diskussionsgrundlage“ für die Politiker. David Bormann, Sachverständiger für Brandschutz, trug vor. Da ging es um viele Fachbegriffe, etwa um „Funktionen“, womit grob gesagt das Personal gemeint ist. Und eben um die „Abdeckung“ des Stadtgebiets, also die schnelle Erreichbarkeit von Einsatzorten durch die Löschzüge der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr. Die „Ist-Analyse“ hatte bereits besagte „graue Flecken“ gezeigt.

Die Lösung dieses Problems kann nach Auffassung der Gutachter nur in einer vierten Wache für die Berufsfeuerwehr liegen. Bislang gibt es drei. Nämlich die Hauptwache an der Stolberger Straße sowie die Nebenwachen im Südosten in Kornelimünster und im Nordwesten an der Mathieustraße in Melaten. Hinzu kommt eine Wache im Klinikum, die aber nur stationär und genau für diesen Bau zuständig ist.

Wie auch immer man die drei Wachen auf das Stadtgebiet verteile, so blieben doch immer „graue Flecken“, wie Bormann erläuterte. Eine Standortoption für eine vierte Wache verorten die Gutachter ungefähr im Bereich Siegel, wie eine weitere Grafik zeigt, ohne dabei zum jetzigen Zeitpunkt konkrete Areale zu benennen.

Schwierige Personalsuche

Die neue Wache ist das eine, das Personal der andere Knackpunkt. Bei einem Einsatz, so Bormann, muss zum Beispiel ein „Sicherheitstrupp“ von zwei Helfern bei den zuerst anrückenden Kräften sein. Die Aachener Feuerwehr schicke da meist einen Rettungswagen, doch das sei den Richtlinien zufolge nicht mehr statthaft. Also müssen das demnächst Feuerwehrleute sein. Eine Tabelle zeigt, dass derzeit pro Schicht rund 80 Feuerwehrleute parat stehen müssen, am Ende des „Soll-Konzeptes“ inklusive neuer Wache sind es aber 100.

Das ist schon von daher ein Problem, weil die Feuerwehr ihren akuten Personalmangel schon jetzt nicht decken kann. Landauf, landab suchen die Wehren händeringend neues Personal, das gar nicht so schnell ausgebildet werden kann, wie es gebraucht wird. Teils sind schon regelrechte Abwerbekampagnen gefahren worden. An solchen Spielchen will sich die Aachener Feuerwehr gleichwohl nicht beteiligen.

Den gutachterlichen Vortrag fand Feuerwehrchef Jürgen Wolff offenkundig etwas zu trocken. Das sei fachlich zwar alles richtig, komme aber wie eine „Laboranalyse“ daher. Wolff fühlte sich bemüßigt darzustellen, was auf Aachens Feuerwehr und Rettungsdienst demnächst zukommt. Da sei zum Beispiel das Uniklinikum, das vor einem riesigen Ausbau stehe.

„Wir werden da eine der größten Notaufnahmen Europas bekommen. 150.000 Patienten werden pro Jahr behandelt. Es wird 267 Intensivbetten geben. Ich mag es mir gar nicht ausmalen, wenn da mal evakuiert werden muss“, sagte er.

147 000 Einsätze im Jahr

Und listete gleich noch die Einsätze eines Tages auf, wobei er die 24-Stunden-Zahlen von Montag auf Dienstag mitgebracht hatte. Insgesamt 405 Einsätze seien gefahren worden, im Jahr seien es mittlerweile 147.000 und damit ungleich mehr als früher. Zudem kämen weitere Herausforderungen hinzu: die künftige Nutzung von Camp Hitfeld etwa oder das riesige Neubaugebiet Richtericher Dell. „Bei dieser Entwicklung muss die Feuerwehr mitgehen“, appellierte Wolff.

Vier bis acht Jahre seien für diese Entwicklung zu veranschlagen. Und das wird sich eben im „Brandschutzbedarfsplan“ widerspiegeln. Dezernent Markus Kremer betonte überdies, dass die Gerätehäuser der Freiwilligen Feuerwehr mit ihren neun Löschzügen einen modernen Standrad haben sollen. Die „Freiwilligen“ sind und bleiben eine wesentliche Säule des Brandschutzes in Aachen, ihre Leistungsfähigkeit gelte es zu gewährleisten, so Kremer.

Klar dürfte sein: Das alles wird viel Geld kosten — in Form von Investitionen in Gebäude und in Form von Personalkosten. Was dem Vernehmen nach schon jetzt hinter den politischen Kulissen zu angeregten Diskussionen führt. Im Ausschuss wurde hingegen überhaupt nicht darüber diskutiert — vorerst.

Markus Kremer gab den Politikern mit, sie sollten das Gehörte jetzt erstmal „sacken“ lassen. Im Mai liege dann der Detailplan vor. Ferdinand Corsten (CDU) gebührte das vorläufig letzte Wort: „Wir werden die Feuerwehr fit machen für die nächsten 20 Jahre.“