Aachen: Wenn der Beichtstuhl zur Umkleide wird

Aachen: Wenn der Beichtstuhl zur Umkleide wird

Der Beichtstuhl wird zur Umkleide, die Sakristei zum Backstagebereich und das Mittelschiff zum Laufsteg. Aus der Kirche St. Elisabeth, aktuell in Aachen besser bekannt als „Hotel Total“, wurde am Samstag ein Fashion-Tempel.

Drei Designer und zwei Design-Teams aus der Euregio stellten ihre Kollektionen vor, darunter auch Abschlusskollektionen.

„Wir wollten jungen Designern eine Chance geben sich zu präsentieren und keine Mainstreammode zeigen“, erklärte Anke Didier, selbst mit reichlich Berufserfahrung im Bereich Showproduction und Fashionstyling ausgestattet sowie eine der drei Köpfe des Hotel Total. „Aachen fehlt ein bisschen Mode und eine interessante Modeshow“, so Didier weiter. Für sie stand bei der Vorbereitung zum Projekt Hotel Total schnell fest: In den Räumlichkeiten von St. Elisabeth wird sie eine Fashionshow organisieren.

Und was für eine es geworden ist: Schon als die ersten Basstöne durch die Kirche dröhnten, war klar, dass die Besucher etwas ganz Außergewöhnliches erleben würden — nämlich außergewöhnliche Mode und auch außergewöhnliche Models. „Stockholm Syndrom“, war der Titel der ersten Kollektion, geschaffen von Sarah Steffens. Ein Mix aus Bondage und Zwangsjacke, einerseits bestechend mit scharfen Farbkontrasten, andererseits, obwohl man das nun nicht mit einer Zwangsjacke verbindet, weiten Schnitten.

Interessant auch die „Origin“-Kollektion von Lisa Pearce. Die junge Designerin nutzt unter anderem Pelz für ihre Kreationen. Dieser Pelz ist allerdings recycelt, Tiere mussten für die Entwürfe also nicht extra sterben. Mit bunten, große Mustern, die Didier als „traurig-fröhlich“ beschrieb, begeisterte Laura Meyers‘ Kollektion „Bitterzoet“. Besonders angetan zeigten sich einige Frauen im Publikum von der „Cosmogony“-Kollektion von Joelle Boers und Chris van den Elzen. Das Design-Team entwirft eine Mode, die sich als Anlehnung an den Begriff Kosmogonie, welcher wiederum Erklärungsmodelle zur Entstehung und Entwicklung der Welt und des Universums bezeichnet, versteht. Die Mode wirkt durch ausgefallene Prints und weite Schnitte einerseits wie aus einer Science-Fiction Welt, andererseits überzeitlich.

Jedes Stück ein Unikat

Unter dem Label „Dainty Dystopia“ entwarf schließlich Anke Didier auch selbst eine Kollektion für die Fashionshow. In Zusammenarbeit mit dem Hotel-Total-Team schuf sie „The Cape“, eine Kollektion extra für das Hotel Total. Gezeigt wurden handbedruckte Stofftücher, die man als Cape, Poncho, Umhängetuch oder sogar als Kleid tragen kann. Jedes Stück ist dabei ein Unikat.

Wie beim Hotel Total üblich, waren auch die Models eine bunt gemischte Truppe. Auf der einen Seite hatte man professionelle Models über Agenturen gewinnen können, die unentgeltlich auftraten, aber es liefen auch völlige Anfänger sowie einige der Flüchtlingsjungen des Hotel Total mit dem auf dem Laufsteg. An die Show schloss sich auch ein Fashionmarkt an, auf dem man von den Designern, aber auch von anderen Modemachern und Modeverkäufern Stücke erwerben konnte.

Dabei ist insbesondere ein junger Flüchtling herauszuheben, der gemeinsam mit den Betreiberinnen des Hotel Total, Patricia Yasemine Graf, Julia Graf und Anke Didier ein eigenes Label entwickelt hat. Abolfazl heißt der junge Mann mit Vornamen, gleichzeitig ist dies auch der Name des Labels. Er stellt handgemachte Ledertaschen und Handyhüllen her. „Er macht alles mit der Hand und ist damit im Glück“, resümierte Didier zufrieden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: St. Elisabeth: Eine Modenschau im Kirchenschiff

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