Aachen: Wenn das Wettbieten fast zum Krimi wird

Aachen : Wenn das Wettbieten fast zum Krimi wird

Was Alt-Oberbürgermeister und Auktionator Dr. Jürgen Linden da in feinster Manier mit dem kunstinteressierten Publikum macht, gleicht einem Krimi. Denn was langsam beginnt, gewinnt mit der Zeit immer mehr an Spannung und ist bisweilen sogar noch mit einer kleinen Prise Dramatik garniert.

Bei der zweiten Kunstauktion der Theaterinitiative Aachen landen am Sonntagvormittag wieder viele Kunstwerke bekannter Aachener unter dem Hammer.

Und das für den guten Zweck. Der Erlös geht nämlich an drei Förderprojekte der Initiative — zum einen an das Konzept „Erste Schritte“, das besonders talentierten Künstlern mit einem Stipendium den Einstieg ins Berufsleben ermöglicht, zum anderen an „Theater für alle“, ein Angebot, das sozial benachteiligten und älteren Menschen einen Theaterbesuch ermöglicht. Und schließlich wird auch die Idee „Jugend macht Theater“ unterstützt, die Kinder aus dem Norden und Osten Aachens an das Schauspiel heranführt.

Markus Baldeggers gedruckter Holzschnitt wird mit einem Startgebot von 350 Euro als erstes versteigert. Noch verhalten sind die Reaktionen des Publikums zunächst, doch dann regt sich zaghaft die erste Hand Richtung Decke: „350 Euro zum Ersten, aber da geht noch mehr“, animiert Jürgen Linden die Bieter. Seine Worte finden Gehör, denn nach und nach steigt der Preis. 875 Euro legt der Höchstbietende auf den Tisch und kann das Werk sein eigen nennen. Das Besondere ist zudem, dass Baldegger den gesamten Erlös der Theaterinitiative stiftet.

Allerdings läuft es nicht bei jedem Künstler so rund. „Wo bleibt die Form, meine Damen und Herren?“, fragt Linden mit einem Augenzwinkern und ergänzt „Das ist doch für den guten Zweck und eine Wertanlage.“ Aber da kann der Auktionator anpreisen wie er will, für die Bilder von Lars Breuer, Eugenie Bongs-Beer und Klaus Endrikat lassen sich vorerst keine Bieter finden. Man merkt schnell, dass unter den Anwesenden echte Sammler sind, denn bei manch einem vorgestellten Kunstwerk wird sich kritisch umgeschaut und genau überlegt, wann der beste Zeitpunkt ist, die Hand zu heben.

Bei Joachim Bandau ist das der Fall. Der in Aachen lebende und arbeitende Altmeister der Bildhauerei präsentiert ein Aquarell mit feinen Schichtungen, welches für rege Beteiligung im Publikum sorgt. „1850 Euro, ist das ihr letztes Angebot?“ Ein letzter Blick, bevor Linden zum Hammer greift. „Zum ersten, zum zweiten und...“ Doch dann ist da doch noch einer. Während sich ein bietendes Paar schon in Sicherheit wähnt, wird es kurz vor dem erlösenden „zum Dritten“ eines Besseren belehrt und muss zusehen, wie „sein Bandau“ doch an einen anderen Besitzer geht. Und auch wenn nicht jedes Bild auf Anhieb einen Interessenten gefunden hat, kann sich das Ergebnis der Kunstauktion sehen lassen: Insgesamt wurden mehr als 12.000 Euro für den guten Zweck eingenommen.

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