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Aachener Verein hilft Schülerinnen und Schülern: Wenn das Geld für wichtige Schulbücher fehlt

Aachener Verein hilft Schülerinnen und Schülern : Wenn das Geld für wichtige Schulbücher fehlt

Seit vielen Jahren unterstützt der Verein Nele und Hanns Bittmann über den bei der Stadt Aachen angesiedelten Schulbuchfonds bedürftige Kinder. Das Modell soll weiter Schule machen.

Schulbücher kosten eine Menge Geld. Und das in jedem Schuljahr aufs Neue. Einen Teil dieses Geldes, nämlich ein Drittel, müssen die Eltern selber aufbringen. Für jedes einzelne Kind. In der Grundschule sind das bis zu 16 Euro pro Kind und Schuljahr, auf der weiterführenden Schule dann schon 34 Euro. Traurig, aber wahr: Für manche Eltern ist es nur schwer machbar, diesen Eigenanteil aufzubringen. Und für manche Familie ist es dann mit Scham verbunden, darüber zu reden und um Hilfe zu ersuchen. Doch seit Jahren gibt es bei diesem (Tabu-)Thema einen Weg der unbürokratischen Unterstützung. Und zwar über den Verein „Nele und Hanns Bittmann – Hilfe für Kinder in Not in der Region“.  

Seit vielen Jahren füllt der Verein einen bei der Stadt Aachen angesiedelten Topf. Unbürokratisch können Schulen über das Schulamt im Bedarfsfall für bedürftige Schülerinnen und Schüler Unterstützung bei der Anschaffung der Schulbücher bekommen. Seit dem Start des Schulbuchfonds wurde rund 3000 Kindern mit insgesamt 45.000 Euro geholfen. Im laufenden Jahr wurde der Fonds erneut mit 10.000 Euro ausgestattet.

Angekommen ist die Kunde von dieser Hilfsmöglichkeit allerdings nicht bei allen Schulen, was sich an den jährlichen Auszahlungsübersichten festmachen lässt. Anfordern kann die Hilfe jedoch jede Schule für die bedürftigen Schülerinnen und Schüler. Informationen dazu gibt es beim Fachbereich Kinder, Jugend und Schule der Stadt oder beim Verein, den man im Internet unter www.kinderinnotaachen.de findet.

„Der Schulbuchfonds ist eine wunderbare Einrichtung, um viele Familien sehr pragmatisch unterstützen zu können. Ich kann nur darum werben, dass alle Schulen diese Hilfe in Anspruch nehmen", bittet Susanne Schwier, Beigeordnete der Stadt Aachen für Bildung, Kultur, Schule, Jugend und Sport.

Doch der Schulbuchfonds ist längst nicht alles in Bezug auf die Kooperation mit der Stadt. Auf deren Vorschlag wurde auch noch ein Sportfonds eingerichtet. Das Prinzip ist dasselbe wie beim Schulbuchfonds. Bedürftige Eltern wenden sich an die Schulleitung, die dann den Betrag beim Schulamt abrufen kann. Bezuschusst wird unter anderem die Ausstattung mit Sportkleidung und Sportschuhen zunächst für den Sportunterricht in der Schule, bei erkennbarem Interesse an einem Verein dann aber auch dafür. Außerdem werden Kursgebühren für zeitlich begrenzte Angebote oder Ferienkurse übernommen, gegebenenfalls auch darüber hinaus.

Außerdem stellt der Verein „Nele und Hanns Bittmann“ Mittel für wichtige Ferienmaßnahmen der städtischen Schulsozialarbeit in Bezug auf Grundschülerinnen und -schüler zur Verfügung. Die Ferienprojekte unterstützen die zugewanderten Grundschulkinder unter anderem dabei, die Kommunikation in der Schule zu lernen. Die Familien der so unterstützten Kinder sind finanziell nicht in der Lage, solche Angebote selbst zu zahlen.

Die Coronavirus-Pandemie hat dann auch noch einen weiteren Hilfszweig mit sich gebracht. Dabei geht es ums „Homeschooling“ insbesondere bei zugewanderten Schülerinnen und Schülern, im Speziellen durch digitale Lernunterstützung im Rahmen von Gruppen-Videosprechstunden. Gerade diese Gruppe von Schülerinnen und Schülern drohte durch die Schulschließungen abgehängt zu werden, weil sie oftmals schwierige Rahmenbedingungen beim „Homeschooling“ hatten und haben. Die Stadt hat kurzfristig und unkompliziert ein für die Zielgruppe kostenfreies Angebot geschaffen.

Das Hauptziel dabei ist, eine Abwärtsspirale zu vermeiden, die zu Überforderung und schließlich zum Aufgeben führen könnte. Stattdessen sollen die Schülerinnen und Schüler regelmäßig ermutigt werden. Dies wird hauptsächlich dadurch bewirkt, dass sie die Gelegenheit bekommen, Fragen zu klären und durch positive Aha-Momente dazu motiviert werden, am Ball zu bleiben. Der Verein „Nele und Hanns Bittmann“ übernahm die Kosten.

Diese Kooperationen wie auch die gesamte Hilfe, die durch den Verein an Kinder in Not fließt, hat zwei Seiten: „Ideal wäre es natürlich, wenn Vereine wie der unsrige nicht notwendig wären. Aber das ist leider ein hehrer Wunsch. Daher freuen wir uns sehr darüber, dass wir dank vieler Spenderinnen und Spender Jahr für Jahr zahlreichen Kindern in akuten Notlagen helfen können. Ich ergreife daher sehr gerne die Gelegenheit, den Aachenerinnen und Aachenern zu danken, die unseren Verein so tatkräftig dabei unterstützen, soziale Not zu lindern“, sagt Albrecht Peltzer, Vorsitzender des Vereins. Und ergänzt zum speziellen Thema Kooperation mit der Stadt: „Der Schulbuchfonds ist ein ganz wesentliches Standbein unserer Aktivitäten. Die Zusammenarbeit mit der Stadt Aachen klappt hervorragend.“

Und das geht laut Albrecht Peltzer nun auch über die Aachener Stadtgrenzen hinaus: „Mittlerweile konnten wir auch eine Kooperation mit der Stadt Stolberg abschließen. Sehr gerne erweitern wir unser Angebot auch auf andere Kommunen der Städteregion. Wir sind für weitere Anfragen offen."

Aachens Beigeordnete Schwier betont: „Ich möchte dem Verein 'Nele und Hanns Bittmann – Hilfe für Kinder in Not in der Region' für die großartige und völlig unkomplizierte Weise der vielfältigen Unterstützung ganz herzlich danken. Der Verein hilft mit seinem Wirken vielen Kindern und Jugendlichen in unserer Stadt in ganz besonderer Weise."

Weitere Informationen gibt es im Netz unter www.kinderinnotaachen.de.

(red)