Vortrag in Haus Löwenstein: Wenn Aachener von Schwaben träumen

Vortrag in Haus Löwenstein : Wenn Aachener von Schwaben träumen

Unter dem Slogan „Für eine Stadt von der wir träumen“ macht in Stuttgart seit geraumer Zeit eine Bürgerinitiative von sich reden. Ihr Ziel ist, Stadtentwicklung und Stadtgestaltung durch eigene Ideen und Impulse voranzubringen.

Und laut Dr. Wieland Backes, erster Vorsitzender sowie Fernsehjournalist, und Thomas Rossmann, Geschäftsführer, ist mit der unabhängigen Bürgerbewegung ein Prozess ins Rollen gekommen, der „einen nahezu überwältigenden Widerhall in der Gesellschaft“ findet. Im Haus Löwenstein erzählten die beiden Stuttgarter von ihren Erfahrungen und ermunterten die zahlreichen Zuhörer, ebenfalls an der Gestaltung ihrer Stadt mitzuwirken. „Es ist toll, wenn Rheinländer von Schwaben lernen wollen“, meinte Backes gleich zu Beginn des Vortrages, zu dem der Bund Deutscher Architekten (BDA) ins Haus Löwenstein eingeladen hatte.

Offensichtlich ist es den Initiatoren in Stuttgart gelungen, so etwas wie eine „Aufbruchsstimmung“ zu verbreiten, und „Aufbruch Stuttgart“ ist dann auch der Name der neuen Bewegung. „Wir wollten neuen Schwung in die Stadtplanung bringen, die gerade mit Blick auf die Kulturmeile seit Jahren schon feststeckte“, führte Backes aus. Das Kulturquartier sei das eigentliche Herz und der Mittelpunkt der Stadt und müsse entsprechend aufgewertet werden. 2017 machte die Bewegung auf sich aufmerksam, weil sie die Stadtautobahn, die dieses Viertel kreuzt, lahmlegte: Statt einer endlosen Karawane von Autos machten friedvolle Demonstranten die Verkehrsschneise einen Tag lang zu ihrem Wohnzimmer.

Die enorme Verkehrsbelastung und die damit einhergehenden Schadstoffbelastung sind in Stuttgart seit jeher große Themen. Die Kessellage der Stadt verschlimmere die Situation noch, so Backes. In den 60er und 70er Jahren als Autostadt konzipiert leidet Stuttgart heute demnach unter einer Planung, in der Fußgänger oder attraktive Plätze gar nicht erst vorkommen. Zumindest für die Kulturmeile wünschen sich die Bürger aber demnach ein lebendiges Quartier ohne die trennende Schneise der Stadtautobahn. Und bei einem von der Bürgerbewegung organisiertem Ideenwettbewerb machten sich im vergangenen Jahr international renommierte Architekturbüros Gedanken über eine Zukunftsgestaltung der Stadt. Der neue und unverstellte Blick von außen hat diesen Ideenwettbewerb laut Backes besonders wertvoll gemacht. „Und die Vorschläge wurden dann von der Politik durchaus ernst genommen“, sagte er.

Letztendlich hänge alles von der Aufgeschlossenheit und dem Mut der politischen Entscheidungsträger ab. Backes versteht die bislang präsentierten Konzepte und Ideen als Geschenke an die Stadt Stuttgart. Gleichzeitig freut er sich über den „frischen Wind“, den die Bürgerbewegung in die Stadt gebracht habe. „Überlegen Sie sich gut, ob Sie uns nachahmen wollen“, meinte Backes und ließ keinen Zweifel daran, wie zeitaufwendig und nervenaufreibend die Arbeit in der Bürgerbewegung sei.

Beim Aachener Publikum kamen die Ausführungen sehr gut an. Der Name „Aufbruch“ gefiel den Vertretern von Organisationen wie Aachen Fenster, Bürgerstiftung Lebensraum Aachen und auch dem Bund Deutscher Architekten gleichermaßen gut. Sie wollen sich nun Gedanken machen, wie sie in Aachen ein ähnliches bürgerliches Engagement erreichen könnten. Und das soll dann auch hier unter dem Namen „Aufbruch“ geschehen. Denn auch Aachen könne ein bisschen frischer Wind mit Blick auf die Stadtplanung nicht schaden: Darin waren sich alle einig.

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