Aachen: Wenn Aachen gewinnt, muss der OB keine Printen backen

Aachen: Wenn Aachen gewinnt, muss der OB keine Printen backen

Wetten, dass jeder dritte Aachener zwischen dem 2. Mai und dem 9. Juni einen Euro für Kinder in Äthiopien spendet? Davon ist Oberbürgermeister Marcel Philipp überzeugt, und damit davon, dass Aachen die Stadtwette gegen Karlheinz Böhm und dessen Frau Almaz gewinnt.

Dafür müssen genau 81.333 Euro zusammenkommen. Oder eben mehr. Denn mehr ist immer besser.

Es ist 30 Jahre her, dass der Schauspieler Karlheinz Böhm bei der dritten Ausstrahlung von „Wetten, dass...?” auf dem Sofa Platz nahm und den Blick nach Afrika richtete. Dort wettete Böhm, bekannt als Partner von Romy Schneider in den Sissi-Filmen und aus Fassbinder-Produktionen, dass nicht mal ein Drittel der 18 Millionen TV-Zuschauer eine Mark für Entwicklungshilfe in der Sahelzone spenden würde. Er sollte Recht behalten, die Wette gewinnen. Doch die eigentlichen Gewinner lebten dennoch in Äthiopien, denn immerhin kamen 1,2 Millionen Mark zusammen, und mit diesem Geld gründete Böhm die Stiftung „Menschen für Menschen” und machte sich auf nach Afrika. Viele hielten ihn für einen blauäugigen Wichtigtuer. Sie wurden eines Besseren belehrt.

30 Jahre sind seitdem vergangen. Böhm hat in elf Gebieten rund 4,5 Millionen Menschen geholfen. Axel Haasis, Geschäftsführer von „Menschen für Menschen”, erzählt davon, wie Böhm mit den Menschen in Äthiopien zusammensitzt. Im Kreis. Im Staub. Er berichtet von integrierter ländlicher Entwicklungshilfe und meint, dass „Menschen für Menschen” alles im Auge behält. Stärkung der Landwirtschaft, Förderung der Bildung. Und genau dafür soll die Stadtwette gut sein. Das Projekt heißt „ABC 2015” und wurde gegründet, als bekannt wurde, dass 60 Prozent der Äthiopier keinen Zugang zu einer Schule haben. Das hat sich vielerorts geändert. Aber nicht überall. „Mit 120.000 Euro kann man eine eigene Schule bauen. Das traue ich den Aachenern zu”, sagt Haasis.

Der OB hätte nichts dagegen. Schließlich gilt es nicht nur, die Stadtwette zu gewinnen, auch ein Wettstreit der Kommunen wird ausgerufen. Wer bringt die höchste Pro-Kopf-Spende ein? Abwarten. Philipp hat jedenfalls drei prominente Wettpaten gewinnen können. FH-Rektor Marcus Baumann, Generalmusikdirektor Marcus Bosch und Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck. Die FH plant ein Benefizkonzert, das Theater stellt die Arabella-Premiere am 1. Mai und Bosch sein Konzert am 4. Mai ins Zeichen der Stadtwette. Und alle wollen werben, werben und nochmals für die gute Sache werben. „Es gibt auch in Aachen weiter viele Spendenaktionen und Projekte, aber wir müssen auch über den Tellerrand hinausschauen”, sagt der OB. Gewinnt Aachen die Stadtwette, haben die Böhms ein äthiopisches Kulturfestival angekündigt. Sollte Aachen verlieren, muss der OB seinen Wetteinsatz erfüllen - und auf dem Markt Printen backen. So würde auch die Niederlage schmecken.

Die Stadtwette läuft vom 2. Mai bis zum 9. Juni. 30 Städte beteiligen sich und wetten, dass jeder dritte Einwohner einen Euro spendet. Gerade für die großen Städte wie Berlin, München, Köln oder Wien eine besondere Herausforderung. Unter den Teilnehmern sind auch Herzogenrath und Eupen.

Gespendet werden kann bei der Sparkasse Aachen (BLZ 390 500 00) auf das Konto 100 43 73, Stichwort „Menschen für Menschen”. Wer die Telefonhotline 09001/301124 aus dem Festnetz anruft, spendet automatisch einen Euro über die Telefonrechnung, auch auf http://www.staedtewette.de kann eingezahlt werden.

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