Aachen: Weitere Anti-Terrorpoller schützen den Aachener Markt

Aachen: Weitere Anti-Terrorpoller schützen den Aachener Markt

Nach umfangreichen Planungen und neuen Berechnungen forciert die Stadt Aachen den Schutz des Innenstadtkerns vor Terroranschlägen mit gekaperten Fahrzeugen. Dies wird allerdings deutlich teurer als zunächst kalkuliert.

Allein die ersten drei Pilomaten-Systeme — im Volksmund „Anti-Terrorpoller“ genannt — an der Einfahrt von der Jakobstraße zum Markt, am Büchel Richtung Markt und zwischen Mostardstraße beziehungsweise Großkölnstraße Richtung Markt sollen rund 400.000 Euro kosten. Das sind 100.000 Euro mehr als ursprünglich erhofft. Weitere Schutzmaßnahmen werden folgen. Entsprechende AZ-Informationen hat die Stadt Aachen am Donnerstag bestätigt.

Am Montag, 28. Mai, beginnen die Ausschachtungsarbeiten für die zwei Pilomaten am Marktzugang vom Büchel. „Die Schwierigkeit besteht darin, dass wir etwa zwei Meter tief in den Boden eindringen, um das Fundament und die Technik unterbringen zu können“, erläutert Regina Poth, Leiterin der Abteilung Straßenbau. Dabei gilt es, nicht nur die optimale Positionierung der elektrisch herauf- und herunterfahrbaren Pilomaten zur Terrorabwehr zu bestimmen. „Wir müssen auch sicherstellen, dass keine Versorgungsleitungen, Kanäle etc. im Tiefbaubereich liegen“, stellt Poth klar.

Unklar bleibt naturgemäß, welche archäologischen Funde im Rahmen der Ausschachtungsarbeiten zutage treten. Bei sämtlichen Baumaßnahmen im historischen Pfalzbereich der Kaiserstadt ist damit naturgemäß zu rechnen. Und dies hatte nicht nur bei den ersten beiden Pilomaten, die in der Marktzufahrt von der Jakobstraße aus installiert worden waren, für Verzögerungen gesorgt. Das „Anti-Terrorpärchen“ ging im November 2017 kurz vor dem Aachener Weihnachtsmarkt in Betrieb, nachdem andernorts islamistische Attentäter Fahrzeuge als Waffen eingesetzt hatten.

Besucherstarke Events

„Wir waren in Aachen die ersten, die dies auf diese Art und Weise so schnell zum Schutz von besucherstarken Großveranstaltungen realisieren konnten“, sagt Poth. Zum hiesigen Sicherheitskonzept gehörte damals schon der Ausbau des Schutzrings, der nun fortgesetzt wird. Dass die zwei weiteren Systeme — am Büchel und Richtung Großkölnstraße — jetzt deutlich teurer zu Buche schlagen als Ende 2017 gedacht, hat laut Poth mehrere Gründe. Erstens hat die erhöhte Nachfrage Auswirkungen auf den Preis. Hydraulisch versenkbare Pilomaten, die tonnenschwere Lastkraftwagen aufhalten können, werden inzwischen vielerorts in Deutschland von Städten bestellt. Zudem sorgt die generell hervorragende Auftragslage für Bauunternehmen — auch im Tiefbaubereich — dafür, dass Unternehmen bei Ausschreibungen höhere Preise kalkulieren. Wann die Baumaßnahmen beendet sind und somit der Schutzring für den Aachener Markt geschlossen ist, kann derzeit nicht seriös beantwortet werden.

Poth und ihr Team bei der Aachener Stadtverwaltung nehmen indes schon die nächsten Positionen für Pilomaten ins Visier. Die Pläne und Positionen wurden bereits skizziert. Die Rennbahn als Zugang für den Katschhof steht ganz oben auf der Wunschliste, gefolgt von der Ecke Hartmann-/Ursuliner-straße zum Schutz des Münsterplatzes sowie Krämerstraße und Annastraße.

So sollen sich Aachener und Besucher in den kommenden Jahren beim Weihnachtsmarkt, beim September Special, dem Kunsthandwerkermarkt, Altstadtflohmärkten und auch zur nächsten Heiligtumsfahrt noch sicherer fühlen. Die Gesamtkosten dürften nach den nächsten Neuberechnungen nach Expertenangaben im Millionenbereich landen. 100-prozentigen Schutz vor Anschlägen — abgesehen von terroristischen Fahrzeugattacken — kann dies natürlich trotzdem nicht gewährleisten.

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