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Weihnachtsmarkt in Aachen verzichtet auf Plastik

Umweltschutz : Weihnachtsmarkt schenkt sich das Plastik

Der Aachener Budenzauber verbannt Umweltsünden. Das kostspielige Öko-Geschirr auf dem Weihnachtsmarkt trägt aber zu höheren Glühwein-Preisen bei. Am Freitag geht es los.

Fünfzig Cent mehr sind dieses Jahr pro Glühwein fällig. Die erste Preiserhöhung nach etlichen Jahren dürfte auf dem Aachener Weihnachtsmarkt zu verschmerzen sein. Am kommenden Freitag, 22. November, 11 Uhr, öffnet der Budenzauber auf dem Markt, Katschhof und Münsterplatz. Und die 47. Auflage – organisiert vom Märkte und Aktionskreis City (MAC) – soll so umweltfreundlich wie niemals zuvor sein.

Das heißt: Nahezu überall verzichten die 130 Beschicker der Buden weitestgehend auf Plastikverpackungen, Plastikteller und Plastikbesteck. Was allein für die Gastronomen erheblichen Mehraufwand und höhere Kosten bedeutet. Denn ein unbeschichteter und damit materialärmerer Pappteller sowie Löffel, Messer und Gabeln aus Maisstärke sind deutlich teurer als Plastik – obwohl gerade das Öko-Besteck fast genauso wie konventionelles Plastik aussieht.

Mehrwegbecher sind Standard

„Wir schauen überall genau hin, möchten unseren Weihnachtsmarkt so umweltfreundlich wie nur irgendwie möglich gestalten“, sagt MAC-Geschäftsführer Manfred Piana. „Großartig ist, dass dabei alle an einem Strang ziehen“, fügt MAC-Vorsitzender Klaas Wolters hinzu. Mehrwegbecher gehören längst zum Standard, neu sind dieses Jahr neben Maisstärke-Besteck beispielsweise Trinkhalme aus Glas.

Aber auch das Thema Mülltrennung und Reycling gewinnt immer mehr Gewicht. Rund 90 Tonnen Müll wurden vergangenes Jahr abtransportiert, nun will man die Recyclingquote und den Anteil kompostierbaren Abfalls kräftig steigern. Hohlglas (9,5 Tonnen) und Papier (9,3 Tonnen) werden bereits getrennt abgefahren – ein enormer logistischer Aufwand. Zudem bezieht der komplette Weihnachtsmarkt Ökostrom. „Wir sprechen von 300.000 Kilowattstunden und somit 79 Tonnen Einsparung von CO2-Emissionen“, rechnet Piana vor. Umweltsünden wie Gasheizpilze sind ohnehin tabu.

Hunderttausende Menschen strömen Jahr für Jahr auf den Aachener Weihnachtsmarkt, der bis zum 23. Dezember täglich von 11 (außer Totensonntag, 24. November, ab 18 Uhr) bis 21 Uhr geöffnet ist. 53 Prozent der Beschicker kommen aus Aachen, 17 Prozent aus der Städteregion, 24 Prozent aus dem übrigen Deutschland und sechs Prozent aus dem benachbarten Ausland.

Geschenke und Kunsthandwerk bieten 63 Prozent der Händler an, zwölf Prozent widmen sich Printen und Süßwaren. Getränke und Imbisswaren verkaufen – inklusive Glühwein für 3,50 Euro – rund 20 Prozent der Markt-Beschicker. „Dieser Mix hat sich als optimal herausgestellt, die Atmosphäre soll schließlich möglichst weihnachtlich sein“, sagt Piana. Zehntausende LED-Lämpchen und Hunderte Weihnachtsbäume sorgen für das typische Flair. 2018 wurde der Aachener Budenzauber erneut in die Riege der Top 10-Weihnachtsmärkte in Europa beim Wettbewerb „Best European Chrismas Market“ gewählt.

„Existenziell wichtig“

Das spüren der Aachener Einzelhandel und vor allem die Gastronomie. „Das Weihnachtsgeschäft ist für uns existenziell wichtig, da hilft der Weihnachtsmarkt als Magnet natürlich sehr“, sagt Dieter Becker vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Was ebenso für Aachens Hotellerie gilt: Neben Juli und August zählen November und Dezember zu den stärksten Monaten.

„Die Zahlen steigen weiter. Allein im Dezember 2018 wurden 3,4 Prozent mehr Ankünfte und 5,8 Prozent mehr Übernachtungen registriert als im Vorjahr“, erklärt Kathrin Steinhauer-Tepütt vom Aachen Tourist Service. Dabei stieg der Anteil internationaler Gäste um rund zehn Prozent. Gut 5500 Belgier (plus elf Prozent) 4000 Niederländer (plus 13 Prozent), fast 2700 Franzosen (plus 26 Prozent) und über 2500 Briten (plus sieben Prozent) führen die Statistik an.

Einheimische und Touristen dürfen dann auch Neues entdecken: So gibt es erstmals „wachsende Kalender“ mit echtem Saatgut und Oecher-Platt-Souvenirs auf dem Weihnachtsmarkt. Erwartet wird immenser Zulauf. Auch deshalb schreiben die Veranstalter das Thema Sicherheit groß. Die Anti-Terror-Poller werden täglich rund um den Markt hochgefahren, zu besonders besucherintensiven Zeiten von Freitagmittag bis Sonntagabend stockt man das Security-Personal auf. Rund 140 Seiten umfasst allein das Sicherheitskonzept. Auch das verschlingt erkleckliche Summen.

Apropos: An vielen Glühweinbuden in Köln und Düsseldorf kostet der Becher Glühwein schon seit Jahren zwischen 3,50 und 4 Euro.