Weihnachtsmarkt in Aachen setzt ab sofort auf grünen Strom

Nachhaltigkeit und Klimaschutz : Aachener Weihnachtsmarkt wird erstmals mit Ökostrom versorgt

Rot für Glühwein, Weiß für Schnee, Braun für Printen: Mit dem Weihnachtsmarkt verbindet man viele Farben. Mit Grün soll jetzt eine weitere Komponente dazukommen – und zwar nicht für Tannenzweige, sondern für den Strom.

Dieses Jahr wird der Weihnachtsmarkt erstmals komplett mit Ökostrom versorgt. Eine entsprechende Vereinbarung habe man im Frühjahr mit dem Energieversorger Stawag getroffen, teilte Manfred Piana, Geschäftsführer des Märkte und Aktionskreis City (MAC), am Mittwoch bei einem Pressegespräch mit. Damit geht der Veranstalter des Budenzaubers nach eigenen Angaben einen weiteren Schritt für mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz – und liefert sogleich die entsprechenden Zahlen, um das zu belegen.

Durchschnittlich 300.000 Kilowattstunden Strom verbrauche der Aachener Weihnachtsmarkt pro Saison. Das entspricht etwa 300.000 Waschgängen mit der Waschmaschine. Durch die Umstellung auf Ökostrom werden nach Berechnungen des Umweltbundesamtes nun knapp 79 Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2) eingespart, so Piana. Zum Vergleich: Eine Tonne CO2 produziert ein Mittelklasse-Benziner auf einer Fahrt über 4900 Kilometer. Und um dieselbe Menge wieder aufzunehmen, muss eine Buche ungefähr 80 Jahre alt werden.

Dass diese Umstellung nicht bedeutet, dass aus den Kabeln auf dem Katschhof plötzlich anderer Strom fließt als noch im vergangenen Jahr, bestätigte Marc Beckers, Teamleiter im Privat- und Gewerbekundenvertrieb der Stawag. Der Strom aus der Leitung ist der gleiche – öko hin oder hin. Entscheidend sei jedoch, aus welchen Quellen die Stawag den Strom bezieht, erläutert Beckers und verweist dabei auf das ok-Power-Label, das garantiert, dass der Strom zu 100 Prozent aus rein regenerativen Energiequellen stammt und zur Energiewende beiträgt.

Aktuell erzeuge das Aachener Energieunternehmen in eigenen Anlagen mehr als 450 Millionen Kilowattstunden grünen Strom. Rein rechnerisch könnten damit alle Aachener Haushalte versorgt werden. Aktuell beziehen nach Angaben von Stawag-Sprecherin Vanessa Grein rund 30 Prozent der Stromkunden den zertifizierten Ökostrom.

Für die mehr als 100 Aussteller des Aachener Weihnachtsmarkts entstünden durch die Umstellung auf den grünen Strom lediglich „minimale“ Mehrkosten, so Piana. Da seien andere Maßnahmen zur Verbesserung der Ökobilanz mit deutlich mehr Aufwand verbunden gewesen. Etwa bei der Verpflichtung der Getränkestände, Glühwein und Co. nur noch in Mehrwegbechern auszugeben – vor mehr als 20 Jahren. Aktuell arbeite man intensiv daran, dass auch für den Verzehr von Pommes, Reibekuchen etc. kein Einwegplastik mehr verbraucht wird. „Unser Ziel ist, ab 2020 im Einwegbereich plastikfrei zu sein“, sagte Piana, und zwar sowohl beim Essen als auch darüber hinaus.

Bis es soweit ist, müssten allerdings noch einige Fragen geklärt werden. So fehlten etwa für Popcorn und gebratene Mandeln bislang noch praktikable Verpackungen, die ohne Plasikbeschichtung auskommen. Und auch beim Thema Müllvermeidung erarbeite man zurzeit Konzepte, inwiefern Einweggeschirr aus kompostierbaren Materialien auch wirklich der Kompostierung zugeführt werden können. Schließlich müssten dann streng genommen „Fehleinwürfe“ – zum Beispiel ein Bambuslöffel im Restmüll – nachträglich aussortiert werden, damit diese nicht doch in der Verbrennungsanlage landen. Doch das seien Fragen, die leider nicht so leicht umzusetzen seien wie die Umstellung auf grünen Ökostrom.