Aachen: Weihnachtsmarkt: Fritten und Reibekuchen kriegen Fett weg

Aachen: Weihnachtsmarkt: Fritten und Reibekuchen kriegen Fett weg

Klar, sie kriegen ihr Fett weg. Wo die Lebensmittelkontrolleure Simon Pangritz und Andreas Vavelius vom städteregionalen Amt für Verbraucherschutz auftauchen, treffen sie selten dicke Freunde.

Gastronomen, Lebensmittelhändler, Restaurantchefs und Imbissbudenbesitzer wissen: Eigentlich gibt‘s von Amts wegen dank der weiter wachsenden Flut von Vorschriften und Regeln in Sachen „richtiger Umgang mit Lebensmitteln“ immer etwas zu mäkeln. Und wenn‘s die falsche Gummistiefelfarbe eines Fleischers ist... Man muss nur lange genug suchen. Am Mittwoch haben die beiden Experten Pangritz und Cavelius — flankiert von Weinkontrolleur Martin Kühn vom Landesamt für Verbraucherschutz und einem guten Dutzend Journalisten — den Aachener Weihnachtsmarkt besucht. Und dort vor laufenden Kameras das weit verbreitete Klischee widerlegt: Denn das Trio verteilte in Aachen Bestnoten; der Öcher Budenzauber schneide sogar im landesweiten NRW-Vergleich überdurchschnittlich gut ab, hieß es.

„Aachen schneidet überdurchschnittlich gut ab“: Martin Kühn, Landesamt Verbraucherschutz. Foto: Michael Jaspers

Keinerlei nennenswerte Mängel registrierten die Kontrolleure in den Glühwein- und Imbissbuden. Geprüft werde beispielsweise die korrekte Ausschanktemperatur von Glühwein, erklärte Weinkenner Kühn (siehe RWTH-Test auf Seite 17). Die meisten Anbieter lassen den heiß geliebten Glühwein ohnehin via Durchlauferhitzer statt Kessel in die Becher laufen — was die Temperaturregelung erheblich vereinfacht.

Wenn Fritten und Reibekuchen täglich ihr Fett weg kriegen, sind auch Pangritz und Cavelius zufrieden. Auch sie prüfen Temperaturen. Brutzeln darf‘s wegen sonst möglicherweise gesundheitsgefährdender Acrylamid-Bildung höchstens bis 175 Grad Celsius. Natürlich müssen die Frittierfette täglich gewechselt, Küchen und Theken blitzsauber sein. „Hier auf dem Aachener Weihnachtsmarkt arbeiten nur ausgewiesene Profis“, sagt Pangritz. „Hier kennt jeder die gesetzlichen Vorschriften und unsere in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Anforderungen ganz genau“, stellt er fest. „Alle halten sich daran, bemühen sich ehrlich um einwandfreie Speisen und Getränke“, lobt der Kontrolleur. Wobei es auch auf vermeintliche Kleinigkeiten ankommt: Die Temperaturen in Kühlanhängern, in denen Imbissbudenbetreiber etwa ihre Würste lagern, dürfen zum Beispiel niemals sieben Grad Celsius übersteigen. Würstchenkisten dürfen natürlich nicht auf dem Boden stehen; Frisch- und Abwasserleitungen genießen zudem besondere Aufmerksamkeit. In Aachen freut das Gesamturteil: Alles im grünen Bereich!

Übrigens: In der Städteregion sind ein halbes Dutzend Kontrolleure für rund 6000 Betriebe zuständig. Landesweit sollten 300 neue Kontrolleure eingestellt werden, bislang kamen 100 Assistenten hinzu. „Die Personallage hat sich nicht spürbar verbessert“, sagt Kühn. Da kriegt die Politik mal ihr Fett weg.