Aachen: Weihnachtsmarkt: Aachener Polizei baut Präsenz massiv aus

Aachen: Weihnachtsmarkt: Aachener Polizei baut Präsenz massiv aus

Die Musik verstummte am Montag auf dem Aachener Weihnachtsmarkt und Aufführungen wurden abgesagt. Aus Pietätsgründen den Opfern des Anschlags in Berlin gegenüber. Der Markt — einer der größten in Deutschland — öffnete jedoch seine Pforten und wird bis zu seinem regulären Ende am Freitag fortgesetzt. Allerdings mit nochmals ausgeweiteten Sicherheitsmaßnahmen.

Darüber verständigten sich Polizei, Stadt und der „Märkte und Aktionskreis City“ (MAC) als Veranstalter bei einem Sicherheitsgipfel am Morgen. Die Polizei hat ihre Einsatzkräfte verdreifacht und will diese massive Präsenz auch bis zum Ende des Weihnachtsmarktes am Freitagabend aufrechterhalten, wie Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach sagte. Außerdem sind alle Polizisten mit speziellen, zehn Kilogramm schweren Sicherheitswesten ausgerüstet und mit Maschinenpistolen bewaffnet.

An den Posten sind zudem Fahrzeuge als Blockaden quergestellt. Das war bisher nur zu besonders besucherstarken Zeiten der Fall. „Was Ausstattung und Präsenz angeht, legen wir jetzt noch einen drauf“, sagt Polizeipräsident Dirk Weinspach. „So wollen wir gewährleisten, dass die Bürger ohne Ängste und Sorgen den Weihnachtsmarkt besuchen können - sofern man das überhaupt sagen kann.“

Oberbürgermeister Marcel Philipp, Weinspach und MAC-Sprecher Manfred Piana erklärten, dass das Sicherheitskonzept schon vorher umfangreich gewesen und in den vergangenen Jahren immer wieder ausgebaut worden sei. Auf ein Szenarion wie in Berlin oder Nizza sei man schon vorbereitet gewesen, so Weinspach, der betonte, dass „wir uns unser Lebensgefühl nicht von Terroristen nehmen lassen und uns nicht unterkriegen lassen dürfen. Wir dürfen den Terroristen nicht auf den Leim gehen, denn das ist es, was sie wollen“.

Auch auf städtischer Seite erhöht man die Zahl der eingesetzten Ordnungskräfte, um „auch das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger zu verstärken“, wie Ordnungsdezernentin Annekathrin Grehling es formuliert.

Außerdem wolle man die Videokameras, die bisher nur schemenhaft die Besucherströme kontrollieren, möglichst schnell „scharf stellen, um sie auch zur Beobachtung nutzen zu können“. Dazu müssten noch einige technische Abstimmungen vorgenommen werden, sagt die Dezernentin, die in dieser Frage keine rechtlichen Probleme sieht: „Ich bin überzeugt davon, dass wir in der jetzigen Situation die Rechtsgrundlage für eine Videoüberwachung haben.“

Ziel sei es, die Kameras, die bisher nur zu Spitzenzeiten eingeschaltet werden, bis zum Ende des Weihnachtsmarkts durchlaufen zu lassen. Bisher liefert sie aus Datenschutzgründen nur unscharfe Bilder.

Den Aachener Weihnachtsmarkt aufgrund der schrecklichen Ereignisse in Berlin vorzeitig zu beenden, hat offenbar nicht ernsthaft zur Debatte gestanden. „Unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme gehören den Opfern von Berlin und ihren Angehörigen“, sagt Oberbürgermeister Marcel Philipp, „aber wir haben uns gegen eine Absage entschieden und wollen den Markt in angemessener Form fortführen.“

Umfassende Sicherheit werde es nicht geben, hieß es. Zum Beispiel mit Blick auf den Alltag in Fußgängerzonen sagte der Polizeipräsident, dass es „keinen Sinn macht, unsere Städte zu Festungen auszubauen“.

Auf Nachfrage sagte Weinspach, auch die Maßnahmen im Hinblick auf potenzielle Terroristen in der Region — die Polizei Aachen beobachtet zehn Personen, denen man Attentate zutraut, und zwölf „Unterstützer“ — würden „angepasst“. Mit anderen Worten: Die Polizei wird sie noch intensiver ins Visier nehmen.

Auch die Veranstalter der Weihnachtsmärkten in Düren, Heinsberg, Wegberg, Erkelenz und Jülich reagierten am Dienstag auf die Terrorattacke von Berlin. In Schweigeminuten wurde der Toten gedacht, einige Märkte stellten wie in Aachen die adventliche Musik aus. In Düren, Heinsberg und Wegberg sollen die die Weihnachtsmärkte mit Durchfahrtssperren, etwa Betonpollern, gesichert werden.