Weihnachten im Café Plattform und OT Josefshaus und Pfarrei St. Jakob

Musik, gutes Essen und Beisammensein : Wenn der Heilige Abend Menschen zusammenführt

„Das Geheimnis der Weihnacht besteht darin, dass wir auf unserer Suche nach dem Großen und Außerordentlichen auf das Unscheinbare und Kleine hingewiesen werden.“ Von wem das Zitat stammt, ist nicht bekannt. Ebenfalls ist nicht bekannt, wann es erstmals gesagt oder aufgeschrieben wurde.

Aber das ist auch egal, denn die Botschaft hinter den Zeilen drückt das aus, was vielerorts an Heiligabend auf vielfältige Art und Weise sichtbar wird. Denn in dem Unscheinbaren und Kleinen verbirgt sich häufig Großes. So sitzen am Heiligen Abend in der Pfarre St. Jakob Menschen zusammen, die sich bis dato nicht kannten. Menschen, deren Lebenswege völlig unterschiedlich sind, und die dieser Tag zusammengeführt hat. Regelmäßig veranstalten Marita Delheid und ihr Team von der Pfarrei St Jakob ein Weihnachtsfest, zu dem jeder herzlich eingeladen ist.

Ein Buffet, musikalische Beiträge und vorgetragene Gedichte sind ebenfalls Teil des Programms. „Es ist bereits das fünfte Mal in Folge, dass wir die Aktion durchführen“, betont Delheid und ergänzt: „Zu uns kommen obdachlose Menschen, Menschen die einsam sind, aber auch viele Gemeindemitglieder. Manche sind alleine, haben ihren Partner oder Partnerin verloren und suchen gerade am Heiligen Abend den Kontakt zu anderen Leuten. Aber auch viele Singles und Personen, die vielleicht erst Morgen oder Übermorgen mit der Familie feiern, sind hier.“

So vielfältig die Menschen, so vielfältig ist auch die Stimmung. Fröhliche Momente gehören ebenso dazu, wie Augenblicke der Melancholie und der Traurigkeit. Zwischen 25 und 40 Leute kommen regelmäßig zu dem Weihnachtsessen. So wie Manfred. Mit wem er am Tisch sitzen würde, wusste er vorher nicht. Dass er mit dem ihm unbekannten Mann nun lacht und über das Leben spricht, freut ihn umso mehr. „Am Anfang sind die Gäste immer etwas tastend, aber sobald sich der Tisch füllt, öffnen sie sich“, erklärt Delheid.

Familiäre Atmosphäre im Café Plattform

Im Café Plattform begrüßt Einrichtungsleiter Mark Krznaric indes die vielen Besucher, die mitunter schon seit geraumer Zeit draußen gewartet haben. „Unser Anliegen ist es, den Gästen ein Weihnachtsfest zu bescheren, wie es auch bei den meisten Menschen zuhause abläuft. Viele Besucher kennen wir seit Jahren, weshalb die Atmosphäre sehr familiär und friedlich ist.“

Tobias Malms (l.) und Gottfried Siegers (r.) sorgen seit Jahren für musikalische Unterstützung. Marc Krznaric leitet das Café Plattform. Foto: Andreas Steindl

Zu essen gibt es Rotkohl mit Knödeln und Hirschgulasch. Auf den festlich geschmückten Tischen liegen Kekse, Zimtsterne und Liedertexte. Tobias Malms und Gottfried Siegers sorgen seit Jahren für musikalische Unterstützung. Während sie Klavier und Gitarre einstimmen, schaut sich Wilhelm im Saal um. Er trägt einen großen Rucksack auf den Schultern und wirkt so, als würde er gleich wieder gehen wollen. Vielleicht will er das auch. Wäre da nicht die zufällige Begegnung mit einem ihm offensichtlich bekannten Mann. „Lange nicht gesehen“, sagt Wilhelm und setzt seinen Rucksack ab. Keine fünf Minuten später sitzen sie gemeinsam am Tisch, reden und schweigen miteinander.

Jung und Alt finden in der O.T. Josefshaus zusammen

Ein ähnliches Bild spielt sich auch in der Offenen Tür Josefshaus ab, wo Jung und Alt zusammenfinden. Zusammenfinden, vielleicht ist es das, was auf den ersten Blick unscheinbar und klein ist, aber bei genauerem Betrachten zu etwas Großem und Besonderem wird. In der Pfarrei Sankt Jakob, im Café Plattform und in der OT Josefshaus sind es jedenfalls genau diese Momente, Begegnungen und Zufälligkeiten, die den Grundgedanken des Festes deutlich machen.

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