Wegzwei: Navigationssystem für Fußgänger in Aachen entwickelt

Das passende Navi für den Arztbesuch : Aachener App hilft beim Zurechtfinden im Krankenhaus

Zum Café bitte links entlang, zur Geburtenstation erst einmal in Richtung Aufzug: Eine Aachener App hilft den Besuchern des Luisenhospitals, sich zurecht zu finden. Auch das Klinikum und das Marienhospital sind ans System angedockt.

Wie kommt man vom Parkplatz des Luisenhospitals am schnellsten auf die Geburtenstation? Welches ist der schnellste Weg aus der Cafeteria in die Röntgenstation? Eine neue App, made in Aachen, hilft den Patienten und Besuchern des Krankenhauses nun bei der besseren Orientierung. Der Name: Wegzwei.

Die App funktioniert denkbar einfach. Nachdem man sich das Programm auf seinem Handy heruntergeladen hat, kann man von jedem beliebigen Standort im oder ums Krankenhaus einen Zielort eingeben, und sich per Karte und von einer freundlichen Computerstimme dorthin lotsen lassen. Die App ist kostenlos, und auch Datenvolumen „frisst“ die Anwendung bei der Benutzung übrigens nicht: Das Ganze funktioniert über Bluetooth und GPS.

Wozu das Ganze? „Wir haben in unserem Krankenhaus in den vergangenen Jahren und Monaten ziemlich viel umgebaut und erweitert. So ist eine recht verwinkelte Gebäudestruktur entstanden“, berichtet Marco Plum vom Vorstand des Evangelischen Krankenhausvereins zu Aachen, der hinter dem Luisenhospital steckt. Durch eine sehr gut sichtbar im Foyer platzierte Säule, von der aus man sich per Touchscreen durch die virtuellen Gänge des Hospitals klicken kann, will man die Besucher animieren, sich mit dem neuen System vertraut zu machen.

Rezeption wird nicht ersetzt

„Trotzdem geht es nicht darum, den Service der Rezeption zu ersetzen“, betont Plum. Schon aus datenschutztechnischen Gründen sei es nicht möglich, beispielsweise Patientennamen in die App einzuspeisen und darüber gleich das Krankenzimmer der Tante zu suchen, die man besuchen möchte. Langfristig soll es aber möglich sein, gezielt nach Veranstaltungen, beispielsweise Vorträgen oder Kursen zu suchen, die im Krankenhaus stattfinden. Auch die Speisekarte des Cafés könnte integriert werden.

Das Luisenhospital digital in die App zu spielen, sei eine Frage von wenigen Wochen gewesen, erzählt Mageed Mazyek, Geschäftsführer von Wegzwei. „Eine Herausforderung waren allerdings die verschiedenen Bezeichnungen für die Orte in einem Krankenhaus.“ Manch einer sagt Geburtenstation, ein anderer Wöchnerinnenstation – zum Ziel sollen aber alle finden. „Wir haben also mit allen möglichen Synonymen gearbeitet.“

Tippen, finden und los: Kaum ist die Säule von Wegzwei im Foyer des Luisenhospitals enthüllt, wird sie von den ersten Patienten genutzt. Foto: ZVA/Harald Krömer

Das Navigationssystem im Luisenhospital ist nicht das erste, das von dem Aachener Start-up Wegzwei in Gebäuden installiert wurde. Auch das Uniklinikum und das Marienhospital verfügen über diese Technik, außerdem noch der Edeka-Markt Hatlé und der Mobau-Baumarkt. Neu sei im Luisenhospital aber der „outdoor“-Bereich der App: Da die Klinik in unterschiedlichen Immobilien entlang des Boxgrabens untergebracht ist, erschien es sinnvoll, dass man die App auch außerhalb des Hauptgebäudes nutzen kann.

Entwicklungspotenzial

Und denkbar wäre noch viel mehr, erklärt Mazyek: „Interessant wird dieses Fußgängersystem, das dort anfängt, wo die öffentliche Straße aufhört vor allem für den Einzelhandel.“ Er schwärmt von einer Art Empfehlungs-System: Welche Jacke passt zu den Schuhen, die ich gerade gekauft habe, und wo finde ich die? Welche Soße zu dem Fleisch, dass ich gerade gekauft habe?

Dass es zu der Kooperation zwischen dem Zehn-Mann-Betrieb Wegzwei und dem Luisenhospital kam, hat übrigens mit einer alten Kirche zu tun: mit dem Digital Hub in der ehemaligen Elisabethkirche an der Jülicher Straße. „Im Digital Hub sind Krankenhaus und IT-Firma aufeinander getroffen“, erzählt Dr. Oliver Grün, Vorstandsvorsitzender des Digital Hub. Schnell habe die Krankenhausleitung einen Mehrwert für die Patienten und Besucher erkannt. „Jetzt kommt es aber darauf an, dass die Technik auch von den Anwendern genutzt wird“, sagt Oliver Grün.

Damit das auch passiert, gibt es im Luisenhospital nicht nur die Säule im Eingangsbereich, sondern auch viele Plakate sowie Einspieler auf den Bildschirmen in den Krankenzimmern. „Wir möchten, dass das neue Angebot schnell in den Köpfen unserer Patienten ankommt“, sagt Marco Plum. Aufs Alter komme es dabei nicht so sehr an – ein Smartphone habe ja mittlerweile fast jeder.