Aachen: Wegen Haltestelle: Fernbusse machen Bogen um Aachen

Aachen: Wegen Haltestelle: Fernbusse machen Bogen um Aachen

Sie fahren von Berlin nach Dresden, von München nach Frankfurt, von Köln nach Hamburg. Nur um Aachen machen Fernbusse einen weiten Bogen. Weil am Bahnhof kein Platz für sie ist, und die Haltestelle Wilmersdorfer Straße für die Unternehmer fernab jeder Route liegt.

Am 1. Januar ist eine Reform des Personenbeförderungsgesetzes in Kraft getreten. Damit ist auch ein Uraltgesetz von 1930, nach dem Busse der Deutschen Bahn auf Strecken über 50 Kilometer keine Konkurrenz machen dürfen, ausgebremst worden. Das Rennen um die Gunst der Fernreisenden ist eröffnet und rasant in Fahrt gekommen. Die Anbieter von Reisebussen geben mit Niedrigpreisen Gas. Unter anderem ist der Discounter Aldi mit einem Bonner Busunternehmen (60 Busse, 10 Strecken) eingestiegen.

Mehr als 160 Fernbus-Verbindungen gibt es nun in Deutschland, mehr als 50 sind beantragt. Wöchentlich wächst das Streckennetz, Aachen bleibt außen vor. Zwar wurden zum 1. Januar zwei Konzessionsanträge für Verbindungen nach Berlin und München eingereicht, doch ein Antrag wurde bereits wieder zurückgezogen, der zweite nicht weiter verfolgt.

Denn: Dem gewünschten Halt am Aachener Hauptbahnhof ist die Stadt nicht nachgekommen. Er wird aus Kapazitätsgründen ausgeschlossen, wie es in einer Vorlage für den Mobilitätsausschuss heißt, der am Donnerstag um 17 Uhr im Verwaltungsgebäude Lagerhausstraße tagt. Die Haltestelle am Bahnhof sei durch den Linienverkehr bereits ausgelastet, es gebe keine ausreichenden Warteflächen für Fernbusse.

Die Stadt verweist auf die seit 2004 vorhandene Fernbushaltestelle Wilmersdorfer Straße, also am Friedhof Hüls. Denn anders als innerhalb der deutschen Grenzen ist ein internationaler Fernbusverkehr längst — auch in Aachen — aufs Gleis gesetzt worden. Laut Verwaltung starten an der Wilmersdorfer Straße pro Woche rund 100 Busse nach Polen, Rumänien, Tschechien, Belgien, Frankreich, England und Portugal.

Es gibt einen Kiosk, Toiletten und Parkplätze. Das abgesprungene Fernbusunternehmen für die innerdeutsche Reise lässt sich davon nicht überzeugen. Die Haltestelle am Friedhof ist für den Anbieter gestorben, sie erfülle nicht die Erfordernisse moderner Fernbuslinien, sei zu weit vom Stadtzentrum entfernt in einer „unattraktiven Umgebung“ angesiedelt, heißt es in einer Stellungnahme für die Politik.

Die Verwaltung will nun einen neuen Weg suchen, um die deutschen Fernreiser doch noch nach Aachen zu holen. In Gestalt einer neuen Haltestelle. Diese soll sich ausdrücklich innerstädtisch befinden, damit die Busse auf dem Weg nach Berlin oder München keinen Bogen mehr um Aachen machen. Einen Zeitplan gibt es aber noch nicht. So oder so wird Aachen mit Verspätung ins Busnetz einsteigen.

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