Aachen: Wechsel an der Spitze des Energiebeirats: Castro kommt für Bohn

Aachen: Wechsel an der Spitze des Energiebeirats: Castro kommt für Bohn

„Entscheidend ist, was hinten rauskommt”, beschreibt Professor Dr. Dieter Bohn (68), Direktor des Instituts für Dampf- und Gasturbinen der RWTH Aachen und (nach fast 17 Jahren Vorsitz) scheidender Leiter des Energiebeirats der Stadt Aachen, die Aufgabe seines Gremiums.

Die etwas flapsige Beschreibung trifft es genau: Der Beirat soll bei energiepolitischen Entscheidungen beraten. Die Politik kann sich das Fachwissen des Rates zunutze machen und sich gleichzeitig bei heiklen Entscheidungen auf die Meinung einer unabhängigen Institution berufen - quasi als Rückendeckung.

Im Beirat sind Personen aus Verwaltung und Politik sowie verschiedenen Instituten der RWTH und FH, der Stawag, des Mineralölverbundes Aachen, der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer, der „Haus und Grund” und des Bau- und Liegenschaftsbetriebes NRW vertreten.

Nachfolger in der Leitung des Beirats wird Dietmar Castro (56), Professor im Fachbereich Architektur, Lehrgebiet Städtebau und Regionalplanung an der FH. „Aachen hat seit der Gründung des Beirats 1992 eine führende Rolle auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien und der Energieeinsparung inne”, erklärt der Mitbegründer und Geschäftsführer des Büros für Kommunal- und Regionalplanung in Aachen. „Einsparung von Energie ist insbesondere wegen des hohen Prozentsatzes an Altbauten interessant”.

Die Brisanz dieses Themas mündete 2001 in das Projekt „altbau plus”. Der dazu gehörige Verein organisiert Maßnahmen zur Vernetzung wichtiger lokaler Akteure, zum Know-how-Transfer und zur Information der Bürger. Diese können sich seit Mai 2004 auch in einer eigens eingerichteten Beratungsstelle informieren.

Als Teilnehmer des Modellprojekts „Ökologische Stadt der Zukunft” hat Aachen 1995 erstmals die Energieversorger in die Pflicht genommen, Strom aus privaten Solar- oder Windkraftanlagen ins Netz einzuleiten. Das „Aachener Modell” war geboren. Neu daran war, dass es nicht mit Steuern bezuschusst werden musste, sondern kostendeckend vergütet werden konnte. In der Folge des „Aachener Modells” wurde ein rasanter Zuwachs an Photovoltaik-Anlagen gemessen.

„Eine der wichtigsten Entscheidungen war, in Aachen kein neues Wärmekraftwerk zu bauen, sondern die Stadt durch die Fernwärmeschiene aus dem Kraftwerk in Weisweiler zu versorgen”, sagt Bohn. „Diese Diskussion wäre ohne den Energiebeirat anders ausgegangen.” Ein bisschen Wehmut überkommt ihn bei dem Gedanken an das anstehende Mega-Projekt: der Campus. „Aachen wird hier neue Maßstäbe setzen müssen. Schade, dass ich dann nicht mehr dabei bin.”

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