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Nachgefragt bei der ATG: Was ist der Grund für den Teilnehmerschwund bei Volksläufen?

Nachgefragt bei der ATG : Was ist der Grund für den Teilnehmerschwund bei Volksläufen?

Während der Corona-Lockdowns wurden Sportveranstaltungen schmerzlich vermisst. Jetzt, wo sie wieder stattfinden können, registrieren viele Vereine und Veranstalter einen Teilnehmerschwund. Wo sind die Läuferinnen und Läufer geblieben?

Die Aachener Turngemeinde (ATG) gehört zu den routiniertesten Veranstaltern von Volksläufen. Die Anmeldefrist für den weit über Aachen hinaus bekannten Winterlauf läuft bereits wieder. Rund 1000 Anmeldungen liegen Philipp Nawrocki vom ATG-Organisationsteam schon vor. Auf 2500 Teilnehmer musste die ATG das Starterfeld vor Corona regelmäßig begrenzen und viele Lauffreunde ablehnen. Ob das in diesem Jahr auch wieder so sein wird, ist indes mehr als fraglich. Beim Herbstlauf der ATG ist die Teilnehmerzahl zuletzt von bis zu 750 Startern vor der Pandemie (2017) auf 230 Läuferinnen und Läufer gesunken. Unser Redakteur Holger Richter hat Philipp Nawrocki nach den Gründen dafür befragt.

Herr Nawrocki, was ist Ihrer Meinung nach der Grund für diese Entwicklung?

Philipp Nawrocki: Die Gründe sind vielschichtig. Es laufen zwar viele, aber ohne sich einem Wettkampfreiz hingeben zu wollen. Weil pandemiebedingt Vereins- oder Gruppentraining eingeschränkt war, zudem alle Läufe abgesagt werden mussten, fehlte die gegenseitige Motivation und das „sich ein Ziel setzen“. Die Planungsunsicherheit kam für beide Seiten hinzu, vor den Sommerferien wusste ja noch keiner, ob die Pandemie Läufe im Herbst zulässt. Außerdem gibt es aktuell eine Fülle von Terminen in der Freizeit, weil auch Feste im Familien-/Freundeskreis und andere Events wieder stattfinden können.

Steht die ATG als Veranstalter mit diesem Trend alleine da?

Nawrocki: Der Rückgang der Teilnehmerzahlen lässt sich seit Mai, nachdem so gut wie alle Corona-Beschränkungen wegfielen, fast überall verzeichnen. Veranstalter, egal ob Vereine oder Agenturen, reagieren unterschiedlich. Einige haben auf die Veranstaltung komplett verzichtet oder sagen Termine wieder ab, andere erweitern oder kürzen das bisherige Format, um attraktiver für die Zielgruppe zu sein.

Philipp Nawrocki war früher selbst ein erfolgreicher Läufer, heute gehört er für die ATG zum Organisationsteam für den Herbst- und Winterlauf.
Philipp Nawrocki war früher selbst ein erfolgreicher Läufer, heute gehört er für die ATG zum Organisationsteam für den Herbst- und Winterlauf. Foto: Andreas Steindl

Weniger Teilnehmer bedeuten weniger Startgelder. Ab wann werden Veranstaltungen wie Herbst- oder Winterlauf nicht mehr tragbar?

Nawrocki: Das ist bei jeder Veranstaltung anders zu bewerten. Beim Herbstlauf können wir fast den gesamten Ablauf mit eigenem Material und Hilfe der Mitglieder stemmen. Beim Winterlauf sind wir in vielen Bereich auf externe, kostenpflichtige Unterstützung angewiesen. Als Verein investieren wir ehrenamtlich jede Menge Zeit und Kraft. Das, was als „Gewinn“ übrigbleibt, sichert den Trainings- und Sportbetrieb für das kommende Jahr sowie den Bestand unseres vereinseigenen Sportplatzes.

Befürchten Sie, dass sich Sponsoren zurückziehen könnten, wenn sie bei einem Volkslauf weniger Menschen erreichen können?

Nawrocki: Wir können derzeit weiter auf unsere langjährigen Partner und Förderer setzen. Vielen Dank an dieser Stelle. Aber natürlich beschäftigt uns dieser Gedanke. Ohne die Zuwendungen von Sponsoren sind größere Veranstaltungen schwer zu stemmen. Der Vereinssport benötigt insgesamt Unterstützung, damit die Benefits wie Spaß an der Bewegung, der Gesundheitsaspekt, das Mit- und Füreinander in allen Altersklassen so vielfältig ausgelebt werden können.

Wie können Veranstalter dieser Entwicklung entgegenwirken?

Nawrocki: Attraktive Angebote sind das eine. Hier merken wir bei der gestarteten Anmeldung für den 59. Winterlauf, dass dieser Lauf mit seiner Historie und der Punkt-zu-Punkt-Strecke erfreulicherweise mehr Interesse weckt. Vielleicht müssen wir uns, für die Laufbewegung insgesamt, unter den Aachener Läufen oder sogar darüber hinaus mehr zusammentun. Die App-basierte „Aachen läuft-Aktion“ während der Pandemie hat gezeigt, dass das klappt.