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Bloß keine Panik: Was Experten im Umgang mit Wespen und Hornissen raten

Bloß keine Panik : Was Experten im Umgang mit Wespen und Hornissen raten

Der Naturschutzbund Aachen gibt Tipps, wie der friedliche Umgang mit den wehrhaften Insekten gelingen kann. Fachmann kümmert sich um die Umsiedlung von Völkern.

Das warme und trockene Frühjahr war günstig für die Entwicklung von Wespen- und Hornissenvölkern. Jetzt im Sommer sind die Völker besonders groß. Entsprechend haben Menschen mit den gelb-schwarzen Gästen zu tun. Beim Naturschutzbund (Nabu) in Aachen gibt es zahlreiche Anfragen dazu, wie gefährlich Wespen und Hornissen am Haus oder im Garten tatsächlich sind. Grundsätzlich bestehe kein Grund zur Panik, betont der Nabu in einer Pressemitteilung und gibt Tipps zum Umgang mit den wehrhaften Insekten.

Auf der Suche nach Nahrung, hießt es, würden Wespen zurzeit vermehrt von süßen Speisen und Grillfleisch angelockt. Während Kuchen, Eis und Saft der eigenen Versorgung der Tiere dienen, wird Fleisch zur Aufzucht der Brut genutzt. „Kommen einem die gelb-schwarz-gestreiften Tiefflieger dabei zu nah, bewahrt man am besten die Ruhe. Auf keinen Fall sollte man wild um sich schlagen. Ein Mittel der Wahl ist es aber die Tiere mit Wasser zu besprühen“, erklärt Joachim Eberhardt vom Fachausschuss Entomologie im Nabu NRW. Es empfehle sich aber, süße Speisen und Getränke im Freien abzudecken, um die Wespen gar nicht erst anzulocken. Sinnvoll ist es auch, nicht aus offenen Flaschen zu trinken, sondern Strohhalme zu benutzen.

„Normalerweise reagieren Wespen bei ihrer Nahrungssuche nicht aggressiv. Durch hektische oder panische Bewegungen allerdings fühlen sie sich bedroht. Sie sollten daher in der Nähe von Wespen und Hornissen vermieden werden“, so Eberhardt weiter. Kommt es beim Versuch Wespen abzuwehren doch einmal zu einem Stich, hilft es, diesen schnell zu kühlen. Bei Allergieverdacht oder Stichen im Mund-Rachen-Bereich sollte dagegen umgehend ärztliche Hilfe geholt werden.

Auch wenn Wespen und Hornissen für den ein oder anderen nur lästige Störenfriede sind, einen wichtigen Aspekt sollte man nicht vergessen: Sie sind außerordentlich nützlich. Diese wehrhaften Insekten sind ein wichtiger Bestandteil der Natur: Sie verfüttern sehr viele andere Insekten wie Mücken, Fliegen und Bremsen an ihre Brut und tragen so zum ökologischen Gleichgewicht bei. Hornissen ernähren sich wiederum von kleineren Wespenarten und zahlreichen Insekten, die im Gartenbau wie in der Land- und Forstwirtschaft wenig beliebt sind.

Deshalb sollte man bei Wespennestern im menschlichen Umfeld nicht gleich zu drastischen Maßnahmen greifen. Der Nabu-Wespenexperte rät: „Bevor ein Wespennest umgesiedelt wird, sollte man sich überlegen, ob nicht doch ein Miteinander von Mensch und Wespenstaat möglich ist. Denn spätestens im Herbst ist die Zeit der Wespen vorbei. Dann sterben die Völker und nur die diesjährigen Königinnen überwintern an anderer Stelle.“

Fachkundig umsiedeln

Wenn eine Umsiedlung oder Beseitigung unumgänglich ist, beispielsweise bei Allergikern, in der Nähe von Kinderspielplätzen oder an häufig genutzten Durchgängen, sollte dies nur von sachkundigen Fachleuten durchgeführt werden. Für eine solche Umsiedlung im Raum Aachen empfiehlt der Nabu Aachen den Kontakt von Bruno Weyers von der Hochschulimkerei der RWTH Aachen. Zusammen mit seinem Sohn hat er allein in diesem Jahr bereits 40 Wespen- und zwei Hornissennester umgesiedelt. Mittlerweile ist er bereits seit 31 Jahren „im Geschäft“ und konnte einen Gesinnungswechsel bei den Leuten feststellen: „Im Gegensatz zu früher“, so Weyers, „ist nahezu allen Leuten wichtig bis sehr wichtig, dass die Nester nicht einfach vernichtet werden, sondern sich normal anderswo weiterentwickeln können.“

Und das ist gut und richtig so, denn Wespen sind laut Bundesnaturschutzgesetz - wie alle wild lebenden Tiere - geschützt. Hornissen sind sogar besonders geschützt. Deshalb darf weder den Tieren Schaden zugefügt werden, noch dürfen die Nester ohne besonderen Grund entfernt oder zerstört werden. Bruno Weyers ist per E-Mail zu erreichen unter weyers@bio2.rwth-aachen.de.

(red)