Aachen: Was ein Bürger erlebt, als er einen Einbruchsverdacht melden will

Aachen: Was ein Bürger erlebt, als er einen Einbruchsverdacht melden will

An die dringenden Appelle der Polizei musste Hermann Steffens gleich denken, als er dieses verdächtige kleine Ding an der Eingangstür zu seinem Büro entdeckte: „Lieber ein Anruf zu viel als einer zu wenig“, heißt es ja stets, wenn die Behörde angesichts der Flut von Einbrüchen — allein am vorigen Wochenende waren es 16 in Aachen — die Bürger zur Mithilfe auffordert: „Melden Sie sich, wenn Sie Verdächtiges bemerken!“

Steffens meldete sich gleich mehrfach, aber als Freunde und Helfer kamen ihm die Beamten dabei nicht vor. Im Gegenteil: Der Mann fühlte sich nicht ernst genommen und wurde von Hü nach Hott geschickt. „Ich kann ja verstehen, dass die viel zu tun haben und nicht für jeden Mist rauskommen, aber mit solch einem Desinteresse hätte ich nicht gerechnet“, sagt er. Von der AZ mit dem Fall konfrontiert, hat sich die Polizei mittlerweile bei Steffens entschuldigt. „Wir bedauern das sehr, da ist einiges falsch gelaufen“, sagt Polizeisprecherin Sandra Schmitz.

Was dem Burtscheider Immobilienmakler so verdächtig vorkam, ist eine winzige Kunststoffklemme, die im Spalt zwischen Tür und Türrahmen steckte. „Ich dachte sofort, dass das eine Markierung sein könnte — also dass da jemand kontrollieren will, ob und wann man kommt oder da ist.“ Und Steffens dachte sofort an Einbrecher. Im Sommer sei eine Wohnung in dem Haus an der Viehhofstraße ausgeräumt worden, sagt er. Und täglich höre man von neuen Einbrüchen. Also griff er zum Hörer und rief die Zentrale im Präsidium an. Und holte sich eine Abfuhr. Man könne nur kommen, wenn etwas passiert sei, habe ihm eine Frau freundlich, aber bestimmt mitgeteilt.

Zwei Tage später entdeckte Steffens erneut eine Klemme, diesmal an der Tür eines Nachbarn. Wieder rief er im Präsidium an, wieder fühlte er sich abgewimmelt, als er auch Fotos anbot. Er könne damit ja zur Wache in der Amyastraße gehen, habe man ihm gesagt. Dort lief er vor verschlossene Türen, was schnell passieren kann, weil die kleine Wache nur wenige Stunden pro Woche offen ist. Aber das habe man ihm nicht gesagt, erinnert sich Steffens. Verärgert startete der Mann einen letzten Versuch in der Wache im Mariental. Aber auch dort habe man sich für „nicht zuständig“ erklärt und ihn zum Kommissariat Vorbeugung in die Jesuitenstraße geschickt, erzählt er.

Dort wäre er der richtigen Adresse zwar näher gekommen, doch mittlerweile hatte Steffens die Nase voll davon, dass die Polizei das Motto ihrer Anti-Einbrecher-Kampagne „Riegel vor“ offenbar auch auf sein Bürgeranliegen anwendete. „Ich verstehe nicht, warum man mir nicht einfach eine richtige Telefonnummer oder eine E-Mail-Adresse geben konnte.“

Die lautet übrigens „poststelle.aachen@polizei.nrw.de“. Neben der „110“ kann man rund um die Uhr auch den Kriminaldauerdienst unter 9577-34210 anwählen. Und die Ermittlungskommission „Flex“, die Einbrüche bekämpft, ist zu Bürozeiten unter 9577-31051 zuerreichen. Bei den dortigen Ermittlern ist Hermann Steffens „Fall“ mittlerweile auch angekommen. „Ähnliche Beobachtungen über eine solche Art des Ausspionierens sind uns noch nicht bekannt“, sagt Polizeisprecherin Schmitz, „aber wir behalten die Sache im Auge.“

Mehr von Aachener Zeitung