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Karl der Große: Warum diese Münze eine Sensation ist

Karl der Große : Warum diese Münze eine Sensation ist

Im Aachener Stadtmuseum Centre Charlemagne wird ab Dienstag eine Münze ausgestellt, die von Experten als archäologische Sensation bezeichnet wird.

Frank Pohle ist ein charmant zurückhaltender Mensch. Und so formuliert er auch diese Nachricht – die andere vielleicht marktschreierisch verkünden würden – mit aller gebotenen Ruhe: „Ja“, sagt der Leiter des Centre Charlemagne, „das kann man mit Fug und Recht als eine Sensation bezeichnen.“

Dabei kommt „das“ auf den ersten Blick ziemlich unscheinbar daher. Es hat einen Durchmesser von 19 Millimetern und wiegt ganze 1,51 Gramm. Aber dieser Karlsdenar  ist ein historisches Schwergewicht. Es handelt sich um eine Münze, die laut Pohle das einzige authentische, zeitgenössische Porträt Karls des Großen zeigt! Was dann auch eine Wiederholung wert ist. „Wirklich eine Sensation“, so Pohle.

Die Vorstellung, dass solche Sensationen heutzutage auf Ebay angeboten werden, mag manchem Archäologen und nicht wenigen Historikern die Haare zu Berge stehen lassen. Aber in diesem Fall ist das genau so gewesen.

Ein an Archäologie interessierter und auf diesem Gebiet auch besonders bewanderter Aachener hat auf dem französischen Ableger der Versteigerungsplattform die Minimünze entdeckt. Es gibt nur rund 50 davon weltweit, schätzt Frank Pohle. Dass jetzt eine davon  zum Verkauf stand, ließ die Herzen der Sammler höher schlagen.

Der Wert wird auf 30.000 bis 160.000 Euro geschätzt; nach Aachen reiste sie, nachdem ein vierstelliger Eurobetrag nach Frankreich überwiesen worden ist. Noch befindet sie sich in Privatbesitz, angestrebt ist aber, dass der Kulturbetrieb die Münze für die Stadt Aachen erwirbt.

 Die Rückseite der Minimünze: Zu sehen ist eine Tempeldarstellung mit Kreuz und der Devise „Christiana religio“.
Die Rückseite der Minimünze: Zu sehen ist eine Tempeldarstellung mit Kreuz und der Devise „Christiana religio“. Foto: Stadt Aachen

Und was macht Pohle so sicher, eine echte Münze und nicht irgendeine Nachbildung in Händen zu halten? Da sind die Experten natürlich nach wissenschaftlichen Kriterien vorgegangen: Material, Art des Stempels, Größe, Gewicht – alles stimmt mit den bekannten echten Silbermünzen aus dieser Reihe überein. Pohle: „Die Münze ist echt, hundertprozentig.“

Entstanden ist der Karlsdenar vermutlich in der Zeit nach der Krönung Ludwigs des Frommen zum Mitkaiser im September 813 bis zum Tode Karls des Großen im Januar 814. Der kurze Zeitraum erklärt, warum nur so wenige dieser Exemplare erhalten sind. Die vermutlich ebenfalls im September 813 startende Serie von Porträtdenaren Ludwigs des Frommen ist in weitaus größerer Auflage  – man vermutet rund 4000 –  hergestellt worden.

Der Aachener Karlsdenar zeigt auf der Vorderseite neben der Kaisertitulatur ein Brustbild Karls in antikischem Gewand. Rückseitig ist eine Tempeldarstellung mit Kreuz und der Devise „Christiana religio“ zu sehen.

Der Aachen-Bezug ist aber nicht nur durch das Motiv gegeben, erläutert Pohle. Als gesichert gilt, dass diese Karlsdenare auch in Aachen hergestellt wurden. Wahrscheinlich hat die  damalige karolingische Münzwerkstatt das Geld aber nicht zum schnöden allgemeinen Gebrauch geprägt, sondern in geringer Auflage zum Beispiel als Geschenk Karls für treue Untergebene.
Die Vitrine für die Münze im Centre ist vorbereitet, die Sensation kann in Kürze im Museum am Aachener Katschhof bestaunt werden.

 Spricht von einer Sensation: Frank Pohle, Leiter des Museums Centre Charlemagne in Aachen.
Spricht von einer Sensation: Frank Pohle, Leiter des Museums Centre Charlemagne in Aachen. Foto: MHA/Marc Heckert