Aachen: Warnstreik: Am Donnerstag rollt die erste Welle

Aachen: Warnstreik: Am Donnerstag rollt die erste Welle

Im kommunalen Kessel soll der Druck ab Donnerstag gewaltig steigen - und vielen der rund 4600 Mitarbeiter in der Verwaltung ist der Kragen längst geplatzt.

Sagt Marc Topp, Vorsitzender des städtischen Personalrats. Der Mann sitzt nicht nur an der Basis, sondern als Verdi-Vertreter mit am Tisch beim aktuellen Tarifpoker mit Innenminister Thomas de Maiziére in Potsdam.

„Auch die Beschäftigten hier in Aachen sind empört, dass die Arbeitgeber die Dreistigkeit besitzen, eine Nullrunde für den öffentlichen Dienst vorzuschlagen”, zürnt Topp. „Mit dem Warnstreik am Donnerstag setzen wir ein erstes Zeichen, dass wir uns das nicht bieten lassen.”

Darauf wird er die Kollegen mit einiger Sicherheit auch bei der ersten großen Kundgebung ab 9.30 Uhr auf dem Willy-Brandt-Platz einschwören. „Wir erwarten 500 bis 700 Teilnehmer”, schätzt Verdi-Geschäftsführerin Corinna Groß. „Und anschließend werden die Leute garantiert nicht an ihre Arbeitsplätze zurückkehren.”

Dennoch wandeln selbst die Gewerkschafter derzeit noch auf dem schmalen Grat „zwischen mild und wild”, bekennt Groß. „Wir werden klar signalisieren, dass wir uns notfalls auf einen längeren Arbeitskampf einstellen. Allerdings schwanke ich zwischen Hoffen und Bangen, was die Fortsetzung der Gespräche ab 11. Februar in Potsdam betrifft.”

Wie schmerzhaft der erste Warnschuss in Sachen Ausstand die Bürger tatsächlich treffen wird, blieb daher am Mittwoch ziemlich unklar. „Wir wissen nicht, was konkret auf uns zukommt”, erklärte Björn Gürtler vom städtischen Pressebüro. Corinna Groß sagte der AZ allerdings, dass unter anderem 20 Kindertagesstätten von den Streiks betroffen sind.

„Es kann sein, dass einzelne Häuser dicht bleiben.” Zwar habe man die Eltern bereits im vergangenen Sommer beim zähen Ringen um „strukturelle Fragen der Eingruppierung” auf eine harte Geduldsprobe gestellt. „Diesmal geht es aber um die grundsätzliche Tarifgestaltung. Und wir haben dazugelernt. Betroffene sind von uns darüber informiert worden, wo größere Aktionen stattfinden.” Gürtler appellierte seinerseits an potenzielle „Streikopfer”, kurzfristig per Telefon in den Kitas nachzufragen. „Im äußersten Notfall steht unsere zentrale Rufnummer 432-0 zur Verfügung”, sagte er.

OB Marcel Philipp glaubt nicht, dass die Aktion zu größerem Chaos führen könnte: „Es geht ja erst einmal darum, Aufmerksamkeit zu erzielen. Das ist legitim. Aber mit diesem eintägigen Warnstreik wird die Verwaltung sicher nicht aus den Angeln gehoben.” Ob das am Ende auch für die Auswirkungen des Tarifkampfes aufs rasant schrumpelnde Stadtsäckel gilt, bleibt abzuwarten. „Überschlägig kann man sagen, dass die Stadt für jedes Prozent Mehrkosten beim Personal rund zwei Millionen Euro aufbringen muss”, weiß Gürtler. Sollten die Gewerkschaften ihre Forderung von fünf Prozent in Potsdam durchsetzen, schlüge dies also mit runden zehn Millionen Euro per Anno zu Buche.

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