Tragikomische Bühnenposse: Wall Street Theatre feiert 25-jähriges Bühnenjubiläum

Tragikomische Bühnenposse : Wall Street Theatre feiert 25-jähriges Bühnenjubiläum

Kein Seemannsgarn — auch wenn man‘s kaum glauben mag: Inzwischen stolpern die Herren Schröder und Schultze, alias Andreas Wiegels und Christian Klömpken, noch besser bekannt als Wall Street Theatre, seit 25 Jahren im geschniegelten Outfit der vermeintlich „very british“ Gentlemen über die schwankenden Planken, die die Comedy-Welt bedeuten.

Anlass genug für die beiden exzentrischen Wahlbriten, welche die Karriereleiter in Sachen Kleinkunst auf ihre unvergleichlich täppisch-tölpelhafte Art längst weit über den Horizont des Öcher Talkessels hinaus erklommen haben, sich zum silbernen Bühnenjubiläum eine kleine Auszeit zu gönnen. Aber keine Bange: Diese Rechnung in Sachen Relaxen soll nicht einmal fürs Zwerchfell ihrer imposanten Fangemeinde aufgehen.

Denn wenn Schultze und Schröder die Kappertzhölle am 5. und 6. Oktober zur Weltpremiere ihres neuen, rund 90-minütigen Programms in ein schwimmendes Ferienparadies der Extraklasse verwandeln, dann bläst ihnen die steife Brise der peinlichen Überraschungen prompt heftig entgegen. Mit Regisseur Karl-Heinz Helmschrot hat das quirlige Duo nämlich eine nachgerade tragikomische Bühnenposse ausgeheckt.

Unter dem sinnig-sonnigen Titel „All inclusive — an Bord der MS Arthrosa“ entführen Schultze und Schröder ihr Publikum auf (mehr oder weniger) geradem Weg an die gediegenen Gestade des Mittelmeers. Und nicht etwa, wie zunächst geplant, an die schroffen Ufer der schottischen Highlands, weswegen das taufrische Stück anfangs auf den Namen „Schafe tragen keine Karos“ getauft worden war. Wer also bereits stolzer Kartenbesitzer sein sollte, den muss die aktuelle Umbuchung nicht weiter irritieren.

Was für Schröder und Schultze keinesfalls gilt, wie Klömpken verrät. Denn die chaotischen Leichtmatrosen richten schon beim obligatorischen Captain‘s Dinner allerhand Pikant-Blamables an, reichlich gewürzt mit selbstironischem Klamauk und mancher artistischen Beilage.

„Eigentlich hatten die beiden — also wir — gedacht, sie könnten sich abgesehen von einem kleinen Gastspiel zum Auftakt ein paar ruhige Tage auf dem Sonnendeck machen“, erzählt Klömpken. Aber leider (?) läuft der Plan sogleich mächtig aus dem Ruder. Unterm Schiffsschornstein braut sich ein Unwetter nach dem anderen zusammen. Die Herren Entertainer haben vor dem Entern nämlich vergessen, das Kleingedruckte im Vertrag mit Senior Gonzales zu lesen.

Und der stolze Spanier (ebenfalls gespielt von Klömpken), seines Zeichens Unterhaltungschef an Bord der „Arthrosa“, weist durchaus Züge eines waschechten Strafgaleeren-Kommandanten auf. Der grimmige Senior vergattert die gebeutelten Kollegen zu allerlei nervenaufreibenden Nebenjobs, welche eher mit Schwerstarbeit als mit leichter Muse, geschweige denn Muße einhergehen — Schiffschraubenschrubben statt Cocktails & Co inklusive.

„Schließlich zwingt er uns auch noch, Vorträge über die Attraktionen von Athen, Neapel oder Barcelona zu halten, von denen wir natürlich keinen Schimmer haben“, stöhnt Wiegels. Kein Wunder also, dass Schröders und Schultzes Eskapaden ihren Höhepunkt im spektakulären Fluchtversuch per Beiboot finden — der natürlich ebenfalls schiefgeht...

Aber gemach. Am Ende wird alles gut. Denn der geschmeidige indische Steward Raju (alias Wiegels) hilft den verhinderten Urlaubern ebenso aus der Patsche wie zwei kongeniale Schiffsratten, die — in Gestalt von drollig-dreisten Handpuppen — alsbald ihr Herz für die geplagten Antihelden entdecken.

Was auch fürs übrige Bordpersonal namens Publikum gelten dürfte — spätestens, wenn Schröder und Schultze in schwere See gestochen sind...

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