Aachen: Walheim: Neuer Netliner trifft auf große Skepsis

Aachen : Walheim: Neuer Netliner trifft auf große Skepsis

Es lag Spannung in der Luft am Dienstagabend im Jakob-Büchel-Haus in Walheim. Die Aseag hatte zur Informationsveranstaltung über den neuen „NetLiner“ eingeladen. Das Gemeindehaus stieß an seine Kapazitätsgrenzen, so viele waren der Einladung gefolgt.

Marco Blaumann, Betriebsplaner bei der Aseag, hatte mit seinem Vortrag begonnen, da wurde er schon von Zwischenrufen aus dem Publikum unterbrochen. Schnell war klar: Es würde ein langer Abend, an dem sich zwei Fronten gegenüberstanden.

Das Problem lässt sich in etwa so zusammenfassen: Ab dem 10. Dezember soll der Netliner eine Menge Buslinien im Aachener Süden ersetzen. Buchen lässt er sich nur über das Internet oder per Telefon. Die Aseag erhofft sich, unter anderem, Geld einzusparen. Bereiche mit „schwächerer Nachfrage“, wie es der Aachener Süden sei, rechneten sich mit Linienbussen nicht, sagte Hermann Paetz, Betriebsleiter der Aseag. „In der Buslinine 46 sitzen außerhalb der Stoßzeiten oft nur ein bis zwei Fahrgäste. Das ergibt ökologisch wie ökonomisch keinen Sinn.“

Und damit war die Diskussion schon im vollen Gange, denn die betroffenen Bewohner fühlten sich überrumpelt. „Wieso wurden die betroffenen Bürger nicht in den Prozess eingebunden? Und weshalb wurden sie, wo der Netliner einmal beschlossen war, erst so kurzfristig informiert?“, lauteten nur zwei der dutzenden Fragen. Viele hätten sich einen Beteiligungsprozess gewünscht — schließlich seien sie es, die täglich auf den ÖPNV angewiesen sind. Paetz verwies an die Politik: Der Beschluss sei mitunter Sache der Kommunalpolitik gewesen. Die Bezirksvertretung, bei der Bürger ihre Anliegen äußern können, hat bereits am 15. März darüber gesprochen.

Ein weiterer Diskussionspunkt war die zukünftige Anbindung, so fragte eine Anwohnerin: „Müssen Leute aus den umliegenden Dörfern außerhalb der Schulzeiten nun lange Wartezeiten in Kauf nehmen?“ Sie hatte damit einen wunden Punkt getroffen. „Wir haben durch den neuen Fahrplan viele Leistungen kürzen müssen und werden erst sehen, ob wir sie eins zu eins durch den Netliner ersetzen können“, gestand Paetz, versprach aber gleich darauf: „Wenn wir feststellen, dass in der Testphase etwas nicht wie geplant funktioniert, werden wir handeln.“ Wie genau das aussehen würde, ließ er im Unklaren, in Monschau funktioniere dies „zufriedenstellend“.

„In Monschau funktioniert es“

Unmut machte sich ebenfalls breit, als Paetz berichtete, dass zwei Netliner im gesamten Gebiet eingesetzt würden. „Das kann niemals reichen“, protestierte ein Zuhörer. Aseag-Vorstand Michael Carmincke hielt dagegen: „Die Erfahrungen in Monschau zeigen, dass es sehr wohl klappen kann.“

Gleiches gelte für die Besetzung am Telefon. Zwei Leute am Servicetelefon reichten laut Carmincke aus, was viele Bewohner bezweifelten. Am Wochenende sei bisher ausschließlich eine Online-Buchung geplant.

Dass vor allem ältere Menschen, die weder Internetzugang noch Handy besitzen, davon betroffen sind, wurde den Vertretern der Aseag an diesem Abend erst wirklich bewusst. Sie konnten aus Sicht der Betroffenen keine zufriedenstellende Antwort geben. „Jeder, der ein Auto hat, wird aufs Auto umsteigen“, resümierte ein Bewohner nach einem langen Diskussionsabend.