Aachen: Wabe-Radstation: Hunderte Fahrräder kriegen die Kurve

Aachen : Wabe-Radstation: Hunderte Fahrräder kriegen die Kurve

Provisorien halten bekanntlich am längsten. Das erlebte auch die Radstation der Wabe e.V.: Ihre Tore öffnete sie erstmalig im Juni 2008 in der Zollamtstraße, unweit des Hauptbahnhofs. Eigentlich nur so lange, bis eine geeignetere Unterkunft gefunden sei, hieß es von Seiten der Stadt — schließlich sei vor allem der Eingangsbereich des Gebäudes eng und für Radverkehr eher ungeeignet.

Zusätzlich seien in den Räumen der Deutschen Bahn weder Sozialräume noch Heizungen vorhanden. Aus der Übergangslösung wurden dennoch ganze acht Jahre.

Hell und geräumig

Nun aber ist es so weit: Die Radstation ist in eine helle, geräumige Halle in der Bahnhofstraße 22 umgezogen, rund 150 Meter entfernt vom vorherigen Standort. Das alte Gebäude in der Zollamtstraße weicht einem großangelegten Bauvorhaben, dem Bluegate-Projekt zwischen Hauptbahnhof und Burtscheider Brücke. Allerdings ist die Halle im Hinterhof des Gebäudes in der Bahnhofstraße wieder keine finale Lösung: „Die endgültige Radstation mit passenden Räumlichkeiten wird neben Wohnungen und Bürogebäuden im Bluegate-Komplex entstehen“, erklärt Niels-Christian Schaffert, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen der Stadt.

Die Radstation ist eine Einrichtung der Wabe, in der sowohl tagsüber als auch nachts Fahrräder sicher und trocken untergestellt werden können. Durch die Zusammenarbeit mit der Fahrradwerkstatt der Wabe, die jetzt ebenfalls in der Bahnhofstraße 22 zu finden ist, können die Räder dort auch repariert und gepflegt werden. „Die Radstation gehört zu unseren zentralen Beschäftigungsgebieten“, sagt Alois Poquett, Geschäftsführer der Wabe, „neben dem wichtigen Umweltgedanken, der hinter dem Fahrrad steht, ist vor allem der soziale Aspekt für uns wichtig.“

Rund 40 Menschen, etwa Langzeitarbeitlose oder Menschen, die sich krankheitsbedingt nur wenige Stunden am Tag betätigen können, arbeiten im Rahmen von Eingliederungsmaßnahmen in Radstation und Fahrradwerkstatt, hinzu kommen zwölf Geflüchtete mit Bleiberecht.

„Die Menschen stehen hier in direktem Kontakt zu den Kunden, sie bekommen Lob und Kritik für ihre Arbeit. So ein Austausch ist sehr wichtig“, so Poquett. Betreut und begleitet werden die Fahrradexperten von Sozialarbeiterin Ulrike Wichert, die sie beispielsweise bei der Wohnungssuche oder der Rentenbeantragung unterstützt. Auch sie bezeichnet die Fahrradstation und -werkstatt als ein sehr sinnvolles Projekt, das nun noch nachhaltiger geworden ist: „Die Asylberechtigten, die jetzt hier aktiv sind, sorgen dafür, dass auf beiden Seiten Vorurteile abgebaut werden.“

Gemeinsames Arbeiten sei für Integration sehr zielführend. Offiziell 158 Stellplätze gibt es in der Radstation aktuell, allerdings sei der Bedarf viel größer: Es werde regelrecht „Tetris gespielt“, um täglich rund 200 Fahrräder unterzustellen, heißt es. „Die Radstation platzt aus allen Nähten.“ Die neue und endgültige Radstation, die im Bluegate-Komplex entstehen soll, sei aber für die steigende Nachfrage gewappnet: „Wir planen rund 400 gut erreichbare Stellplätze“, so Schaffert.

Wann die neue Radstation fertig ist, kann er nicht sicher sagen: „Nach der Sommerpause sollte das Baurecht vorliegen“, so Schaffert, danach könne es direkt mit den Abriss- und Neubauarbeiten losgehen. Optimal wäre eine Bauzeit von zwei bis drei Jahren bis zur Fertigstellung. „Solange diese zweite provisorische Unterkunft für einen kürzeren Zeitraum ist als die erste in der Zollamtstraße, ist das völlig in Ordnung“, meint Poquett. Und das wird wohl zu schaffen sein, sagt er optimistisch — schließlich blieben da noch ganze acht Jahre Zeit.

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