Aachen: Vorweihnachtszeit: Stadt stemmt sich gegen Blechlawine

Aachen: Vorweihnachtszeit: Stadt stemmt sich gegen Blechlawine

Wer am vergangenen Samstag mit dem Auto in der Aachener Innenstadt unterwegs war, hat schon einen kleinen Vorgeschmack bekommen, was Autofahrern in den Wochen — und speziell an den Wochenenden — bis Heiligabend blüht.

„Ich kann mich nicht erinnern, dass zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts einmal solch ein Verkehr in der Stadt herrschte“, sagt Michael Günter. Und der Mann muss es wissen. Seit mehr als 20 Jahren ist der Leiter der Aachener Verkehrskadetten schließlich vor Weihnachten im Einsatz, um das Blech in halbwegs erträgliche Bahnen zu lenken. In diesem Jahr leitet er ein 25-köpfiges Team an, das im Notfall auch Verkehrssperrungen — etwa an den Parkhauszufahrten — vornimmt. Zum Auftakt am vergangenen Samstag hatten seine Leute da bereits „alle Hände voll zu tun“, sagt Günter: „Da waren alle Parkhäuser in der Innenstadt schon ziemlich früh dicht.“

Die Kadetten sind ein kleiner Baustein in dem Konzept, mit dem die Stadt, die Aseag und die Apag sich in Zusammenarbeit mit dem Märkte und Aktionskreis City (MAC) Jahr für Jahr der Blechlawine entgegenstemmen. „Wir sind gewappnet“, sagt Heike Ernst, die Leiterin der städtischen Abteilung Straßenverkehr und Sondernutzungen, zwar tapfer. Aber angesichts von 1,5 Millionen Gästen, die alleine auf dem Aachener Weihnachtsmarkt erwartet werden, appelliert sie trotzdem eindringlich an alle Besucher, „das Auto besser zu Hause zu lassen, wenn es denn irgendwie geht“. Und stattdessen „entspannt in die City“ zu kommen, wie es der diesjährige Slogan nahelegt.

Die Aseag richtet sich jedenfalls auf viele zusätzliche Kunden ein. An jedem Samstag vor Weihnachten rechnet man mit rund 200.000 Fahrgästen, was einem Zuwachs von 35 Prozent entspricht. „An diesen Tagen haben wir 120 Busse mehr im Einsatz“, sagt Aseag-Sprecher Paul Heesel. Außerdem werde man auf etlichen Linien kleinere Busse durch Gelenk- und Doppelgelenkfahrzeuge ersetzen, um die Kapazitäten zu erhöhen.

Auf möglichst viele Umsteiger hoffen Stadt, Aseag und Apag an den vier Park & Ride-Parkplätzen am Stadtrand, wo die Stadt in den vergangenen Jahren eine deutlich gestiegene Frequenz registriert, wie Barbara Kirchbrücher vom städtischen Verkehrsmanagement betont (siehe Infobox). Wer doch mit dem Auto bis in die City fährt, sorgt mit dafür, dass dort die Parkhäuser zumindest an den Samstagen schnell dicht sein werden und sich an etlichen Ecken der Verkehr staut. An solchen „brisanten Stellen“ — neben den Parkhauszufahrten gehören dazu der Hansemannplatz, die Peterstraße und die Heinrichsallee — habe man bereits Absperrmaterial deponiert, sagt Heike Ernst. Und neben den Verkehrskadetten versorgen auch 20 Apag-Hostessen die Autofahrer mit Infos darüber, wo es noch einen freien Platz fürs Blech geben könnte.

Apag-Geschäftsführer Herbert Sliwinski hat diesbezüglich im Übrigen ganz generell einen heißen Tipp parat: das Parkhaus am Hauptbahnhof. „Es ist jedes Jahr wieder erstaunlich, dass es dort selbst an den Samstagen vor Weihnachten noch hunderte freie Plätze gibt“, wundert er sich und bietet dort in diesem Jahr ein ganz spezielles Park & Ride-Ticket an: „Mit dem Parkticket können fünf Personen vom Hauptbahnhof aus per Bus in die Innenstadt und wieder zurück fahren.“

Dass mit dem Konzept in den nächsten Wochen alles klappt und der ganz große Verkehrsinfarkt ausbleibt, darauf setzt derweil MAC-Geschäftsführer Manfred Piana — schließlich streicht der Einzelhandel in der Vorweihnachtszeit je nach Branche bis zu 30 Prozent des Jahresumsatzes ein. „Die Erreichbarkeit ist sehr wichtig“, sagt er und appelliert ebenfalls an die Kunden, den ÖPNV zu nutzen. Schließlich sei ein Autofahrer, der keinen Parkplatz findet und entnervt wieder umkehrt, die „schlechteste Werbung, die man machen kann“.

Park & Ride-System: Noch kein Renner, aber das Interesse nimmt deutlich zu

Für fünf Euro können bis zu fünf Personen von den Park & Ride-Parkplätzen am Waldfriedhof, Westfriedhof, im Tivoli-Parkhaus und an der Jülicher Straße in die Innenstadt und wieder zurück mit dem Bus fahren.

Laut Stadt ist das Interesse an diesem Service zuletzt deutlich gestiegen. Verkaufte man 2013 nur 1900 P&R-Tickets, waren es 2014 bereits 5600 und 2015 rund 8400, davon alleine 3300 im Dezember. Im Schnitt waren das pro Tag in der Vorweihnachtszeit gut 150 Tickets — angesichts von 1600 P&R-Parkplätzen ist das System also noch nicht der ganz große Renner.

Mit einer Gratis-Aktion will die Stadt die Nachfrage deshalb nun weiter anheizen. Am Samstag, 3. Dezember, sollen die ersten 400 Autofahrer das Park & Ride-Ticket umsonst erhalten.