Aachen: Vortrag: Büchel braucht keine „protzigen Großbauten“

Aachen: Vortrag: Büchel braucht keine „protzigen Großbauten“

Was soll aus dem Büchel werden? Viele Ideen hatte es in der Vergangenheit gegeben, um das heruntergekommene Parkhaus aus den 1960er-Jahren zu ersetzen: Vom Hotel über Gewerbe bis hin zu einer Markthalle nach französischem Vorbild ist vieles in der Vergangenheit diskutiert, aber nichts umgesetzt worden.

Die Zukunft des Viertels war Thema eines Vortrages des Regionalverbands Euregio des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, der in die Räume des vis-a-vis gelegenen Vereins Aachen-Fenster geladen hatte.

Referent Lutz-Henning Meyer, langjähriger Leiter des Aachener Amtes für Denkmalschutz, nahm sich des Themas aus der Sicht des Denkmalschutzes an. Er stellte ein Fachgutachten vor, dass der Arbeitskreis Denkmalpflege unter seiner Federführung gemeinsam mit Bauhistorikerin Prof. em. Ingeborg Schild für das Viertel erarbeitet hatte. Das Gutachten ist inzwischen in den Wettbewerb zur städtebaulichen Planung für das Viertel aufgenommen worden.

Das Viertel zwischen Nikolauskirche und Elisenbrunnen sei ein altes Aachener Viertel mit einer vielfältigen Geschichte, die man sich bewusst machen müsse, wenn hier sinnvolle Bebauungskonzepte greifen sollen, eröffnete Meyer seinen Vortrag. Im Mittelalter siedelten sich dort Zünfte an, vor allem aus dem Textilgewerbe. Später entwickelte sich das Viertel aufgrund der Nähe zu den heißen Quellen zu einem noblen Kur- und Bäderviertel, erste Wohnadresse für betuchte Aachener Bürger und für Kurgäste. Von dieser Pracht ist nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges nichts geblieben. Konzepte zum Wiederaufbau des Viertels wurden nie realisiert, Zweckbauten prägen heute das Bild zwischen Großkölnstraße und Büchel.

Ein Luftbild verdeutlichte den Besuchern, wie krass der Gegensatz zum Viertel rund um Dom und Rathaus ausfällt: Der Parkhausbau und das „Lust for Life“-Gebäude dominieren die Ansicht und offenbaren die planerische Vernachlässigung des Viertels. „Wenn ich als interessierter Tourist, der einen Besuch in Aachen plant, auf dieses Bild stoße, frage ich mich doch, ob ich da hin muss“, erläuterte Meyer. Altes wiederaufzubauen sei schwer möglich, das räumte auch Meyer ein. Aber er plädierte für eine „Aachener Lösung“, mit kleinteiligen Bebauungen, die sich in das historische Stadtbild einfügen, statt weiteren protzigen Großbauten.

„Das Einmalige an Aachens Innenstadt war immer, dass sie belebt war“, betonte Meyer. Das solle auch bei zukünftigen Planungen berücksichtigt werden. Dies sei, so eine Besucherin, wohl inzwischen auch bei Politik und Verwaltung so angekommen. Wie lange sich die Planungen allerdings hinziehen und wann mit konkreten Schritten zu rechnen sei, was die Aachener selbst überhaupt an dieser Stelle sehen möchten, bewegte die Besucher in der anschließenden Diskussion. „Das sind doch Konzepte, die wieder auf 50 Jahre angelegt sind, da passiert nichts“, meinte ein Besucher resigniert.

Mit einem derartig pessimistischen Gefühl wollte Meyer den Abend indes nicht enden lassen: „Aachen hat Zukunft, dafür lohnt es sich, etwas zu tun.“ Diesen positiven Gedanken fügte Hans-Heinrich Garbe vom Vorstand des Rheinischen Vereins hinzu: „Wenn hochwertiger Wohnraum geschaffen wird, kommt auch der Einzelhandel wieder zurück.“

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