Bericht der Unfallkommission: Vorfahrt für mehr Verkehrssicherheit

Bericht der Unfallkommission : Vorfahrt für mehr Verkehrssicherheit

Mitunter geht es dann sehr schnell: Nach dem schrecklichen Unfall am Hansemannplatz, bei dem eine Radfahrerin von einem Bus überrollt und tödlich verletzt wurde, wurde der dortige markierte Radfahrstreifen in die Kreuzung verlängert, um optisch noch mehr zu unterstreichen, dass größte Obacht auf Zweiradfahrer zu legen ist.

Grundlage der Maßnahme war eine Untersuchung der Unfallkommission. Die prüft regelmäßig, wo Veränderungen in der Verkehrsführung angezeigt sind, um Unfälle künftig zu vermeiden. Derzeit liegt der Politik wieder ein ganzer Maßnahmenkatalog der Experten von Verwaltung und Polizei zur Begutachtung vor. Aufgelistet sind Unfälle, die sich größtenteils von Mai 2017 bis Mai 2018 ereignet haben. Es geht häufig um sogenannte Abbiegeunfälle, an denen Radfahrer und Fußgänger in Mitleidenschaft gezogen werden. Schlechte Sicht, fehlende oder unzureichende Markierung, falsche Ampelschaltung sind in vielen Fällen Ursachen für die Unfälle.

Friedrich-Wilhelm-Platz: Acht Unfälle haben die Kommission beschäftigt. Ein Appell ergeht auch an Bus-Fahrer, Vorsicht walten zu lassen. Foto: Michael Jaspers

Die Unfallkommission überprüft regelmäßig, wie sich die Verkehrssituation entwickelt, welche Maßnahmen greifen, welche nicht. Und sie gibt Handlungsanweisungen. „Wann die einzelnen Maßnahmen dann an der Reihe sind, kann man nicht in jedem Fall sagen“, so Harald Beckers vom städtischen Presseamt. Fest steht: Gehandelt wird auf jeden Fall. Und wenn es die Situation erfordert — siehe Hansemannplatz — auch sehr zügig. Hier ein Überblick über Unfallbrennpunkte und mögliche Lösungsansätze, die in der Bezirksvertretung Mitte in der kommenden Woche sowie im Verkehrsausschuss im September diskutiert werden.

Hansemannplatz: Ein längerer markierter Radfahrstreifen war Sofortmaßnahme nach dem tödlichen Unfall vom April 2017. Foto: Michael Jaspers

Heinrichsallee zwischen Hansemannplatz und Stiftstraße: Ein Unfallbrennpunkt, der aber verschiedene Ursachen hat. Problematisch ist unter anderem die Überquerung der Busspur in Höhe Maxstraße/Promenadenstraße. Zusätzliche Beschilderung könne hier Abhilfe schaffen, argumentiert die Unfallkommission. Die Kommission sieht aber auch die Notwendigkeit, auf mehr Rücksicht seitens der Busfahrer zu drängen.

Laurensberg: Bessere Markierung für sicheren Radverkehr ist eine der Maßnahmen, die die Unfallkommission empfiehlt. Foto: Michael Jaspers

Hansemannplatz: Die Unfallkommission hat festgehalten, dass diese Großkreuzung generell schlecht beleuchtet ist. Da Maßnahmen zur Unfallvermeidung oberste Priorität haben, wird die Stawag gebeten, leistungsfähigere und teilweise deutlich größere Lampen/Laternen zu installieren.

Heinrichsallee: Ein Unfallbrennpunkt ist auch wegen der kreuzenden Fußgänger an der Max- und Promenadenstraße. Foto: Michael Jaspers

Turmstraße/Pontwall/Wüllnerstraße: Unfälle mit abbiegenden Radfahrern und mit Fußgängern werden auch dort in einer Vielzahl der Fälle auf eine nicht ausreichende Beleuchtung zurückgeführt, da sich die Unfälle meist in der Dämmerung ereignet haben. Der Auftrag an die Stawag lautet, die Anlagen entsprechend nachzurüsten.

Wilhelmstraße/Theaterstraße/Zollernstraße: Aktenkundig sind mehrere Unfälle mit querenden Radfahrern an der Ecke Kurbrunnenstraße/Zollernstraße und mit Fußgängern an den Ecken Zol-lernstraße/Wilhelmstraße und Wilhelmstraße/Theaterstraße. Aus der Zollernstraße sind die an der Wilhelmstraße wartenden Fußgänger wegen der Häuserecke sehr spät zu erkennen, heißt es. Andere Ampelschaltungen — zum Beispiel ein gelbes Blinksignal für die abbiegenden Autofahrer — sollen hier mehr Sicherheit bewirken. Insgesamt wurde die Kreuzung signaltechnisch überplant. Auch von einer neuen Markierung der Fußgängerfurten verspricht sich die Unfallkommission eine deutliche Verbesserung der Situation.

Friedrich-Wilhelm-Platz/Hartmannstraße: Acht Verkehrsunfälle haben die Kommission beschäftigt. In vier Fällen wurde das Rotlicht der Lichtzeichenanlage durch Fußgänger bzw. einen Radfahrer missachtet. Es wird vorgeschlagen, eine zusätzliche Querungsstelle bzw. die Anlage einer Mittelinsel in der Fahrbahn zu schaffen. Allerdings ist der Raum für eine Mittelinsel dort sehr begrenzt, so dass unter Umständen ein Überholen der Busse nicht mehr möglich wäre, heißt es in der Stellungnahme der Verwaltung. Wie schon beim Unfallschwerpunkt Heinrichs-allee regt die Kommission auch in Sachen Elisenbrunnen an, mit der Aseag Kontakt aufzunehmen, um auch die Busfahrer für die Gefahrenstellen zu sensibilisieren.

Wüllnerstraße/Marienbongard: Sieben Verkehrsunfälle haben sich im Untersuchungszeitraum ereignet, vier davon im Bereich der Ein- bzw. Ausfahrt zum Parkplatz der RWTH. Laut Unfallkommission soll geprüft werden, ob eine Schließung der Einfahrt die Situation entschärft. Und mitunter können es auch ganz einfache Maßnahmen sein, die Unfallrisiken minimieren: Das dortige Grün solle regelmäßig so weit zurückgeschnitten werden, dass die Sichtbehinderungen für alle Verkehrsteilnehmer beseitigt werden.

Junkerstraße/Vaalser Straße: Mehrere Unfälle haben sich an der Kreuzung ereignet, deren Ursache auf Anhieb nicht eindeutig nachvollziehbar ist. Wer ist bei Rot gefahren, wer noch bei Gelb oder Grün? Die Kommission spricht sich daher dafür aus, die Signalschaltung vor allem darauf zu überprüfen, ob die Kreuzung schnell genug vom abbiegenden Verkehr verlassen werden kann.

Jülicher Straße zwischen Passstraße und Thomashofstraße: Der Streckenabschnitt hat die Unfallkommission und die Ausschüsse schon mehrfach beschäftigt. Es geht in erster Linie um Unfälle mit Radfahrern durch geöffnete Türen parkender Pkw. Eine neue Aufteilung der Flächen — Gehweg, Parkstreifen, Radstreifen — zugunsten der Radfahrer gilt als die beste Lösung. Da für 2019 ohnehin eine komplette Deckenerneuerung der Jülicher Straße in diesem Bereich geplant ist, sollen dann die neuen Querschnitte aufgetragen werden.

Roermonder Straße/Rathausstraße/Schlossparkstraße: Nach mehreren Unfällen war eine komplette Überprüfung der Ampelanlage beschlossen worden. Die ist jetzt abgeschlossen. Fußgänger sollen früher Grün bekommen, für Radfahrer werden verlängerte Radfahrstreifen markiert. Die Bezirksvertretung Laurensberg hat im Juli die Verwaltung beauftragt zu prüfen, ob an den Ampeln Aufstellflächen für Radfahrer markiert werden können.

Jülicher Straße/Lombardenstraße/Dennewartstraße: Drei Unfälle ereigneten sich bei der Ausfahrt von Pkw aus der Kapuzinergasse, weil die Sichtbeziehung zwischen den Fahrzeugführern und den von links kommenden Radfahrern durch Schalt- bzw. Stromkästen deutlich eingeschränkt ist. Aufgrund der Sichteinschränkungen wurde bereits in der Vergangenheit gegenüber der Einfahrt zur Kapuzinergasse ein Verkehrsspiegel installiert. Die Verwaltung will die dortige Situation noch einmal überprüfen.

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