Aachen: Vor dem Pius-Gymnasium: Neue Bordsteinkante liegt voll daneben

Aachen: Vor dem Pius-Gymnasium: Neue Bordsteinkante liegt voll daneben

An der Eupener Straße gibt es jetzt die — wahrscheinlich — längste Bushaltestelle der Welt. Zumindest dürfte dort der längste und einsamste Haltebordstein in Aachen liegen. Das Bauwerk ist brandneu und lässt Anwohner an Sinn und Verstand der städtischen Verkehrsplaner zweifeln.

Warum? „Weil an der Stelle gar keine Bushaltestelle ist. Die liegt zig Meter weiter in der Nähe des Haupteingangs zum Pius-Gymnasium“, erklärt Thomas Obertreis. Der Anwohner und Inhaber eines Blumengeschäfts auf der gegenüberliegenden Straßenseite schüttelt den Kopf. „Da wo jetzt der Bürgersteig verbreitert und nach vorne gebaut wurde, hält überhaupt kein Bus. Und da läuft auch kein Schüler entlang; das ist komplett überflüssig“, sagt er.

Haltestelle Goldbachstraße: Hier geht‘s nur Richtung Belgien per Bus — an verlängerter Bordsteinkante. Foto: Robert Esser

Der kostspielige Umbau verschlingt aber nicht nur Geld, sondern auch Parkraum. „Drei Parkplätze sind verloren gegangen. Und dies ohne irgendeinen Nutzen“, kritisiert der Einzelhändler. „Ich verstehe nicht, warum man uns Anwohner vor solch einem Umbau nicht ein einziges Mal um unsere Einschätzung gebeten hat. Wir wurden nicht gefragt. Dieser Unfug hätte doch verhindert werden können“, ärgert sich Obertreis.

Gefragt wurde nicht einmal das anliegende Pius-Gymnasium, wie dessen Sekretariat am Montag auf AZ-Anfrage bestätigte — obwohl es der Stadt angeblich nur um die Sicherheit der Schüler ging, die dort an der Haltestelle Goldbachstraße unterwegs sind. Fakt ist: Dort fahren lediglich die wenigen Schüler mit dem Bus ab, die sich mit der Linie 14 Richtung Eupen in Belgien transportieren lassen — ein verschwindend geringer Teil der busfahrenden Schüler, die zumeist Richtung Innenstadt fahren — und zwar von den Haltestellen Gisela-straße oder Salierallee.

Die Stadt erklärt die augenscheinlich riesige Laderampe hinter der Bushaltestelle Goldbachstraße an der Eupener Straße so: In den Sommerferien seien neue Fahrradschutzstreifen entlang der frisch sanierten Eupener Straße aufgebracht worden — was auch die Anwohner ausdrücklich loben. Dabei habe man dann — so erklärt es das Presseamt der Stadt — den Gehweg auf der Pius-Seite hinter der Bushaltestelle Goldbachstraße aus Kostengründen in der Breite nicht verändert, „aber aufgeschultertes Parken erlaubt“.

Bloß: „Im Schuleingangsbereich soll aber aus Gründen der Sicherheit der Platz von parkenden Autos freigehalten werden (bessere Übersichtlichkeit), daher werden dort Fahrradbügel installiert, die das Parken verhindern sollen und gleichzeitig von radfahrenden Schülern genutzt werden können“, teilt die Stadt auf AZ-Anfrage mit.

Mit anderen Worten: Es wurden Parkplätze gebaut, die aber keine sein dürfen und nun als Radabstellplätze dienen für Schüler, die mit dem Bus zur Schule kommen. „Das macht doch gar keinen Sinn“, sagt Blumenhändler Obertreis. Zumal das Pius-Gymnsaium selbstverständlich schon aus Sicherheitsgründen über eigene Fahrradkeller auf dem Schulgelände verfügt.

Das Presseamt indes verweist auf ziemlich eindeutige Beschlüsse aus dem Mobilitätsausschuss der Stadt. Die Sache sei einstimmig bei einer Enthaltung beschlossen worden — vor allem auf Wunsch der „AG Radverkehr“.

Übrigens: Das längste Fahrzeug der Aseag-Flotte — von Öchern liebevoll „Long Wajong“ getauft — ist 24,78 Meter lang. Der gesamte Bordstein von der Bushaltestelle über die „Sicherheitszone“ bis zum ersten Parkplatz misst 50 Meter. Aber der „Long Wajong“ rollt auf der Eupener Straße natürlich gar nicht — dafür gibt es hier viel zu wenige Fahrgäste Richtung Belgien.

Die Stadt hofft nun, dass die — zumindest umstrittene — neue Gehweggestaltung dazu führt, dass weniger Eltern dort halten, um ihre Kinder unmittelbar vor dem Schultor aus- und einsteigen zu lassen. Eine Stichprobe Montagmittag zeigte allerdings, dass auch dieser fromme Wunsch unerfüllt bleibt.

Jetzt wird eben an der — wahrscheinlich — längsten Einzelbushaltestelle der Welt gehalten. Platz genug ist dank der Verbreiterung ja da, nur nicht mehr für reguläre Parkplatzsucher.