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Aachen: Vor dem nächsten Spiel: Wer zuschauen darf. Und was das Orakel sagt

Aachen : Vor dem nächsten Spiel: Wer zuschauen darf. Und was das Orakel sagt

Für Pepi ist die Sache sozusagen gegessen. Im wahren Wortsinn. Und in Karottenform. Allerdings: Auch Coca reklamiert den Sieg für sich. Ein Fall für den Videoschiedsrichter? Beim WM-Orakel des ALRV und der AZ in Sachen Deutschland gegen Südkorea geht es dieses Mal ausgesprochen knapp zu. Unentschieden sind vor allem die Beobachter des Pony-Rennens auf dem CHIO-Gelände.

Ein Orakel ohne Orakel — die Wahrheit liegt auf dem Platz. Auch am Mittwoch. Ab 16 Uhr. Womit wir beim Thema wären. Und bei der Definition des Fußballbegriffs „Arbeitssieg“. Der kann nämlich ganz unterschiedlich interpretiert werden.

Frischgebackene Fußballfans: (v.l.) Tanja Braun, Yvonne Zimmermann und Josefine Kumar gehören zu den vielen Moss-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die heute ab 15 Uhr wegen des WM-Spiels frei bekommen. Foto: Robert Esser

Ein Beispiel: Tanja Braun, Yvonne Zimmermann und Josefine Kumar schauen am Mittwoch Fußball. Was an sich nichts Besonderes ist, Fußball schauen am Mittwoch auch Millionen andere. Nur: Die drei Damen — von Beruf Bäckereifachverkäuferin — müssten um 16 Uhr eigentlich arbeiten. In der Moss-Filiale an der Dresdener Straße. Müssten eigentlich. Aber erstmals in der Firmengeschichte des Aachener Unternehmens schließen fast alle Filialen — rund 40 an der Zahl — am Mittwoch um 15 Uhr, um den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen (hoffentlich) reinstes Fußballvergnügen zu ermöglichen.

Würden ihren Arbeitsplatz nie verlassen: (v.l.) Michael Müllejans, Ralf Ploum und Christopher Dohms genießen ihre Arbeitszeit bei „Radio Ring“. Das Trio verkauft Fernseher und schaut Ultra HD auf rund 100 Zoll. Foto: Robert Esser

Um 16 Uhr stößt Deutschland bei der Fußball-WM gegen Südkorea an. Zig Millionen Deutsche wollen vor der Mattscheibe mitfiebern. „Das ist für uns auch eine Frage des Teamgeists“, begründet Moss-Marketingchefin Fee Damm die doch eher ungewöhnliche Aktion. Und hofft, dass die Kunden die Fußballbegeisterung der Moss-Familie mit großem Wohlwollen begleiten. Und was ist mit den Kolleginnen und Kollegen von Moss, die frei haben, sich aber nicht für Fußball interessieren? Klare Antwort von Fee Damm. „Die haben frei.“ Feine Sache!

Ralf Ploum, Michael Müllejans und Christopher Dohms schauen am Mittwoch auch Fußball. Wie die Menschen von Moss. Der Unterschied: Sie tun das während der Arbeitszeit. Sie kämen nicht im Traum auf die Idee, ihren Arbeitsplatz zu verlassen. Niemals. Das Trio arbeitet bei „Radio Ring“, und da gehören TV-Bildschirme mit bewegtem Bild quasi zum Verkaufsgespräch dazu. Hier sieht der Arbeitssieg so aus: „Satelliten-Anschluss, Ultra HD, über 100 Zoll — besseren Fußballgenuss auf größeren Screens mit mehr Schärfe als hier kann es gar nicht geben. Und zwar — wenn wir wollen — auf über 40 Fernsehern gleichzeitig“, sagt Ploum, lächelt und strahlt im Verkaufsraum am Löhergraben mit den aufgereihten TV-Geräten um die Wette.

Sperrungen bei Autokorsos

Man darf davon ausgehen, dass es zum „Rudelgucken“ nicht nur an diversen Arbeitsplätzen, im Büro, sondern auch im Kapuziner Karree vor der großen LED-Wand wieder reichlich voll wird. Die Polizei wird — so wie beim jüngsten Deutschlandsieg gegen Schweden — auch die Pontstraße wieder für den Verkehr sperren, falls es entlang der TV-WM-Partymeile zu Siegerpartys und den offenbar unvermeidlichen Autokorsos kommt.

So oder so: WM-Sieg statt Arbeit heißt es für eine knappe Mehrheit. Die Vereinigten Unternehmerverbände (VUV) haben nämlich in ihrer traditionellen „VUV-Montagsfrage“ ihre Mitglieder befragt, ob sie ihrer Belegschaft die Möglichkeit geben, das Spiel live zu verfolgen. Weil am Nachmittag gespielt wird, lassen viele Betriebe Nachsicht walten. Die überwiegende Mehrheit gestattet ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, auch noch kurzfristig Urlaub einzureichen oder Überstunden abzubauen.

Viele Firmen stellen laut VUV-Umfrage Beamer oder Fernseher auf, so dass gemeinsam das Spiel verfolgt werden kann. Allerdings wird diese Zeit in der Regel nicht als Arbeitszeit gewertet. Auch Radio hören oder auf dem Smartphone den Live-Ticker verfolgen, ist bei über der Hälfte der befragten Unternehmen ausnahmsweise gestattet.

Im regionalen Arbeitgeberverband VUV sind über 250 Unternehmen mit mehr als 40.000 Beschäftigten aus Stadt und Städteregion Aachen sowie aus dem Kreis Heinsberg organisiert. Übrigens: Falls sich die deutsche Elf ins Achtelfinale schießt, steht Montag oder Dienstag das nächste Spiel an — wieder während der Arbeitszeit um 16 Uhr. Zum Wiehern, oder?!