Aachen: Vor 2020 passiert am Büchel baulich nichts

Aachen : Vor 2020 passiert am Büchel baulich nichts

Man will ruhig und sachlich miteinander reden. Zusammen nach Lösungen suchen. Möglichst an einem Strang ziehen. Ein Zeichen der Gemeinsamkeit setzen. Und trotzdem wird sich rund um den Büchel in diesem und im nächsten Jahr vor Ort und für die Bürger erkennbar nichts tun. Ein Widerspruch? Nicht unbedingt.

Sondern eher eine realistische Einschätzung des aktuellen Zeitplans für das Großprojekt „Altstadtquartier Büchel“, die Oberbürgermeister Marcel Philipp am Montag gemeinsam mit den maßgeblichen Planungspolitikern der Ratsfraktionen abgegeben hat.

Es gehe eben auch darum, die „hohe Erwartungshaltung in der Bevölkerung etwas zu dämpfen“, erklärte der OB gegenüber der AZ, nachdem er knapp eindreiviertel Stunden mit der Politik an einem Tisch gesessen hatte. Denn: „Es ist eben ein extrem komplexes und kompliziertes Projekt.“ Und da benötige der langwierige Planungsprozess eben noch einige Zeit.

„Sehr gutes Gespräch“

Dass man über dieses eminent wichtige städtebauliche Thema, bei dem der OB als grundsätzlicher Befürworter einer Auslagerung der Bordelle eine ganz andere Position vertritt als die große Mehrheit des Stadtrats, nun wieder miteinander und nicht gegeneinander redet, ist die positive Nachricht zum Jahresbeginn.

Und dies geht, wie Philipp berichtet, vor allem auf das große AZ-Forum zum Stillstand am Büchel im vergangenen November zurück. Dort habe es viele „positive Anknüpfungspunkte“ zum Miteinanderreden gegeben, die man nun aufgegriffen habe — was zu einem „sehr guten Gespräch“ geführt habe. Eine atmosphärische Einschätzung, die aus der Runde beispielsweise Norbert Plum (SPD) und Wilhelm Helg (FDP) uneingeschränkt bestätigen.

Aber auch inhaltlich gab es laut Philipp kaum Differenzen — zumindest nicht in dem Bestreben, das komplizierte Bebauungsplanverfahren gemeinsam voranzutreiben und den Architektenwettbewerb für die Überplanung des maroden Parkhauses am Büchel möglichst bald umzusetzen.

Und da Letzteres in den Händen der beiden Großinvestoren Norbert Hermanns und Gerd Sauren liegt, soll die Verwaltung in dieser Frage auch noch einmal gezielt auf beide zugehen. „Dieser Wettbewerb ist ein ganz wichtiger nächster Schritt“, sagt der OB. Über die Frage des künftigen Standorts der Bordelle, bei der so großer Dissens herrscht, wurde am Montag allerdings nicht gesprochen.

Gesetzliche Herausforderung

Wohl aber darüber, „wir wir künftig in Aachen grundsätzlich mit Prostitution umgehen“, so der OB. Denn das neue Prostituiertenschutzgesetz stellt die Stadt vor ganz neue Herausforderungen — egal ob es nun um meldetechnische Fragen oder den Betrieb von Bordellen geht, um gesundheits- und ordnungspolitische Aspekte oder um bauliche Erfordernisse. „Das hat so viele Konsequenzen, dass wir das auf eine breite Basis stellen müssen“, kündigt Philipp ein umfassendes Konzept an, das man in diesem Jahr erarbeiten wolle — und das aber auch nicht unmittelbar Auswirkungen auf den Bordellstandort haben müsse.

Diese Frage habe man ganz bewusst ans Ende des Prozesses gesetzt, sagt der OB. Mitarbeiten sollen daran im Übrigen möglichst viele Akteure aus Verwaltung und Politik, aber auch Betroffene wie zum Beispiel Vertreter von Solwodi, der Hilfseinrichtung für Prostituierte.

Und während hinter den Kulissen nun zumindest wieder miteinander geredet und geplant wird, hat das marode Parkhaus — der Goldesel unter den Apag-Standorten — quasi eine neue Bestandsgarantie. Das lukrative Weihnachtsgeschäft 2019 kann man sicher noch mitnehmen. Mindestens.