Aachen: Von Schutt, Schienen und (Geld-)Scheinen

Aachen: Von Schutt, Schienen und (Geld-)Scheinen

Wenn es ins neue Jahr geht, stehen gleich in den ersten drei Monaten enorm wichtige Weichenstellungen für die Weiterentwicklung der Stadt auf dem (politischen) Programm.

Eine Auswahl:

Kaiserplatz-Galerie: Das riesige Areal mitten in der Stadt ist nur eine Trümmerlandschaft aus Schutt und Geröll. Die Sorgen, dass das auf über 200 Millionen Euro Investment taxierte Projekt Kaiserplatz-Galerie buchstäblich im Sande verläuft, werden immer größer. Weit fortgeschritten ist nur der Abriss etlicher Gebäude an der Beeckstraße, der Adalbertstraße und dem Adalbertsberg. Ein unhaltbarer Zustand - das ist der einhellige Tenor. Hinter den Kulissen wird weiter verhandelt, um potente Geldgeber ins Boot zu holen. Willensbekundungen gab es schon einige, aber Tinte wurde bislang nicht unter Verträge gesetzt. Die Stadt spricht von Fristen, in denen man Ergebnisse sehen will. Von März ist die Rede. Allein: Was soll werden, wenn die Galerie in der Schublade verschwindet? Wie soll ein Plan B aussehen für die Riesenbrache? Und wo soll dann das ganze Geld herkommen, um den privaten Eigentümern das Gelände abzukaufen? Denn Geld ist hier schon reichlich geflossen - für den Kauf der Häuser und Immobilien und auch für den Abriss. Und wer könnte überhaupt Interesse an einer solchen Fläche haben? Da bleibt nur die Hoffnung, dass die jetzigen Macher in den kommenden Monaten zu Potte kommen.

Campus-Bahn: Die Vision von der Hightech-Tram durch Aachen hat großen Reiz. Schon weil sie in Kombination mit E-Bussen, -Autos, und -Zweirädern ein Meilenstein in Sachen Elektromobilität werden soll. Aber: Woher soll die Stadt die rund 30 Millionen Euro für den Bau eines Betriebshofes, der nicht bezuschusst wird, bekommen? Kann - und will - die Stadt Folgekosten von fünf bis zehn Millionen Euro pro Jahr zusätzlich stemmen? Auf eine solche Größenordnung könnte es nämlich dem Vernehmen nach durchaus herauslaufen. Entscheidungen müssen jedenfalls wegen der Fristen bei den Förderprogrammen schon sehr bald fallen. Hinter den Kulissen wird weiter gerechnet und verhandelt, aber es sieht derzeit wohl nicht gerade gut aus.

Alemannia: Wird die Stadt das sportliche Aushängeschild Aachens vor der drohenden Pleite retten? Die Entscheidung darüber fällt bereits in rund drei Wochen. Auch darüber wird noch kräftig diskutiert. Allerdings eher über das Wie und nicht über das Ob. Politisch gibt es eine klare Mehrheit, die sagt, dass ein Untergang der Alemannia den Steuerzahler teuer zu stehen käme. Jetzt muss nur der passende Modus gefunden werden. Das, so darf man annehmen, wird auch gelingen. Die Stadt kann und darf zwar kein eigenes Geld in die Hand nehmen. Aber es wird einen „Umweg” geben, um der Alemannia die günstigen Zinskonditionen zukommen zu lassen, die Kommunen genießen. Unter dem Strich soll stehen, dass die Belastung, die den Verein unweigerlich erdrückt, gesenkt wird.

Avantis: Im Gegensatz zum Thema Alemannia ist in Sachen Avantis der städtische Rettungsanker schon geworfen worden. Mit 24 Millionen Euro Schulden stand die Vermarktungsgesellschaft vor dem Bankrott. Die vier Teilhaber, darunter die Stadt Aachen, kaufen Avantis nun bei der Bank frei - mit bis zu 6,75 Millionen Euro an Krediten pro Partner. Nur: Damit ist noch nicht ein neuer Interessent für die 100 Hektar Flächen gefunden. Bis März soll deswegen ein ganz neues Konzept her: niedrigere Preise, weniger strenge Auflagen, neue Verkehrsanbindungen, wenige Beschränkungen beim Branchenmix. Ob das einstige Vorzeige- und heutige Pleite-Projekt so zu retten ist, wird sich zeigen.