Aachen: Von Freunden und Feinden, Macht und Manipulation

Aachen: Von Freunden und Feinden, Macht und Manipulation

Frieden ist mehr als die Abwesenheit von körperlicher Gewalt. Der uralten Einsicht hat das Euregioprojekt Frieden mit den jüngsten Aachener Friedenstagen einmal mehr in beeindruckender Weise Rechnung getragen.

Zum 15. Mal hat die Veranstaltungsreihe in diesem Jahr die vielfältigen Facetten des menschlichen Zusammenlebens im Spannungsfeld von Macht und Geld, Politik und Psychologie, Kunst und Wissenschaft beleuchtet.

Einen glänzenden Schlusspunkt setzte Rezitator Andreas Grude jetzt, indem er das Publikum in der Annakirche mit Werken berühmter Autoren — von Goethe über Heine und Freilingrath bis hin zu Bettina Wegener und Wolf Biermann — zum poetischen, jederzeit erhellenden Parforce-Ritt durch die Ideenwelt des Humanismus einlud. Und damit zeigte, dass gute Dichtung — mal subtil, mal explizit provozierend — fast immer auch einen politischen Hintergrund hat.

Rund drei Wochen hatten die Friedenstage zuvor mit unterschiedlichsten Veranstaltungen zahlreiche Interessierte angezogen. Zum Auftakt beleuchtete Jürgen Grässlin, Träger des Aachener Friedenspreises 2010, mit Auszügen aus seinem „Schwarzbuch des Waffenhandels“ Hinter- und Abgründe bundesdeutscher Außenpolitik im Zeichen der Wirtschafts- und Machtkartelle.

Zum Thema „Unschuld und Verantwortung“ referierte folgerichtig der Aachener Psychoanalytiker Thomas Auchter. Mit der Präsentation des Dokumentarfilms „Wir weigern uns, Feinde zu sein“ wurden Erfahrungen deutscher Jugendlicher in Israel und dem besetzten Westjordanland ins Blickfeld gerückt. Auch eine Aufführung der jüngsten Inszenierung des „rohestheater“ zum 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs, „1914-1918 — Hurra“, gehörte zum Programm.

„Seit der Gründung des Euregioprojekts für den Frieden vor 15 Jahren haben wir die Kooperation mit zahlreichen Vereinen, Persönlichkeiten und Institutionen aus dem gesamten Grenzland mit wachsendem Erfolg ausbauen können“, zog Veronika Thomas-Ohst, maßgebliche Mitbegründerin der Veranstaltungsreihe, ein Zwischenfazit der Aktivitäten. Mittlerweile gehören Künstler, Wissenschaftler und Aktionsgruppen auch aus Belgien, den Niederlanden und bis hin zur Rheinschiene dem rührigen Netzwerk an.

Weitere Projekte lassen nicht lange auf sich warten. Im September folgt die renommierte „Berliner Compagnie“ der Einladung des Euregioprojekts zum Gastspiel im Eupener Jünglingshaus. Sie zeigt ihre jüngste, gewohnt kritisch-satirische Produktion „Stille Macht“ rund um die Auswüchse des Polit-Lobbyismus. Geplant ist zudem ein Vortrag über Manipulation durch Sprache, verbunden mit der Präsentation einer Installation des Aachener Künstlers Gerd Lebjedzinski. Nähere Infos gibt es selbstverständlich in Kürze.

(mh)