Aachen: Von Denkmalschutz (fast) nichts zu sehen

Aachen: Von Denkmalschutz (fast) nichts zu sehen

Die Saufgelage im historischen Stauferkeller liegen schon einige Jährchen zurück. Auf einem Schild an der Wand, wo früher die Theke stand, ist heute noch zu lesen, dass ein Kölsch für 3,50 Mark zu haben war.

Das stammt aus einer turbulenten Partyphase, als hier ein Diskobetrieb dem maroden Gebäude an der Kleinköln-straße 3 den Rest gab. Jetzt soll eigentlich alles besser werden. Doch oberhalb des Kellers, rund um den Büchel, ist die Feierlaune auf dem Tiefpunkt. Nur Krach gibt es immer noch. Anwohner und Einzelhändler leiden nämlich über Jahre unter Vollsperrungen und großen Baumaßnahmen in unmittelbarer Nähe des Marktes.

„Die Kundenfrequenz sank erheblich, für einige Geschäftsleute kann das jetzt existenzbedrohend werden”, sagt Kathrin Spalleck, Inhaberin der Buchhandlung „M. Jacobis Nachfolger”. Sie hat im Namen der Interessengemeinschaft Büchel einen Brief an Stadt und Stawag geschrieben und um zeitliche Verlegung der nächsten Großbaustelle gebeten. Die Chancen stehen schlecht. Wie bei der Einhaltung des bisherigen Zeitplans.

Ab Februar 2010 buddelte die Stawag in der Kleinkölnstraße, dann pflasterte die Stadt den verkehrsberuhigten Bereich. Als die fertig war, konnte endlich ein privater Bauherr, der ehemalige Juwelier Norbert Frank, im Januar 2011 die „Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes” mit der Hausnummer 3 beginnen - ein Millionen-Projekt. Weil für den Kran auf dem Grundstück kein Platz war, wurde die Kleinköln-straße wieder zur Sackgasse und gesperrt - per Sondernutzungsgenehmigung bis zum 31. August. Nun ist bestätigt, dass diese Genehmigung mindestens bis Weihnachten verlängert wurde. „Das war eigentlich von vorneherein so geplant”, sagen Architektin Serap Dagtekin und das Presseamt einhellig. Nur kommuniziert hatte man das nie.

Nichts zu sehen ist für Beobachter der Baustelle auch vom Denkmalschutz. Jedenfalls von außen. Denn bis auf den Stauferkeller, eine hunderte Jahre alte Fassade im hinteren Bereich der 30 Meter tiefen Baustelle und einen 1,30-Meter-Vorsprung an einer Hausecke, haben die Bauarbeiter das Vorderhaus niedergelegt. Und zwar komplett. So entstehen jetzt auf dem - nicht gerade schwerlasttauglichen - Stauferkellergewölbe und zwischen wenigen Resten der alten Ruine zwei neue Gebäudeteile, die durch einen offenen Innenhof voneinander getrennt sind. „Zur Straße entsteht ein Geschäftslokal mit Zugang zum Stauferkeller, hinzu kommen sieben Wohnungen auf drei Etagen”, erklärt die Architektin.

Warum Abriss und Neubau so lange dauern? „Jeder Tag bringt neue Überraschungen”, sagt sie. Man habe es mit einem regelrechten Materialpuzzle im alten Bestand zu tun. Außerdem könne wegen des Stauferkellers kein schweres Gerät arbeiten. „Hier passiert alles von Hand - und zwar ständig, auch wenn man das von der Straße aus nicht sieht”, betont Dagtekin. Ende des Jahres soll der Rohbau stehen, Mitte 2012 der Rest. Dann wird gleichzeitig nebenan alles aufgerissen: Kanalverlegungen und Straßenumbau am Büchel.

Das Parkhaus soll bereits im Februar in Trümmern liegen. Dort ist ein Hotel geplant. Von da werden hunderte Lkw rund um den Büchel Schutt transportieren. Mit Getöse und Krach. Was wiederum weder die Feierlaune der Geschäftsleute noch der verbliebenen Kundschaft hebt - über 2013 hinaus.